Die Harmonisierung im Zahlungsverkehr geht mit der Einführung der QR-Rechnung weiter

Dank QR-Rechnung Zahlungen 10-mal schneller erfassen

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KMU müssen in den kommenden Monaten ihre Prozesse zur Rechnungserfassung und -erstellung anpassen. Die Raiffeisen-Experten Michael Mäder und Jürgen Wintermantel erklären im Interview, was der Nutzen der Umstellung ist, wie Unternehmer diese angehen können und wie Raiffeisen KMU dabei hilft.

 

Interview mit Michael Mäder und Jürgen Wintermantel, Zahlungsverkehrs-Spezialisten

Die Schweiz führt am 30. Juni 2020 die QR-Rechnung ein. Wie sollen sich KMU darauf vorbereiten?

Jürgen Wintermantel: Um von den Vorteilen der QR-Rechnung profitieren zu können, müssen Unternehmer sowohl ihre Zahlungserfassung als auch die Rechnungsstellung anpassen. Es ist wichtig, dass sie jetzt aktiv auf ihre Software-Partner zugehen, um zu klären, welche Massnahmen nötig sind.

Michael Mäder: Unsere Erfahrungen aus der Umstellung auf ISO 20022 haben gezeigt, dass viele Software-Anbieter Engpässe hatten. Nur bei frühzeitiger Terminreservation ist eine nahtlose Umstellung sichergestellt.

 

Die roten und die orangen Einzahlungsscheine bleiben weiter im Einsatz. Können Unternehmer mit der Umstellung nicht warten? 

M. M.: Nein, ausser sie nehmen erheblichen Mehraufwand in Kauf. Denn jedes KMU muss damit rechnen, dass es ab dem Startdatum QR-Rechnungen zugestellt bekommt. Somit ist jeder Unternehmer gut beraten, seine Kreditorenbuchhaltung anzupassen. Wir empfehlen, im gleichen Zug auch die Fakturierung auf die QR-Rechnung anzupassen.

J. W.: Es ist im Interesse aller Beteiligten – Rechnungssteller und -empfänger, Softwarehersteller und Finanzinstitute –, dass die Umstellung so schnell wie möglich vorgenommen wird. Je früher gesamtschweizerisch auf die QR-Rechnung umgestellt wird, desto schneller profitieren alle von den Vorteilen, insbesondere auch von den Kosteneinsparungen.

 

Welches sind denn die Vorteile?

J. W.: Der Rechnungsempfänger kann Zahlungen einfacher, schneller und sicherer einlesen. Tests mit dem QR-Reader «PayEye» haben gezeigt, dass damit QR-Rechnungen 10-mal schneller erfasst werden können als beim Abtippen der herkömmlichen Einzahlungsscheine. Zudem passieren keine Fehler bei der Zahlungserfassung.

M. M.: Der Rechnungssteller hat insgesamt weniger manuellen Aufwand und Rückfragen. Das spart Zeit und Geld. Der Automatisierungsgrad steigt mit den zusätzlichen Informationen, mit denen eine QR-Rechnung bestückt werden kann.

 

Weshalb braucht es diese Umstellung überhaupt?

J. W.: Immer mehr Unternehmen aus der Schweiz agieren global. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde 2016 die nationale Harmonisierung des Zahlungsverkehrs gestartet. Auf Basis von ISO 20022 wurden dazu die unterschiedlichen Zahlungsverfahren der Banken und PostFinance zusammengeführt und vereinheitlicht. 

M. M.: Dazu gehört es auch, die Belegvielfalt, welche in der Schweiz heute sieben verschiedene Varianten von Einzahlungsscheinen kennt, zu reduzieren und uns so für die digitale Zukunft fit zu machen: Die QR-Rechnung ist dafür ideal.

 

Wie kann Raiffeisen KMU bei der Umstellung unterstützen? 

M. M.: Unsere Motivation ist es, das Leben des Unternehmers zu vereinfachen. Dies beginnt mit frühzeitiger Information. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kundenberater: Sie wurden geschult, um nicht nur Auskunft zur QR-Rechnung zu geben, sondern KMU auch mit Kundenbroschüren oder Checklisten zu unterstützen. Bei Bedarf kommen die Zahlungsverkehrsspezialisten auch zum Unternehmer und beraten vor Ort. 

 

Es ist bereits die Rede von der nächsten Entwicklung: Der eBill. Löst sie die QR-Rechnung bald wieder ab?

M. M.:  Nein. Die eBill – also die elektronische Rechnung – schliesst die letzten Medienbrüche im Zahlungsprozess. Sie digitalisiert die ganze Wertschöpfungskette von der Rechnungsstellung bis zur Zahlung direkt im E- oder M-Banking. 

J. W.: Die eBill konkurrenziert die QR-Rechnung nicht. Denn die QR-Rechnung kann auf Papier wie auch als eBill erstellt werden. Der Rechnungsempfänger erledigt so seine Zahlungen auf die von ihm bevorzugte Art.

Michael Mäder, Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden
Michael Mäder, Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden

Michael Mäder ist Leiter Vertrieb Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz. Er führte mit seinem Team die 200'000 Firmenkunden von Raiffeisen erfolgreich ins neue Zeitalter des Zahlungsverkehrs, indem er die Unternehmer bei der Umstellung auf ISO 20022 tatkräftig unterstützte.

Jürgen Wintermantel, Produktmanager Zahlungsverkehr Firmenkunden
Jürgen Wintermantel, Produktmanager Zahlungsverkehr Firmenkunden

Jürgen Wintermantel ist Produktmanager Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz. Er besitzt eine langjährige Erfahrung im Zahlungsverkehr und arbeitete als Fachspezialist aktiv an der Ausgestaltung der «Swiss Payment Standards» für den Kunden-Bank-Datenaustausch.