Archiv Finanzmärkte

Auftakt zu einem versöhnlichen Schlussquartal?

Drucken

Oktober 2018 


Der Oktober dürfte geprägt sein von der Hoffnung auf eine Jahresendrally im Schlussquartal. Allerdings lauern einige mögliche Störquellen auf die Märkte wie etwa die Budgetverhandlungen in Italien oder der Handelskonflikt zwischen den USA und China. 

 

Mit dem Oktober ist ein Börsenjahr ins Schlussquartal gestartet, welches für die Anleger bislang durchzogen ausgefallen ist. Umso mehr ruht die Hoffnung auf eine Jahresendrally, die das Börsenjahr 2018 doch noch versöhnlich ausklingen lässt. Voraussetzung für einen solchen Endspurt ist jedoch, dass die Märkte die lauernden Stolperfallen relativ unbehelligt umgehen können. Zu nennen sind hier die Budgetverhandlungen in Italien, die einmal mehr Alarmstimmung in der Eurozone auslösten. Zwischenzeitlich sorgten die Meldungen, wonach die italienische Regierung ihre Defizitziele etwas reduzieren möchte, zwar für eine gewisse Beruhigung. Angesichts der umfangreichen Wahlversprechen der regierenden Populisten und derer nicht zu unterschätzenden Bereitschaft, nötigenfalls die Konfrontation mit der Eurozone zu suchen, dürfte das italienische Budget aber weiterhin auf dem Radar der Märkte bleiben. 

 

Vieles hängt von drittem Quartal ab
 

Ebenfalls bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China ein permanenter Unruheherd für die Märkte. Diesbezüglich sollte man nicht dem Trugschluss unterliegen, dass eine allfällige demokratische Senatsmehrheit nach den Halbzeitswahlen in den USA zu einer wesentlichen Entspannung führen könnte. Und schliesslich präsentieren sich die Verhandlungen zum EU-Austritt Grossbritanniens zusehends festgefahren und ein ungeordneter Brexit scheint je länger, desto wahrscheinlicher zu werden. 

 

Wie die Märkte gegen diese möglicherweise aufkeimenden Unruhen gewappnet sind, dürfte nicht zuletzt von der einsetzenden Berichtssaison zum dritten Quartal abhängen. Im Schweizer Markt liegt das Augenmerk dabei insbesondere auf den grossen defensiven Titeln. Sie müssten zumindest kleine Kursgewinne verzeichnen, um gerade im SMI für Impulse, die den Leitindex wieder auf die rund 9‘600 Punkte vom Januar anschieben würden, sorgen zu können. Global gesehen dürfte vor allem der amerikanische Berichtsreigen für Unterstützung sorgen, welcher traditionell von den Banken eröffnet wird. Die guten Vorgaben aus den ersten beiden Quartalen sollten sich dabei auch im dritten Quartal in einem satten Gewinnwachstum manifestieren. Zumal der amerikanische Wirtschaftsmotor weiterhin auf Hochtouren brummt, wie jüngst auch wieder die aktuellsten Arbeitsmarktdaten und der Dienstleistungs-ISM eindrücklich illustrierten.
 

Hoffnungen auf Jahresendrally
 

Angesichts dieser auf Volllast laufenden US-Konjunktur lässt die Fed zunehmend mit einer restriktiven Geldpolitik liebäugeln. So erklärte Fed-Chef Jerome Powell zum ersten Mal, dass die Leitzinsen über das neutrale Niveau angehoben werden könnten, welches wir bei rund drei Prozent verorten. Insbesondere diese Äusserung Powells liessen die Renditen auf US-Staatsanleihen sprunghaft ansteigen, was wiederum an den Aktienbörsen erheblichen Abgabedruck bewirkte. Die Sorge, dass ein endgültiges Ende der günstigen Zentralbankliquidität auch das Verschwinden eines wichtigen Rückenwindes für die Aktienmärkte bedeutet, stellt somit einen weiteren Gegenpunkt zu den Hoffnungen auf eine Jahresendrally dar. 

 

Selbstverständlich sind auch wir nicht im Besitz einer Kristallkugel, die uns offenbart, ob die Finanzmärkte in einen Jahresendspurt übergehen werden oder sich doch eher von den Störquellen in Mitleidenschaft ziehen lassen. Die skizzierte Ausgangslage lässt uns jedoch insgesamt weiter vorsichtig sein. Entsprechend sollte der Anleger so positioniert sein, dass er von einer allfälligen Rally zwar profitieren kann, sein Portfolio gleichzeitig aber gegen übermässige Verluste gewappnet ist.