Danke für 28 Jahre Engagement, lieber Werni!

Ganze 28 Jahre lang war Werner Ulmer Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Allschwil-Schönenbuch. Im Interview blickt er auf seine Erfolge und Herausforderungen zurück – und er verrät, was es mit dem Namen seiner eigenen Firma auf sich hat. Seinem Nachfolger Tobias Fischer gibt Werner Ulmer einen wichtigen Ratschlag auf den Weg.

Lieber Werni, nach 28 Jahren gibst du die Bankleitung ab. Wie fühlt sich das an für dich?

Es ist ein Prozess, der seit über drei Jahren stattfindet. Inzwischen ist der Entscheid gereift, ich habe mich mit der Nachfolge auseinandergesetzt und ich muss sagen: Es fühlt sich richtig an.

 

Wenn du zurückblickst: Welche waren deine grössten Erfolge?

Natürlich könnte ich einen halbstündigen Monolog halten. Aber auf was ich wirklich stolz bin: Es ist mir gelungen, diese Bank in einen Familienbetrieb respektive in ein KMU zu überführen, welches eine Ausstrahlung hat und nicht einfach eine Bankfiliale in Allschwil ist. Eine Unternehmung, die Teil des öffentlichen Lebens ist.

 

Was bedeutet das konkret?

Intern haben wir ein sehr familiäres Verhältnis aufgebaut. Die Mitarbeitenden fühlen sich wohl und arbeiten sehr gern hier. Gegen aussen nimmt man uns als innovative Bank wahr, die auch einen Extraschritt geht, um die beste Lösung für die Kundinnen und Kunden zu finden. Zusätzlich habe ich mich national für die Raiffeisengruppe engagiert. Der grösste Erfolg dort ist sicher die Verselbständigung der Niederlassungen, die in den Jahren 2020 bis 2022 nach einer etwa fünfjährigen Vorbereitungszeit erfolgreich umgesetzt wurde.

 

Welche waren die schwierigsten Momente und wie hast du die Herausforderung jeweils gemeistert?

Unternehmerisch ist diese Bank in den vergangenen 30 Jahren sehr schnell gewachsen. Die grosse Herausforderung war immer: Wann machst du organisatorisch den nächsten Schritt? Wann passt du die Aufbauorganisation an, um die Bank personell auszubauen? Etwa alle fünf Jahre war der nächste Ausbauschritt notwendig. Die richtigen Leute zu finden und die bestehenden Mitarbeitenden bei der Aufbauorganisation entsprechend zu berücksichtigen, hat viel Fingerspitzengefühl gebraucht – und auch ein wenig Glück.

 

Was wirst du am meisten vermissen?

Ich habe nun mit der Aufgabe «Betreuung Schlüsselkunden» eine neue Rolle erhalten. So muss ich nicht von heute auf morgen ausscheiden. Ich kann die Führung abgeben und mich aus der Geschäftsleitung zurückziehen, aber weiterhin mit meinen wertgeschätzten Menschen arbeiten – sei es intern mit den Mitarbeitenden oder extern mit den Kundinnen und Kunden. Auch mein Netzwerk kann ich weiterhin pflegen. Dieser Teil hat mir immer am meisten Spass gemacht. Von dem her werde ich nicht wirklich etwas vermissen, nein.

 

Was sind deine Tätigkeiten bei der Aufgabe «Betreuung Schlüsselkunden»?

Ich habe keine Kundinnen und Kunden mehr, die fix auf mich zugeteilt sind, aber die Leute wissen, dass ich noch da bin. Diejenige, die mich finden möchten, werden mich finden, ob intern oder extern. Zudem begleite ich Kundenberaterinnen und -berater zu Gesprächen oder gebe ihnen vorab Informationen mit. 

 

Bei welchen Aufgaben bist du froh, dass sich nun jemand anders darum kümmert?

In erster Linie die Unternehmensführung. Die regulatorische Entwicklung einer sowieso schon stark regulierten Branche ist extrem exponentiell. Bei der Personalführung ist es anders. Die tollen Mitarbeitendengespräche werde ich wohl schon ein wenig vermissen. Und ganz wichtig ist mir, dass ich mit meinen Kundinnen und Kunden weiterhin Kontakt pflegen darf.

 

Wofür bist du am meisten dankbar, rückblickend auf deine Karriere bei der Raiffeisenbank?

Dass mir der Verwaltungsrat immer ein riesengrosses Vertrauen entgegengebracht hat und ich diese Bank sehr selbständig wie eine eigene Firma führen durfte. Das hat meine Arbeit extrem bereichert.

 

Warum ist Tobias Fischer der richtige Nachfolger für dich?

Ich habe eine Person gesucht, die fachlich den ganzen Rucksack mitbringt, den man heute haben muss, um eine solche Bank führen zu können. Diese Kriterien erfüllt Tobias Fischer voll und ganz. Zudem musste er einen anspruchsvollen Prozess durchlaufen, um die Bewilligung als Vorsitzender der Bankleitung zu erhalten. Heute hat Tobi bestimmt einen grossen Respekt vor dieser Aufgabe. Aber ich bin überzeugt, dass er von seiner Person her in dieses gelebte Unternehmertum hineinwachsen wird. Und dann wäre ich froh, wenn diese Bank weiterhin wie ein KMU geführt wird und Bestandteil des öffentlichen Lebens in Allschwil bleibt.

