Finanzmärkte Ausblick

Anhaltend positive Vorzeichen

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Mai 2019

 

Die Berichtssaison für das erste Quartal ist in den USA wie erwartet gut angelaufen. Auch bei den Makrodaten waren zum Teil wieder positivere Vorzeichen zu beobachten. Dennoch erwarten wir keine unmittelbare Fortsetzung der Rally an den Aktienmärkten. Eine Konsolidierungsphase wäre zu begrüssen.

In der aktuell laufenden Berichtssaison für die ersten drei Monate des Jahres können rund drei Viertel der Unternehmen in den USA die Prognosen der Analysten schlagen. Nachdem kürzlich noch die Angst vor einer Gewinn-Rezession – also zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativer Gewinnentwicklung – umherging, kann das befürchtete Abrutschen des Gewinnwachstums in den roten Bereich nun wohl doch vermieden werden. In Europa fallen die Ergebnisse im Vergleich zu den Erwartungen derzeit etwas schwächer aus, das Umsatzwachstum ist aber auch hier solide. Der Druck auf die Margen nimmt allerdings in beiden Regionen zu. In der Summe dürften die Gewinne 2019 auf beiden Seiten des Atlantiks leicht ansteigen, auch wenn die hohen Wachstumsraten des letzten Jahres nicht wiederholt werden können.

Wachstumszahlen überraschen
Die stimulierenden Massnahmen der chinesischen Regierung scheinen sich derweil langsam auszuzahlen. Die Makrodaten der letzten Wochen zeigen zumindest, dass sich das Wachstum im Reich der Mitte in der Tendenz stabilisiert. In der europäischen Industrie kommen diese Signale bisher aber noch nicht an, dort blieb die Stimmung auch im April negativ. Trotzdem ist der Boden beim Wachstum auch im Euroraum erreicht: Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft doppelt so schnell wie im Vorquartal. Eine noch grössere Überraschung waren die guten Wachstumszahlen in den USA von annualisiert 3,2 Prozent. Diese wurden jedoch von aufgeblähten Nettoexporten und einem starken Lageraufbau bei den Unternehmen verzerrt. Im nächsten Quartal ist hier eine gewisse Korrektur zu erwarten.

Kurzfristig dünne Luft bei Aktien
An den Finanzmärkten verzeichneten nahezu alle Anlageklassen im letzten Monat weitere Zugewinne. Aktien liegen seit Jahresanfang inzwischen fast 20 Prozent im Plus, der Rohölpreis hatte zwischenzeitlich gar um 40 Prozent zugelegt. Ein mittelfristig unterstützender Faktor für risikoreichere Anlagen bleiben bis auf weiteres die Notenbanken, welche in den kommenden Monaten im Wartemodus verharren dürften und derzeit gar neue geldpolitische Optionen prüfen. Nachdem sowohl der Swiss Market Index als auch der amerikanische S&P 500-Index in den letzten Tagen neue Allzeithochs markiert haben, wird die Luft für Aktien aber zumindest kurzfristig – trotz «Notenbank-Put» – dünn. Wir sehen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Konsolidierung. Denn auch wenn das Glas für die Marktteilnehmer angesichts der beeindruckenden Rally der jüngsten Vergangenheit derzeit eher halb voll zu sein scheint, beobachten wir nach wie vor gewisse Risikoherde. So überwiegt beim bevorstehenden «Deal» im Handelsstreit zwischen den USA und China das Enttäuschungspotential. Und selbst im Falle einer weitgehenden Einigung ist der nächste Konflikt – Trump gegen die EU – bereits vorprogrammiert. Wir halten an unserer taktischen Ausrichtung fest und bleiben bei Aktien leicht defensiv positioniert.