Archiv Finanzmärkte

Der Schlingerkurs hält an

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September 2018

 

Spannung und Entspannung wechseln sich in der Politik und an den Märkten weiterhin ab. Konjunkturdaten und Unternehmensgewinne geben den Aktien ein solides Fundament, während die Politik belastet. Der Schweizer Aktienmarkt dürfte gegenüber den USA und der Eurozone leicht im Vorteil sein. 

Der politische Schlingerkurs überträgt sich weiterhin auf die Finanzmärkte. Der Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt eine Belastung. Die Fronten zwischen den USA und Mexico sowie zwischen den USA und Europa haben sich dagegen etwas aufgeweicht, auch wenn zwischen Washington und Brüssel zuletzt wieder Misstöne laut wurden. Trotz der vorläufigen Sistierung von weiteren gegenseitigen Strafzöllen scheint für Donald Trump eine massive Erhöhung der Importzölle für europäische Autos von 2,5 Prozent auf 25 Prozent noch nicht endgültig vom Tisch zu sein. Ein Schritt, der vor allem Deutschland zu schaffen machen würde und unverzügliche Retorsionsmassnahmen der EU zur Folge hätte. 

Politik lässt erfreuliche Unternehmensdaten in den Hintergrund rücken

Gleichzeitig wirft die Debatte um die italienischen Budgetpläne für das Jahr 2019 bereits ihre Schatten voraus. Auch die ungelöste Brexit-Diskussion und die Wirren in der Türkei belasten. Zudem stehen in den USA im November die Halbzeitwahlen an. Präsident Trump muss juristischen Gegenwind fürchten und will daher vor den Wahlen möglicherweise nochmals aussenpolitische Stärke zeigen. Das politische Hin und Her lässt die erfreulichen Unternehmensdaten stark in den Hintergrund rücken. Dabei sind Bewertungsmasse wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei steigenden Unternehmensgewinnen und konsolidierenden Aktienkursen mittlerweile wieder etwas attraktiver. 

Dennoch sehen wir aktuell davon ab, die Allokation von Aktien zu erhöhen. Denn die politischen Wogen dürften sich nicht so schnell glätten. Der Schweizer Aktienmarkt dürfte in diesem Umfeld gegenüber den USA und der Eurozone weiterhin leichte Vorteile aufweisen. Seit Ende Juli konnte sich der Swiss Market Index (SMI), angeführt von den Indexschwergewichten, von den Jahrestiefstständen um 8‘400 Punkte deutlich lösen. Dagegen konnten Small- und Mid-Caps-Aktien die Outperformance der Vorjahre bisher noch nicht wiederholen, sollten aber aufgrund der positiven Gewinnentwicklung im Portfolio nach wie vor berücksichtigt werden. 

US-Leitzins nähert sich «neutralem» Niveau

Relativ geräuschlos schreitet die Zinsnormalisierung in den USA voran. Noch in diesem Monat dürfte die US-Notenbank Federal Reserve Fed den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Denn die jüngsten Konjunkturdaten und Inflationszahlen bestätigen die Fed in ihrem gegenwärtigen Kurs der graduellen Zinserhöhung. Mit einem Leitzins von etwas über zwei Prozent nähert sie sich schrittweise einem «neutralen» Niveau, das in den USA bei knapp drei Prozent liegen dürfte. Noch deutlich unterhalb der angestrebten Zielmarke liegt die Teuerung in der Eurozone. Die Europäische Zentralbank (EZB) vertraut aber darauf, das mittelfristige Inflationsziel auch ohne weitere Nettoanleihenkäufe zu erreichen. Die Zinsschraube lässt die EZB weiterhin unangetastet. Die Währungshüter der Eurozone gehen davon aus, dass eine erste Leitzinserhöhung nicht vor Ende des Sommers 2019 vorgenommen wird. 

Die Zinsdifferenz zu Europa sollte dem Dollar bei USD/CHF knapp unter Parität gute Unterstützung geben. Den Euro erwarten wir gegenüber dem Franken tendenziell etwas stärker. Die politische Situation in Italien verhindert aber, dass der Euro zeitnah wieder 1.20 Franken wert ist. Der Konjunkturverlauf in der Eurozone bleibt jedoch solid und somit zeichnen sich auch in Europa leicht höhere Kurzfristzinsen ab. Bis es jedoch soweit ist, muss in Europa und somit auch in der Schweiz weiterhin mit dem Tiefzinsumfeld vorliebgenommen werden.