Archiv Finanzmärkte

Schmaler Grat zwischen «gut» und «zu viel des Guten»

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März 2018
 

Die globale Konjunktur zeigt sich nach wie vor aufgehellt. Gerade für die USA manifestieren sich jedoch zusehends Befürchtungen, dass die Daten – auch aufgrund der Steuerreform – zu gut ausfallen und die Fed zu einer schärferen Gangart veranlassen. 

Die aufgehellte Weltkonjunkturlage hat sich auch für die Schweiz bestätigt, wo das Wachstum im vierten Quartal deutlich über dem langjährigen Durchschnitt zu liegen kam. Damit ist das hiesige BIP 2017 um 1 Prozent gewachsen. Erfreulich ist dabei insbesondere die sektoral breite Abstützung sowie die spür-bare Beschleunigung im zweiten Halbjahr. Wir sehen daher unsere Erwartung bestätigt, dass die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr eine Wachstumsrate von über 2 Prozent erreichen sollte. 

Anhaltend robuste Weltwirtschaft

Massgeblich unterstützt werden dürfte diese durch die anhaltend robuste Weltwirtschaft, angeführt durch die Konjunkturlokomotive USA. Allerdings stehen zunehmende Befürchtungen im Raum, dass die Steuerreform nach anfänglichem Zusatzschub im kommenden Jahr einen bremsenden Effekt für das amerikanische Wirtschaftswachstum entfalten könnte. 

Nervosität an Börsen gestiegen

Nicht ganz so rosig präsentiert sich die Lage an den Aktienmärkten. Spätestens seit der durch emporschnellende Zinsängste ausgelösten Korrektur der ersten Februarwoche ist die Nervosität an den Börsen wieder spürbar gestiegen. Obwohl die Fed unter der neuen Führung von Jerome Powell bislang keine konkreten Hinweise auf eine schärfere Gangart lieferte, dürften die Zinsängste vorerst nicht verfliegen und somit für erhöhte Volatilität sorgen. Denn nicht zuletzt wegen der Steuerreform ist nicht auszuschliessen, dass die Inflations- und Konjunkturdaten plötzlich zu gut ausfallen, so dass sich die Fed doch noch zur schnelleren Straffung der geldpolitischen Zügel veranlasst sieht. Somit steht an den Aktienbörsen zwar kein Rückfall in das Muster «Good News are Bad News» bevor, aber doch herrscht gewisses Unbehagen vor «zu viel des Guten». Anders ausgedrückt: «Too good news could be news». 

Erholung der Eurozone auf solidem Fundament

Von einer Überhitzungsgefahr ist die Eurozone grundsätzlich noch nicht bedroht, auch wenn die Erholung weiterhin auf solidem Fundament steht und 2018 sogar an Dynamik zulegen dürfte. So hat die Wirtschaft der Währungsunion erwartungsgemäss ein äusserst starkes Jahresende gefunden und ist im letzten Quartal mit 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen. Vor allem der Industriesektor konnte seine Produktion kräftig steigern. Würde die Industrieproduktion mit dieser Geschwindigkeit weiter wachsen, könnte es jedoch innerhalb dieses Sektors zu partiellen Überhitzungserscheinungen kommen. Dies erachten wir derzeit aber als unwahrscheinlich. So dürfte der stärkere Euro bremsend wirken, indem er den Exportanteil der Produktion dämpfen wird. Dies ist auch bereits an den sinkenden Zahlen der neusten

Einkaufsmanager-Umfragen der Eurozone erkennbar. Dadurch bleibt das Wirtschaftswachstum im ausgeglichenen «Goldlöckchen-Szenario». Somit sollten die Daten für die Eurozone weiterhin gut ausfallen und ein «zu viel des Guten» vorerst nicht eintreffen.