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Eine gewisse Vorsicht bleibt zu Beginn des neuen Jahres angezeigt

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Januar 2018
 

Das Aktienjahr 2017 war überdurchschnittlich stark. So stellt sich wohl mancher Anleger die Frage, ob es in diesem Stile auch im neuen Jahr weitergeht. 

Zumindest die konjunkturellen Vorgaben schaffen vorerst eine weiterhin solide Ausgangslage für die Entwicklungen an den Aktienmärkten. Das Konjunkturwachstum präsentiert sich in allen grossen Wirtschaftsräumen rund um den Globus von der aufgehellten Seite. Dementsprechend sollte die in den USA ab Mitte Monat Fahrt aufnehmende Berichtssaison den Trend steigender Unternehmensgewinne weiter festigen. Insofern dürfte konjunkturseitig vorerst kein Ungemach für die Aktien drohen. Dies auch wenn angesichts anhaltend teurer Bewertungen ein ledigliches Erfüllen der Gewinnerwartungen nicht mehr für grosse Kurseuphorie ausreichen sein dürfte. 

Politische Risiken trüben Stimmung

Die Stimmung trüben könnten einmal mehr politische Risiken. So darf man – trotz der von Kim Jong Un ausgesandten Schalmeienklänge in Richtung Südkorea – zum jetzigen Zeitpunkt kaum von einem Tauwetter in der Nordkorea-Krise ausgehen. Im Gegenteil: So erinnert die Diskussion beziehungsweise Prahlerei darüber, ob sich jetzt auf dem Schreibtisch in Pjöngjang oder doch auf jenem in Washington der grössere Knopf zur Aktivierung von Nuklearwaffen befinde, doch an Kalte-Krieg-Rhetorik. Dementsprechend dürfte eine allzu grosse Sorglosigkeit eher fehl am Platz sein. Insbesondere wenn man bedenkt, dass wohl weder bei Un noch bei Trump eine besonnene Zurückhaltung zu ihren herausragendsten Charaktereigenschaften zählen dürfte. 

Auch die Proteste im Iran führten bislang zu keiner Nervosität unter den Anlegern. Die zum Teil gewaltsamen Demonstrationen gegen die geistliche und weltliche Führung des Landes, das letztlich gegen das verfeindete Saudi-Arabien um Vormachtstellung im arabischen Raum kämpft, sind nicht zu unterschätzen. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Ölnotierungen. Zwar profitierte der Ölpreis auch von einem wieder schwächelnden Dollar, doch dürfte die Aufwärtsbewegung zu Jahresbeginn auch der Sorge um die weitere Entwicklung im Iran geschuldet sein. Zumal es kein Geheimnis ist, dass Donald Trump das Iran-Abkommen von 2015 – welches dem Land unter anderem die Rückkehr an den internationalen Ölmarkt ermöglichte – ein Dorn im Auge ist. 

Aktienmärkte gegenüber Krisen immun

Dass sich die Aktienmärkte sowohl gegenüber der Nordkorea- als auch der Irankrise immun zeigen, kann einmal mehr als halb volles oder eben auch als halb leeres Glas betrachtet werden. Dabei deutet die optimistische Betrachtung die Gelassenheit der Anleger vor allem als Indiz für die Robustheit der Märkte. Demgegenüber stuft die pessimistische Sichtweise die Märkte wohl als zu trunken von der enormen Menge billigen Zentralbankgeldes ein, um allfällige externe Störfeuer adäquat einzupreisen. 

Ob sich das Bild eines halb vollen oder eines halb leeren Glases letztlich als zutreffender erweist, bleibe dahingestellt. Angesichts des zu erwartenden Nachlassens des geldpolitischen Rückenwindes bleibt eine gewisse Vorsicht weiter angezeigt. Entsprechend dürfte sich die Berücksichtigung von Themen, deren Ertragspotenzial mehr auf grundlegenden Trends denn auf einem zyklischen Momentum basieren, sicher nicht als unklug erweisen.