Finanzmärkte Ausblick

Der Handelsstreit eskaliert

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Juni 2019

 

Während der Handelskrieg mit China eskaliert, eröffnet Zoll-Sheriff Donald Trump gegen Mexiko eine weitere Front. Die sich drehende Zoll-Spirale ist für die Weltwirtschaft immer schwieriger zu verdauen. Für bessere Konjunktur- und Aktienmarktperspektiven benötigt es ein diplomatisches Wunder – oder zumindest eine Trump’sche Kehrtwende.

Der selbsternannte Zoll-Sheriff («tariff man») Donald Trump schlug in den vergangenen Wochen weiter um sich. Sowohl für die Finanzmärkte als auch für China überraschend, erhöhten die USA die Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent. Die Chinesen reagierten ihrerseits mit weiteren Vergeltungszöllen. Der Dialog zwischen den zwei weltgrössten Volkswirtschaften ist seitdem abgerissen. US-Präsident Donald Trump droht gar damit, auch auf die restlichen Waren aus China Zölle zu erheben. Doch nicht nur das: Der Handelskrieg hat sich zuletzt zu einem «Technologie-Krieg» erweitert. Ein Trend, der im Hintergrund schon seit Jahren besteht und nun immer besser erkennbar wird. Der chinesische Kommunikationsriese Huawei beispielsweise wurde von den USA neu auf eine «schwarze Liste» gesetzt. Viele weitere Unternehmen aus dem Reich der Mitte sind im Visier der Amerikaner. Und natürlich haben auch die Behörden aus China mittlerweile ihre schwarze Liste. Es wird immer deutlicher, dass die Auseinandersetzung zwischen den USA und China mehr ist als nur ein Handelskrieg. Es geht vor allem um die wirtschaftliche und geopolitische Vormachtstellung in der Welt – ein Thema, welches uns im kommenden Jahrzehnt wohl nachhaltig beschäftigen wird.

Abwärtsrisiken für die Weltkonjunktur nehmen zu
Die Fronten sind derzeit so stark verhärtet, dass es für ein schnelles Ende des Konflikts eines diplomatischen Wunders oder zumindest einer typischen Trump’schen Kehrtwende bedarf. Dass es eine solche bereits am G20-Gipfel Ende Juni in Osaka (Japan) geben wird, ist aus aktueller Sicht äusserst unwahrscheinlich. Denn zumindest im Moment scheint Trump von den Strafzöllen keine negativen Konsequenzen für seine Wiederwahl-Chancen im kommenden Jahr zu befürchten. Und so richtet er die Zoll-Pistole nun auch auf Mexiko: Bis Anfang Oktober sollen die Zölle auf alle Importe aus dem Nachbarland schrittweise auf 25 Prozent erhöht werden, wenn die illegale Immigration in die USA nicht gestoppt wird. Inzwischen gelten Zölle scheinbar auch als gängiges Druckmittel bei Nicht-Handelsthemen – eine Novität in der US-Aussenpolitik und damit umso erschreckender. Ein längerer Zollkrieg an mehreren Fronten dürfte das Fass zum Überlaufen bringen und würde das Abwärtsrisiko für die Konjunktur merklich erhöhen. Nicht nur in den betroffenen Ländern, sondern auch für die Weltwirtschaft. Diese ist bei genauerer Betrachtung bereits schwächer als es die Wachstumsdaten für das erste Quartal, welche sowohl in den USA als auch im Euroraum und in der Schweiz erstaunlich gut ausfielen, vermuten lassen.

Gewinner und Verlierer am Finanzmarkt
Grösste Profiteure der (handels-)politischen Entwicklungen waren im letzten Monat die Obligationenmärkte. Die Flucht in die Sicherheit liess die Rendite für 10-jährige deutsche Staatsanleihen auf ein neues Rekordtief fallen. Auch Schweizer Eidgenossen waren gefragt, sie rentierten zuletzt nur noch bei -0,5 Prozent. Ein gewisser Pessimismus lässt sich zudem an den Zins-Terminmärkten ablesen. Diese preisen bis Ende 2020 ganze drei Zinssenkungen der US-Notenbank ein. Selbst für das Fed-Meeting Ende Juli beträgt die geschätzte Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bereits 60 Prozent. Derweil ist der Volatilitätsindex für US-Staatsanleihen jüngst auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen. Der VIX-Index, das «Angstbarometer» für US-Aktien, hielt sich währenddessen in jüngster Zeit erstaunlich stabil, obwohl die Aktienmärkte im Mai eine überfällige Korrektur gestartet haben. Insbesondere die eher zyklischen Aktien kamen unter Druck, die defensiveren Segmente – und somit auch der Swiss Market Index (SMI) – hielten sich bisher sehr gut. Im grösseren Bild schätzen wir die aktuelle Entwicklung als gesunde Konsolidierungsphase ein. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich aus diversen Stimmungsumfragen und -indikatoren bereits ein gehöriger Pessimismus ablesen lässt. Auf etwas tieferen Kursniveaus ist daher mit Interesse von Aktieninvestoren zu rechnen. Ob aus einer allfälligen Kurserholung mehr wird, dürfte dann wiederum massgeblich von Donald Trump abhängen.