Wirtschaften in Krisenzeiten

Boom statt Flaute mit neuer Geschäftsausrichtung

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Das Innerschweizer KMU bushandel.ch wurde hart von der Coronakrise getroffen. In wenigen Monaten krempelte Geschäftsführer Anton Kaufmann den Betrieb um und baute sein zweites Standbein aus. So hat der Unternehmer die Krise mit vier konkreten Massnahmen gemeistert.

 

K.-o.-Schlag fürs Kerngeschäft

Und plötzlich ging nichts mehr. Als der Bundesrat am 16. März 2020 den Lockdown ausrief, gab es von heute auf morgen kaum noch Bedarf für die Kleinbusse, die bushandel.ch in den letzten Jahren mit Erfolg vermietet und verkauft hatte. «Alles ging erschreckend schnell», erinnert sich Geschäftsführer Anton Kaufmann. «Mietkunden annullierten Buchungen im Fünfminutentakt und auch die Verkäufe an Reiseunternehmen brachen ein.»

 

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  • Flaute im Kerngeschäft: Die Coronakrise liess die Nachfrage nach den Mini- und Midi-Bussen von bushandel.ch komplett einbrechen.
  • Geschäftsführer Anton Kaufmann reagierte sofort und baute sein zweites Standbein aus: Camper und Wohnwagen.
  • Das Unternehmen aus Dagmersellen profitierte vom Camping-Boom im Sommer 2020.
  • Der neu lancierte Campingshop wurde regelrecht überrannt. Familie und Freunde packten mit an, um die vielen Online-Bestellungen zu stemmen.
  • Die Krise als Chance genutzt: Heute ist das Unternehmen der grösste Campingfachspezialist der Zentralschweiz.
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    Vier Massnahmen in der Krise

    So standen 70 Mini- und Midi-Busse nutzlos herum, doch Anton Kaufmann reagierte sofort. Der Geschäftsführer rechnete mit dem Schlimmsten, schaute sich nach neuen Einkommensquellen um und richtete das Unternehmen neu aus. Mit den folgenden vier Massnahmen fand bushandel.ch den Weg aus der Krise:

     

    1. Geschäftsmodell angepasst

    Anton Kaufmann legte sein Kerngeschäft auf Eis und fokussierte stattdessen das zweite Standbein, das er sich in den letzten vier Jahren aufgebaut hatte: den Verkauf und die Vermietung von Campern und Wohnwagen. «Nicht hoffen, sondern handeln» sei sein Motto gewesen, sagt der Geschäftsführer rückblickend.

     

    2. Ressourcen und Infrastruktur neu aufgestellt

    Als erstes trat Anton Kaufmann auf die Kostenbremse und meldete die nicht benötigten Fahrzeuge beim Strassenverkehrsamt ab. Dann funktionierte er die Infrastruktur um und verlagerte das Personal in den Campingbereich. Statt Bussen wurden in der hauseigenen Werkstatt nun Camper und Wohnwagen auf die Bedürfnisse der Kunden massgeschneidert. So hatten die Mechaniker, Elektriker, Sattler, Schlosser und Spengler weiterhin Arbeit. Die Verkäufer legten den Fokus ebenfalls auf das Campinggeschäft.

     

    3. Digitale Vertriebskanäle ausgebaut

    Auch für die Mitarbeitenden in der Administration gab es neue Aufgaben: Anton Kaufmann realisierte, dass in der Pandemie Onlineshopping gefragt sein würde, also lancierte er einen Webshop für Campingzubehör. Der Unternehmer hat die Bedeutung des Internets früh erkannt. Als er sich 2003 selbstständig machte, war bushandel.ch die erste Schweizer Firma mit einer Domain im Namen. Logisch, dass er auch beim Ausbau seines zweiten Standbeins auf Online-Marketing und -Vertrieb setzte.

     

    Mittlerweile ist das 24 Hektar grosse Firmengelände in Dagmersellen, auf dem einst eine Garnfabrik stand, ein Eldorado für Campingbegeisterte: Vor den grossen Shedhallen stehen neue Camper und Wohnwagen, Occasionen und Mietfahrzeuge. Auf einer Fläche von 2'500 m² findet sich ein Campingshop mit 52'000 Artikeln. Im Untergeschoss sind das Lager und die Verpackungsstationen für den Onlineshop untergebracht. «Die Infrastruktur und die Prozesse haben wir im Hinblick auf den Onlinehandel laufend optimiert», sagt Anton Kaufmann. 

    Beim Verkauf der Camper und Wohnwagen fokussiert Anton Kaufmann ebenfalls auf digitale Lösungen: «Durch den Aufbau unseres Onlineshops haben wir gelernt, wie wichtig es ist, Zeit in die Aufbereitung von Daten zu investieren», bemerkt er. Je fundierter die Online-Infos zu den Produkten, desto weniger Beratung an der Front sei nötig. Schon heute lassen sich die Camper und Wohnwagen online konfigurieren und künftig soll man sie auch virtuell per Video besichtigen können.

     

    4. Liquiditätsmanagement optimiert

    Als der Unternehmer 2013 die Textilfabrik an der A2 übernahm, hatte er noch keinen konkreten Plan für die Nutzung des Geländes. Doch sein Geschäft war während der letzten zehn Jahre so stetig gewachsen, dass er einmal mehr ausbauen musste. Also nahm er volles Risiko, und das zahlte sich aus: Das grosse Areal war mitentscheidend, dass er einen exklusiven Importvertrag mit Hobby, dem weltweit grössten Hersteller von Campern und Wohnwagen, abschliessen konnte. Somit hatte Kaufmann den optimalen Partner für sein Vorhaben.

