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Trotz Vorboten der Zinsnormalisierung bleibt Zurückhaltung angezeigt

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Februar 2018
 

Obwohl die Staatsanleihenrenditen zuletzt kräftig gestiegen sind und die Aktien bislang ihren Höhenflug fortsetzen, sollte der Anleger nicht in einen verfrühten Aktivismus verfallen. Zumal beim wirtschaftlichen und politischen Umfeld vieles beim Alten bleibt. 

Auch ausserhalb der USA machen sich die Vorboten eines näher rückenden Beginns der Zinsnormalisierung bemerkbar. Sowohl die Eidgenossenrenditen als auch die Kapitalmarktzinsen der Eurozone-Kernländer zeigten im Januar einen beeindruckenden Anstieg und notieren mittlerweile auf einem Mehrjahreshoch. Der letzte Schub dieses Anstiegs wurde dabei von den Treasury-Renditen ausgelöst, welche im Nachgang an die Veröffentlichung des jüngsten Fed-Sitzungsprotokolls auf ein neues Hoch kletterten. In der Stellungnahme erwarten die Offenmarktausschuss-Mitglieder nun ausdrücklich ein Anziehen der Inflation noch im laufenden Jahr. Damit erscheint ein weiterer Fed-Zinsschritt bei der März-Sitzung praktisch als sicher. 

Schwellenländeranleihen mit höherer Attraktivität

Trotz der jüngsten Entwicklung am Anleihenmarkt dürfte es jedoch noch verfrüht sein, die eher skeptische Haltung gegenüber den Staatsanleihen aufzugeben. Denn noch verharren die Renditen der Papiere von Industriestaaten auf einem insgesamt weiterhin historisch tiefen Niveau. Gleichzeitig kann jedoch konstatiert werden, dass sich die Schwellenländer gegenüber steigenden US-Zinsen deutlich widerstandsfähiger zeigen, als dies bei früheren Zinserhöhungszyklen der Fall war. In diesem Umfeld erscheinen daher Schwellenländeranleihen einerseits und Unternehmensanleihen andererseits gegenüber Staatsobligationen der Industriestaaten weiterhin mit einer relativ höheren Attraktivität. 

Weiteres Kurspotential bei Aktien limitiert

Gleich wie die Obligationenrenditen verlief auch die Richtung der Aktienkurse im Januar insgesamt nach oben. Die bislange Festigung des Trends steigender Unternehmensgewinne bei der aktuellen Berichtssaison sowie die sich auf hohem Niveau bewegenden positiven Gewinnüberraschungen verhalfen vielen Aktienbörsen zu einer Fortsetzung des Höhenflugs vom letzten Jahr. Dennoch scheint eine gewisse Vorsicht nach wie vor ratsam. Denn einerseits existieren weiterhin politische Unwägbarkeiten, welchen das Potential innewohnt, zum Störenfried an der Börsenparty zu werden. Zu denken ist da insbesondere an die Wahlen in Italien oder auch an die Unberechenbarkeit Donald Trumps. Trotz zuletzt gemässigteren Tönen bleibt es angesichts seines bisher eher erratischen Regierungsstils nicht ausgeschlossen, dass der US-Präsident sich wieder mehr von der Idee einer protektionistischen Handelspolitik angetan zeigt. Eine Abschottung des US-Marktes wäre jedoch eine enorme Belastung für den Welthandel und damit für die gegenwärtig solide laufende Globalkonjunktur. Zu den politischen Risiken gesellt sich andererseits die abnehmende Unterstützung durch die Zentralbank-Liquidität. Somit erscheint das weitere Kurspotential bei den Aktien durchaus als limitiert. Dies gilt insbesondere für US-Aktien, während Schwellenländeraktien aufgrund robuster Globalkonjunktur und abgenommener Anfälligkeit weiter vergleichsweise attraktiv erscheinen. 

Zurückhaltung bei Rohstoffen angebracht

Eine Zurückhaltung ist nicht zuletzt auch bei den Rohstoffen angebracht. Insbesondere bei den Ölpreisen, welche zuletzt wieder etwas unter Druck geraten sind – ein Anzeichen dafür, dass eine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Zwar vermochte der OPEC-Deal die Lagerbestände zu senken, gleichzeitig macht das damit einhergehende wieder gestiegene Preisniveau das Fracking zusehends attraktiv. Die dadurch erneut stark ansteigende US-Produktion droht, die Ölschwemme wieder zu verstärken.