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Vorsichtiger Optimismus an den Aktienmärkten

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November 2018 

 

Die auf den römischen Philosophen Seneca zurückgehende Redewendung «per aspera ad astra» (durch Mühsal zu den Sternen) könnte auf den November 2018 zutreffen. Denn der Oktober war für die Anleger zweifelsohne ein schwieriger, durch Mühsal geprägter Monat. Haben sich doch die latent brodelnden Störfeuer – von den höheren Zinsen über die Probleme mit dem italienischen Haushaltsplan und dem EU-Austritt Grossbritanniens bis hin zum Handelsstreit – in einer veritablen Korrektur an den Aktienmärkten kumuliert. Sie halten die Verunsicherung für die verbleibenden zwei Monate des Jahres erhöht. 

 

Latente Risiken ziehen sich in den November

 

Eine Verunsicherung, die durchaus eine gewisse Berechtigung hat. Denn die Risikoherde sind nach wie vor nicht beseitigt. So harrt etwa die festgefahrene Situation rund um die Brexit-Modalitäten nach wie vor einer Lösung, das Seilziehen zwischen Rom und Brüssel um das italienische Budget dauert an und das Eurozone-Zugpferd Deutschland scheint mit seiner Regierungspolitik in erster Linie mit sich selbst beschäftigt zu sein. Als ob dies noch nicht genug wäre, schwebt über den Finanzmärkten weiterhin das Damoklesschwert in Form weiterer Verschärfungen des Handelsstreits. 

 

Doch trotz dieses nicht eben erbaulichen Cocktails an Unwägbarkeiten gibt es Anzeichen, die einen verhaltenen Optimismus rechtfertigen. Aktienseitig etwa sind nach den starken Korrekturen insbesondere bei den amerikanischen Technologiewerten, in der Eurozone oder auch in den Schwellenländern die Risiken mittlerweile besser in den Kursen eskomptiert. Das heisst, dass nach dem in dieser Heftigkeit wohl auch zu stark ausgefallenen Ausverkauf das Risiko deutlich gesunken ist, dass die Anleger durch negative Meldungen überrascht und auf dem falschen Fuss erwischt werden. Mehr noch: Gerade die Eurozone und die Schwellenländer scheinen bereit zu sein für eine Gegenbewegung.

 

Grund für verhaltenen Optimismus?

 

Geht es für die Anleger nach dem mühseligen Oktober also ad astra, zu den Sternen? Zumindest sind die Chancen hierfür intakt, insbesondere wenn sich US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping am Rande des G-20-Treffens von Ende November tatsächlich persönlich treffen sollten. Und die Anleger-Sterne in Form einer breiten Erleichterungs-Reaktion wären buchstäblich in Griffweite, wenn sich die beiden Hauptprotagonisten im Handelsstreit auf Schritte der Deeskalation einigen könnten. Denn dies würde auch die globalen Wirtschaftsperspektiven merklich stabilisieren.

 

Aktienkurse, die nach der Korrektur die herrschenden Unsicherheiten angemessener reflektieren, die Chancen auf eine handelspolitische Annäherung zwischen Washington und Peking sowie eine insbesondere in den USA einmal mehr solide verlaufende Berichtssaison: Die Grundlagen dafür, dass der November ein für die Aktienmärkte letztlich doch noch einigermassen versöhnliches Jahresende einläutet, scheinen geschaffen zu sein.
 

Doch trotz dieser leichten Zuversicht dürfte die Volatilität an den Finanzmärkten vorerst erhöht bleiben. Anleger sollten daher einerseits weiterhin auf eine ausreichend breite geografische und sektorale Diversifizierung achten und andererseits auch über eine gewisse Quote an Gold im Portfolio verfügen. Denn das gelbe Metall weist gerade auch angesichts der noch nicht beseitigten Unsicherheiten sogar Preisavancen auf und eignet sich zudem als guter Portfolioanker. Dieser garantiert zwar keine Sterne, aber er vermag allfälliges Mühsal doch etwas abzuschwächen.