    Der Ausbau des zweiten Standbeins war allerdings kapitalintensiv. Anton Kaufmann musste die Camper und Wohnwagen für die kommende Saison frühzeitig bestellen und gleichzeitig neue Mietfahrzeuge anschaffen. Auch der Aufbau des Onlineshops belastete die liquiden Mittel. Zudem war in der Busflotte viel Kapital gebunden und ein Verkauf mitten in der Krise undenkbar. Das Liquiditätsmanagement war somit die zentrale Herausforderung.

    Gemeinsam mit dem Regionalzentrum Firmenkunden Zentralschweiz von Raiffeisen entwickelte Kaufmann eine Strategie, um investieren zu können und gleichzeitig die liquiden Mittel zu schonen. «Vendor Leasing war in dieser Situation das optimale Finanzierungsinstrument», sagt Raiffeisen-Firmenkundenberater Anton Lustenberger. Anstatt die Mietfahrzeuge wie bisher zu kaufen, least bushandel.ch die Camper und Busse heute via Raiffeisen beim Hersteller. Die Bank übernimmt dabei die Anschaffungskosten. «So konnten wir finanziellen Spielraum für die Neuorientierung schaffen», erklärt Lustenberger.

    «Ich habe schon länger mit Leasing geliebäugelt, aber erst jetzt die optimale Lösung gefunden», erzählt Anton Kaufmann. Über ein Online-Tool kann er bequem ein Leasing beantragen und auch rasch wieder beenden. So lassen sich Mietfahrzeuge bei Bedarf sofort verkaufen. Herkömmliche Leasinglösungen wären dafür zu starr: Kaufmann müsste mit dem Verkauf so lange zuwarten, bis der Vertrag ausgelaufen ist, oder eine hohe Strafgebühr für die vorzeitige Beendigung bezahlen. «Diese Flexibilität ist für mich sehr wertvoll, da die Fahrzeuge rasch an Wert verlieren», betont er.

     

    Bereit für die neue Normalität

    Anton Kaufmann setzte in der Krise auf die richtige Karte, denn der Camping-Boom im vergangenen Sommer beflügelte die Umsätze. «Unser zweites Standbein hat uns gerettet», sagt Kaufmann. «Damit konnten wir einen grossen Teil der Umsatzeinbussen im Kerngeschäft kompensieren.» Das Unternehmen musste weder Kurzarbeit anmelden noch einen Covid-19-Kredit beanspruchen.

    Der Geschäftsführer rechnet damit, dass das angestammte Geschäft mit den Bussen diesen Sommer wieder Fahrt aufnimmt. Frühzeitig bereitet er sich auf den Neustart vor. Der findige Unternehmer nutzte die Krise auch, um sein altes Geschäftsmodell zu überdenken. «Wir gehen in die Offensive und bieten unseren Kunden zusammen mit den Mietbussen komplette Arrangements an», sagt Kaufmann. Um Ausflugsideen inklusive Übernachtungen verkaufen zu können, hat er Fachleute aus der Reisebranche eingespannt.

    Gleichzeitig nutzt Anton Kaufmann das brachliegende Potenzial seiner Busflotte. Einige Fahrzeuge werden in der Werkstatt zu Camping-Bussen umfunktioniert. Kaufmanns Vision ist ein «fahrbarer Wintergarten» mit Panoramafenstern anstelle der kleinen Fensterchen von herkömmlichen Wohnmobilen. So kommen beide Standbeine in einem innovativen Produkt zusammen.

     

    Fünf Tipps des Unternehmers

    Erfolgreiche Unternehmer passen ihr Geschäftsmodell rasch Veränderungen an. Anton Kaufmann hat bushandel.ch seit der Gründung im Jahr 2003 laufend weiterentwickelt und erfolgreich durch die Coronakrise geführt. Erfahren Sie, welchen Grundsätzen der Vollblutunternehmer folgt.

    1. Nicht hoffen, sondern handeln
      Zweckoptimismus bringt nichts. In einer Krise sollte man mit dem Schlimmsten rechnen und sein Geschäftsmodell möglichst rasch den neuen Umständen anpassen.
    2. Unterschiedliche Standbeine aufbauen
      Wer sein Geschäftsfeld diversifiziert und sich breit aufstellt, kann überraschende Umsatzeinbussen besser abfedern.
    3. Geschäftsmodell immer wieder hinterfragen
      Die Coronakrise brachte viele Unternehmer dazu, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Dies sollte man jedoch nicht nur in der Krise tun, sondern laufend.
    4. Anders sein
      Es gibt immer jemanden, der billiger ist. Deshalb gilt: Sich nicht über den Preis von der Konkurrenz abgrenzen, sondern über das Angebot.
    5. Online-Vertrieb ausbauen
      Kunden informieren sich heute vor allem online. Es lohnt sich deshalb, Zeit ins Aufbereiten von Daten für den Online-Vertrieb zu investieren.
    Campingbus von Bushandel.ch
    Bushandel.ch

    Bushandel.ch wurde 2003 in Dagmersellen gegründet. Das Unternehmen beschäftigt 40 Mitarbeitende und bietet die grösste Auswahl an Mini- und Midi-Bussen der Schweiz. Viele davon werden auf die Kundenbedürfnisse massgeschneidert. Zu den Kunden gehören Gemeinden, Vereine, Unterhaltungskünstler und Reiseunternehmen. Seit 2016 bietet die Firma auch Camper und Wohnwagen an und ist heute der grösste Campingfachspezialist der Zentralschweiz.