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Handelskonflikt: sowohl Entspannung als auch Verschärfung

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August 2018
 

Zwar stehen die Zeichen im transatlantischen Handelskonflikt gegenwärtig auf Entspannung. An der an der chinesisch-amerikanischen Front nimmt der Konflikt jedoch weiter an Dynamik auf. Ein weiterer Unruheherd ist die Verschlechterung der Beziehung zwischen den USA und der Türkei. 

Die Erleichterung war auf breiter Front spürbar, als US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sich überraschend darauf einigten, einen Prozess zur Verringerung von Zöllen und Subventionen heimischer Wirtschaftszweige in die Wege zu leiten. Obwohl der aktuelle Handelskonflikt durch die Trump-Administration losgetreten wurde, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EU den USA hinsichtlich Importzöllen in nichts nachsteht. Die Anzahl der Produkte, auf denen ein gegenseitiger Importzoll zwischen 1 und 20 Prozent erhoben wird, liegt auf Seiten der EU sogar deutlich höher als auf amerikanischer Seite. 

Erfreulich ist, dass für die Dauer der eingeläuteten Verhandlungen sozusagen ein Strafzollmoratorium gilt. Die insbesondere von Deutschland gefürchteten US-Zölle auf europäische Automobile sind vorerst vom Tisch und folglich auch die europäische Retorsionen, die wohl postwendend erfolgt wären. 

Kurze Ruhepause für die Finanzmärkte

Die Finanzmärkte nutzten diese neuen Entwicklungen um Luft zu holen, nachdem sie durch die Handelsstreitigkeiten monatelang in Atem gehalten worden sind. Doch die Verschnaufpause währte nur kurz. Denn während zwischen den USA und Europa zumindest temporär so etwas wie ansatzweises Tauwetter im Handlungskonflikt herrscht, verschärfen sich die Handelsstreitigkeiten zwischen Washington und Peking ein weiteres Mal. Mit der Ankündigung, die vorgesehenen Strafzölle von 10 Prozent auf zusätzliche chinesische Produkte im Gegenwert von 200 Milliarden US-Dollar sogar auf 25 Prozent zu erhöhen, trat Präsident Trump eine neue Eskalationsstufe los. Entsprechende Gegenmassnahmen seitens China dürften wohl nicht lange auf sich warten lassen. Mit der Verschlechterung der Beziehung zwischen den USA und der Türkei gesellt sich ein weiterer Unruheherd für die Märkte dazu. Das hat sich insbesondere bereits im Kurs der türkischen Währung niedergeschlagen: Die Lira fiel im Zuge der verhängten US-Sanktionen gegen türkische Minister auf ein erneutes Allzeittief. 

Überprüfung der Anlagestrategie scheint angezeigt

In diesem Umfeld sollte daher auch die einmal mehr positiv ausfallende Gewinnsaison mit Vorsicht genossen werden. Aufgrund des erratischen Regierungsstils von Donald Trump ist nicht auszuschliessen, dass die nun auf handlungspolitische Entspannung stehenden Zeichen zwischen Washington und Brüssel buchstäblich mit einem einzigen Tweet wieder in Richtung Eskalation drehen. Es stehen sich hier die beiden grössten Volkswirtschaften der Welt in einem Handelskonflikt gegenüber, aus dem ein Ausweg mit jeder neuen Eskalationsrunde immer schwieriger zu finden ist. Weiter scheint etwa das Wachstum in Europa die Dynamik vom Vorjahr nicht ganz halten zu können. 

Insofern sehen wir die aktuelle Situation weiterhin als Umfeld an, in dem der ausgewogene Anleger vorsichtig agieren sollte. Das bedeutet keinesfalls, dass man unter- oder sogar desinvestiert sein sollte. Eine Überprüfung, ob die gewählte Anlagestrategie noch angemessen ist, ist gerade in einem solch unsicheren Marktumfeld mehr als ratsam.