Investitionsgüterleasing zu fairen Konditionen

Welchen finanziellen Spielraum bietet Leasing für Unternehmen?

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Die letzten Monate führten es vor Augen: Leasing schont die Liquidität, gerade auch in schwierigen Zeiten. Immer mehr KMU erkennen, dass das einst verpönte Finanzierungsinstrument finanziellen Spielraum schafft. Ein Interview mit Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz, über die wachsende Nachfrage, überholte Vorurteile und aktuelle Trends.
 

Für welche Unternehmen ist Investitionsgüterleasing interessant?

Marc Hintermeister: Leasing bietet sich grundsätzlich für alle Unternehmen an, die in Nutz- und Logistikfahrzeuge, Maschinen oder IT-Infrastruktur investieren wollen, aber ihre Liquidität schonen möchten. Besonders geeignet ist das Finanzierungsinstrument für KMU, die sich mit einem raschen technologischen Fortschritt konfrontiert sehen und zum Beispiel in Automationstechnologie investieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Wie hat sich Covid-19 auf das Leasinggeschäft ausgewirkt?

M.H.: Eigentlich haben wir erwartet, dass die Nachfrage zurückgeht, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten in der Regel vorsichtiger mit Investitionen sind. Das war jedoch nicht der Fall. Das Interesse an unserem Leasingangebot war ungebremst. 

 

Wie erklären Sie sich das? 

M.H.: Unternehmen können dank Leasing auch in schwierigen Zeiten Investitionen tätigen, ohne die liquiden Mittel überzustrapazieren. Eigenmittel werden bei Ersatzinvestitionen in der aktuellen herausfordernden Situation lieber nicht verwendet. Stattdessen prüft man eher ein Leasing und behält Liquiditätspolster für Unvorhergesehenes. Insofern hat Covid-19 die Vorteile von Leasing nochmals sehr deutlich gemacht.

 

Ein alternatives Finanzierungsinstrument in dieser Situation wäre ein Kredit. Welche Vorteile bietet Leasing gegenüber einem Investitionskredit? 

M.H.: Ein Investitionskredit bringt zwar meist tiefere Zinsen mit sich, doch in einer Gesamtkostenrechnung schneidet Leasing dennoch oft besser ab. Mit der monatlichen Leasingrate werden fortlaufend Amortisationen geleistet, was gegenüber der verzögerten Amortisationsstruktur eines endfälligen Investitionskredits ein Vorteil ist. Zudem bietet Leasing deutlich mehr Flexibilität, was die individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten betrifft.

 

Der Schweizer Leasingmarkt ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen, hinkt aber nach wie vor dem Ausland hinterher. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

M.H.: Das hat unter anderem damit zu tun, dass wir in der Schweiz viele inhabergeführte Unternehmen haben. Der Patron der alten Schule setzt aus Überzeugung auf die Eigenfinanzierung und diese Haltung ist ein Stück weit auch typisch für die Schweizer Mentalität. Das Leasingangebot hat sich in den letzten Jahren jedoch stark weiterentwickelt. Die Produktpalette ist breiter und die Konditionen sind attraktiver geworden. Das starke Wachstum des Leasingmarkts zeigt, dass Unternehmer Leasing vermehrt als attraktives Finanzierungsinstrument wahrnehmen. Leasing ist kaum noch mit Vorurteilen behaftet.

 

Ein Vorurteil lautet: Leasing ist teuer. Welche Gegenargumente haben Sie?

M.H.: Das war beim PKW-Leasing vielleicht einmal so, trifft heute aber sicher nicht mehr zu. Leasingverträge sind in der Regel auf zwei Drittel der wirtschaftlichen Nutzungsdauer angelegt, und deshalb beginnt sich Leasing schon lange vor Ablauf der Vertragsdauer zu lohnen. Wenn man bei Investitionsgütern eine Vollkostenrechnung macht, schneiden Leasing und Kauf in vielen Fällen gleichwertig ab. Man muss auch sehen, dass Eigenmittel nicht einfach gratis sind und eine Rendite generieren müssen – und die Erwartungen an diese sind oft höher als die Mehrkosten beim Leasing aufgrund von Zinsen und Bearbeitungsgebühren.

 

Welche Faktoren beeinflussen die Leasingkosten?

M.H.: Die Kosten sind sowohl von der Bonität des Leasingnehmers als auch von der Objektkategorie abhängig. Je vorteilhafter beides aus Sicht des Leasinggebers ist, desto besser sind die Konditionen.

 

Bei welchen Objektkategorien stellen Sie das grösste Wachstum fest?

M.H.: Am höchsten ist die Wachstumsrate in der Medizinaltechnik. Allein im letzten Jahr ist dieser Bereich um 20 Prozent gewachsen. Auch Produktionsanlagen und Baumaschinen haben erneut stark zugelegt. In allen drei Bereichen ist das Potenzial nach wie vor gross, auch weil Technologien wie das Internet of Things (IoT) innovative Leasingmodelle möglich machen.

Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz
Marc Hintermeister, Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz

Marc Hintermeister ist Leiter Leasing bei Raiffeisen Schweiz. Gemeinsam mit seinem Team bietet er den Firmenkunden von Raiffeisen flexible Finanzierungslösungen an, welche Investitionen ermöglichen, ohne die Liquidität zu belasten – in der Regel ab einem Volumen von CHF 15'000.–.