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Normalisierung setzt sich fort – nicht nur bei den Zinsen

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Mai 2018
 

Sowohl an den Märkten als auch (wirtschafts-)politisch stehen die Zeichen auf moderate Normalisierung. Damit dürfte das Goldilocks-Umfeld andauern. Die Beibehaltung der anlagetaktischen Positionierung scheint entsprechend angezeigt. 

Die Zinsnormalisierung hat zuletzt neuen Schwung erhalten. So knackten die Renditen auf zehnjährige Treasuries zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren die Drei-Prozent-Marke. Gleichzeitig zogen auch in Europa die Zinsen an – etwa beim Bund oder auch bei den Eidgenossen. 

Eskalation im Handelsstreit unwahrscheinlich

Diese Normalisierungstendenzen beschränken sich nicht nur auf die Zinsfront, sondern manifestieren sich auch beim EUR/CHF-Wechselkurs. Mit rund 1,20 bewegt sich die heimische Währung zum Euro mittlerweile wieder in dem Bereich, der in der Region einer fairen Bewertung taxiert werden kann. Zumindest verhaltene Normalisierungsanzeichen sind hinsichtlich der von den USA ausgelösten Handelsstreitigkeiten auszumachen. Einerseits liegen die Hoffnungen darauf, dass die Staatsbesuche Macrons und Merkels in der Sache eine beschwichtigende Wirkung auf den US-Präsidenten entfalten. Andererseits deutete US-Finanzminister Steven Mnuchin jüngst eine mögliche Annäherung Chinas und den USA beim schwelenden Handelskonflikt an. Wir sehen uns vor diesem Hintergrund in unserem Basisszenario bestätigt, wonach eine unkontrollierbare Eskalation des Handelsstreits wenig wahrscheinlich ist. 

Normalisierung auf breiter Front erwartet

Fraglich bleibt hingegen, ob sich in geopolitischen Fragen eine Normalisierung auf breiter Front abzeichnet. So deutet zurzeit immer noch vieles darauf hin, dass Donald Trump vom Atomdeal mit dem Iran zurücktreten wird. Gleichzeitig ist jedoch das bevorstehende Treffen des US-Präsidenten mit Kim Jong Un als grosser Schritt in Richtung Normalisierung zu betrachten. Somit stehen geopolitisch zumindest einige Zeichen auf Normalisierung. Auch Konjunkturseitig können die zuletzt etwas eingetrübten Vorlaufindikatoren aus den USA und der Eurozone als Indiz einer Normalisierung gedeutet werden. Gerade bei den Einkaufsmanagerindizes kann der Rückgang von den aussergewöhnlich hohen Niveaus bei gleichzeitigem Verbleiben in der Expansionszone als Verminderung der Gefahr einer drohenden Überhitzung gesehen werden. 

Und schliesslich ist auch die Rally bei den Rohstoffen – namentlich beim Öl – als Schritt in Richtung Normalität zu betrachten, zumindest wenn man sich an den langfristigen Durchschnittspreisen orientiert. Diese generelle Normalisierung erzeugt nicht nur erwünschte Effekte: So macht der gestiegene Ölpreis das Tanken teurer, der schwächere Franken verteuert den Urlaub oder den Einkauf ausserhalb der Schweiz und die zurückgekehrte Volatilität kann bei Aktienanlegern auch mal zu (zeitweiligen) Kursverlusten führen. Wir erachten diese Entwicklung aber insgesamt als nicht bedrohlich und sehen – wie schon im Vormonat – das Goldilocks-Szenario als nicht gefährdet.