Finanzmärkte Ausblick

Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu

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Oktober 2019

 

Die Anschläge auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien haben die angespannte Situation im Mittleren Osten deutlich aufgezeigt. Dazu gesellen sich der weiterhin ungelöste Handelskonflikt sowie der nahende «Brexit». Aufgrund dieser latenten Unsicherheiten zeigen sich nun deutliche Bremsspuren in der Weltkonjunktur. Die Rezessionsrisiken haben zugenommen.

Als wären die geopolitischen Probleme nicht schon gross genug: Die Drohnen-Attacken auf zwei wichtige Ölanlagen in Saudi-Arabien haben zwischenzeitlich 5% der globalen Ölproduktion lahmgelegt. Zum Angriff bekannt haben sich die Huthi-Rebellen in Jemen, welche in der Region schon seit längerem für Unruhe sorgen. Ins Visier gerät aber einmal mehr der Iran, der von den USA bereits als Hauptverantwortlicher für die Anschläge gebrandmarkt wurde. Damit droht eine weitere Eskalation in der Region und eine militärische Intervention der USA gegen den Iran kann mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Spannungen im Mittleren Osten sind für die Weltwirtschaft eine weitere Belastung – und reihen sich ein in die anderen «Hotspots» wie der schwelende Handelskonflikt und der «Brexit».

Bremsspuren werden sichtbar
Die geopolitischen Unsicherheiten werden nun mehr und mehr in den Konjunkturdaten sichtbar und hinterlassen erste Bremsspuren. Vor allem der Industriesektor kommt zunehmend unter Druck. Die zuletzt publizierten Vorlaufindikatoren für das verarbeitende Gewerbe enttäuschten praktisch durchs Band. In der Schweiz fielen sowohl der KOF-Vorlaufindikator als auch der Einkaufsmanagerindex (PMI) äusserst schwach aus. Diese Schwäche überrascht allerdings nur auf den ersten Blick. Denn vor allem in Deutschland sind die Abwärtstendenzen bereits seit längerem deutlich erkennbar. Die grösste Volkswirtschaft Europas befindet sich zurzeit in einem «perfekten Sturm»: Neben den Belastungen durch den Handelskonflikt befindet sich auch die wichtige Automobilindustrie in einer (hausgemachten) Krise. Entsprechend steckt unser nördlicher Nachbar in einer «technischen» Rezession – mit den nun deutlich sichtbaren Konsequenzen für die Schweizer Industrie. Und damit nicht genug: Auch in den USA nimmt die Wachstumsdynamik ab. Der vom «Institute for Supply Management» (ISM) veröffentlichte Vorlaufindikator für die Industrietätigkeit in den USA fiel im September überraschend stark auf 47,8 Punkte und damit klar unter die 50-Punkte-Grenze, welche die Schwelle zwischen Expansion und Kontraktion darstellt. Ganz offensichtlich macht sich der schwelende und weiterhin ungelöste Handelskonflikt nun auch in den US-Konjunkturdaten bemerkbar. Zusammengefasst bedeutet dies, dass sich die globale Industrie am Rande einer Rezession befindet. Die Hoffnung ruht damit auf dem Dienstleistungssektor sowie dem Konsum. Doch auch in diesen Bereichen zeigen sich bereits erste Risse.

Lösungen gefragt
Da die Geldpolitik allmählich an ihre Grenzen stösst, hoffen die Anleger auf baldige fiskalpolitische Stimulusmassnahmen – wie Steuersenkungen oder Infrastrukturprogramme – beziehungsweise auf eine rasche Einigung im Handelsstreit. Beides ist allerdings zurzeit fraglich. In Europa sind die Hürden für fiskalpolitische Massnahmen weiterhin hoch und im Handelskonflikt sind die Fronten nach wie vor verhärtet. Die geplanten Handelsgespräche zwischen China und den USA, die am 10. Oktober beginnen werden, stehen also unter besonderer Beobachtung. Gelingt es auch diesmal nicht, eine grundsätzliche Einigung zu erzielen, droht sich die konjunkturelle Abwärtsspirale weiter zu beschleunigen.