Finanzmärkte Ausblick

Anhaltende Konjunkturschwächung zu Jahresbeginn

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Januar 2019
 

Nach dem schwierigen Jahr 2018 sehnen sich Anleger nach positiveren Vorzeichen im neuen Jahr. Schwache Signale von der Konjunkturfront und Enttäuschungspotenzial bei den Unternehmensgewinnen sprechen jedoch für ein anhaltend herausforderndes Umfeld für Aktien.

Die letzten Handelstage im Anlagejahr 2018 brachten an den US-Aktienmärkten wenigstens etwas Entspannung. So konnte der S&P500-Index seinen bis Heiligabend aufgelaufenen Monatsverlust von -14 % bis Silvester zumindest halbieren. Für den traditionell eigentlich meist positiven Börsenmonat Dezember war dies dennoch enttäuschend. So wie auch das ganze vierte Quartal: Noch Anfang Herbst markierten US-Aktien neue Rekordstände, seitdem ging es nahezu schnurstracks 20 % abwärts. Der schon im ganzen letzten Jahr schwächere europäische Markt konnte sich dem negativen Trend wie so oft nicht entziehen. Und auch die Jahresendrally fiel diesseits des Atlantiks, auch aufgrund geschlossener Börsen an den Feiertagen, komplett aus. Doch nicht nur Aktienanlagen waren 2018 problematisch. Auch mit Obligationen, Gold oder anderen alternativen Anlagen war keine Vermögensvermehrung möglich. Für 2019 erhoffen sich Anleger nun berechtigterweise Besserung.

Wachstumsabschwächung setzt sich fort
Bereits die erste, verkürzte Handelswoche zeigt aber, was im neuen Jahr an den Börsen wohl zu erwarten ist: anhaltende Volatilität und negative Datenüberraschungen. So fielen zu Jahresbeginn gleich die ersten wichtigen Makrodatenpunkte zu den viel beachteten Einkaufsmanager-Indizes rund um den Globus deutlich schwächer aus als allgemein erwartet. Mit einem Wert von weniger als 50 Punkten zeigte das Barometer für die Stimmung in der Industrie in China gar eine Kontraktion der Wirtschaftsleistung an. Auch die Konjunkturlokomotive USA, die im letzten Jahr noch deutlich überdurchschnittlich wuchs, konnte sich der negativen Tendenz zuletzt nicht mehr entkoppeln. Insgesamt sprechen die aktuellen Konjunktursignale in den kommenden Monaten für eine fortgesetzte Wachstumsabschwächung. Für die Inflation, die wir angesichts enger Arbeitsmärkte in den USA, Deutschland und der Schweiz noch vor kurzem als stabil bis tendenziell leicht steigend erwartet haben, erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit für einen tieferen Trend, also einen geringeren Teuerungsdruck. Dies auch, weil die Preise für viele Rohstoffe wie beispielsweise Rohöl in den vergangenen Monaten stark gesunken sind.

US-Gewinnmaschinerie beginnt zu stottern
Auch bei den Unternehmensgewinnen steigt das Potenzial für Enttäuschungen. Zum einen aufgrund der beschriebenen Konjunkturabkühlung und zum anderen, weil der Handelskrieg zwischen den USA und China inzwischen seine Spuren hinterlässt und sich demnächst weiter verschärfen könnte. Einen Vorgeschmack auf das, was wir etwa von den erfolgsverwöhnten US-Unternehmen demnächst erwarten können, lieferte jüngst Anlegerliebling Apple. Mit Verweis auf schwächelnde iPhone-Verkäufe in China und einigen Industrieländern musste das Unternehmen erstmals seit 16 Jahren eine Umsatzwarnung aussprechen. Und diese betrug gleich ganze 10 %. Der Aktienkurs sackte in Anbetracht dieser Negativüberraschung um 9 % ab. Von zweistelligen Gewinnwachstumsraten sollten sich Investoren 2019 nun auch in den USA verabschieden. Ein geringer einstelliger Anstieg erscheint uns realistischer. Da die Analystenprognosen derzeit noch deutlich höher liegen, ist in nächster Zeit mit weiteren Gewinn- und Umsatzwarnungen zu rechnen, was für anhaltend starke Marktbewegungen, insbesondere bei einzelnen Aktien, sorgen dürfte.