 

Mit der KLEE Begleitung AG hast du nun selbst ein Unternehmen gegründet.

Das ist eine Idee, die mir seit zehn Jahren im Kopf herumschwirrt. Entstanden ist sie in einem Gespräch, bei dem mich der Kunde fragte, ob ich für ihn als Vertrauensperson den Vorsorgeauftrag übernehmen würde. In meiner damaligen Position als Vorsitzender der Bankleitung musste ich aufgrund der Vorschriften ablehnen. Allerdings überlegte ich, eine Firma für dieses Angebot zu gründen. Es fehlte mir aber die Zeit dafür. 2024 habe ich Claudia Grieder getroffen, ich kenne sie seit 20 Jahren. Die Idee hat sie absolut fasziniert. Als sie sagte, sie würde als Geschäftsführerin einsteigen, habe ich die Firma gegründet. Und nun kann ich endlich meinen zehn Jahre alten Traum umsetzen.

 

Warum heisst das Unternehmen KLEE? Weil ein vierblättriges Kleeblatt und deshalb auch die Zusammenarbeit mit euch Glück bringen soll?

Das ist ein absoluter Zufall. Der Name KLEE war die Idee des Kunden, von dem ich erzählt habe. Er bezog KLEE auf «Kinderlose Ehepaare und Einzelpersonen». Das vierblättrige Kleeblatt ist das perfekte Symbol dafür.

 

Was ist das Ziel mit der Firma?

Das Ziel ist, dass wir Menschen unterstützen, damit sie möglichst lange in ihrem Leben eigenständig funktionieren können. Wenn ein Teil eines Paares stirbt und sich um den ganzen organisatorischen Bereich gekümmert hat, bleibt die andere Person oft ein wenig hilflos zurück. In diesem Fall kann diese Person auf unsere Dienstleistung zurückgreifen. Wir haben ein ähnliches Angebot wie die KESB. Allerdings bekommt man bei uns keinen Beistand. Man bleibt eigenständig und kann die Leistungen in Anspruch nehmen, die man gerade benötigt.

 

Dann habe ich gehört, dass du auch beim Bahnhöfli Ettingen involviert bist. Erzähl mal von diesem Projekt.

Das ist ebenfalls so eine lustige Geschichte, die seit Längerem in unseren Köpfen herumschwirrt. Mit «uns» meine ich meinen Kompagnon Samuel Burri und mich. Vor etwa fünf Jahren hatten wir die Idee, das Bahnhöfli käuflich zu erwerben, würde es einmal verkauft werden – mit dem einzigen Ziel, das Restaurant weiter zu betreiben. Ein Restaurant in einem Dorf wie Ettingen hat eine soziale Aufgabe. Der Stammtisch ist ein sozialer Treffpunkt. Wir wollten verhindern, dass es nicht jemand kauft, der ein Wohn- oder Büroprojekt verwirklicht, sondern, dass es eine Dorfbeiz bleibt. Die Liegenschaft kam anfangs 2025 auf den Markt und dann sagten wir: Zusammensitzen, rechnen, entscheiden. Das haben wir gemacht und das Haus gekauft. Seither verpachten wir es an unseren Wirt Ibrahim.

 

Wie engagierst du dich sonst nebenberuflich?

Mit der Klee Begleitung AG und mit dem Bahnhöfli habe ich nun zwei Projekte, mit denen man sich gut beschäftigen kann ausserhalb der Raiffeisenbank. Aber in Zukunft werde ich auch mehr Zeit für mich nehmen: mehr Golf spielen und weitere Dinge unternehmen, die mir Freude bereiten. Ich bin zufrieden, dass nun jüngere Leute übernehmen.

 

Welche Ratschläge gibst du deinem Nachfolger Tobias Fischer?

Ich kann ihm nur einen Ratschlag mitgeben: Tobi, versuche nie, eine Kopie von mir zu werden. Du bist Tobi, ich bin Werni. Du musst deinen eigenen Weg finden und versuchen, es so umzusetzen, dass es für dich stimmt. Dann bin ich überzeugt, dass es auch für alle anderen stimmt.

 

Letzte Frage: Was wünschst du dir für die Zukunft der Raiffeisenbank Allschwil-Schönenbuch?

Diesen Wunsch habe ich an Tobias adressiert. Ich wünsche mir, dass die Bank familiär bleibt und weiterhin auf einer grossen Vertrauensbasis funktioniert. So wie ich es während den knapp 30 Jahren mit den Mitarbeitenden und dem Verwaltungsrat erlebt habe. Und nach aussen wünsche ich mir, dass die Raiffeisen Allschwil-Schönenbuch weiterhin ein innovatives Unternehmen bleibt, das gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden kreative Lösungen sucht. Ansätze, die Bedürfnisse erfüllen und sich nicht nur von regulatorischen Vorgaben leiten lassen.