Archiv Finanzmärkte

Zwischen Bangen und Hoffen

Drucken
April 2018
 

Das Hin und Her im Handelsstreit zwischen den USA und China setzt die Märkte heftig in Bewegung. Gleichzeitig dreht die US-Notenbank auch unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell weiter an der Zinsschraube. Die Konjunkturindikatoren bleiben aber robust und sollten den Aktienmärkten einen soliden Boden geben. 

Das Geschehen an den Aktienmärkten wird hauptsächlich von den durch die Trump-Regierung angeregten Handelsstreitigkeiten beherrscht. Einerseits bangen die Anleger davor, dass der Handelsstreit zu einem veritablen Handelskrieg ausartet, der dem freien Welthandel nachhaltig Schaden zufügt. Auf der anderen Seite vermag die Hoffnung, dass eine folgenschwere Eskalation doch noch irgendwie vermieden werden kann, die Aktienkurse immer wieder zeitweilig vom Abgabedruck zu entlasten. 

Erhöhte Aktienmarktvolatilität erwartet

Wir halten zwar einen unkontrollierten Handelskrieg gegenwärtig für wenig wahrscheinlich. Auf welche Seite das Pendel letztlich ausschlagen wird, ist aufgrund des unberechenbaren Regierungsstils von Trump allerdings schwierig abzuschätzen. Klar erscheint einzig, dass die Diskussionen um protektionistische Massnahmen vorerst weiter für Unruhe und für entsprechend erhöhte Aktienmarktvolatilität sorgen dürften. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die aktuellen Kursschwankungen deutlich mehr dem Normalfall entsprechen, als es die Anleger aus dem Vorjahr gewohnt sind. Doch auch wenn volatilitätsmässig sozusagen Normalität eingekehrt ist, sehen wir uns durch den ungewissen Ausgang des Handelsstreits bei gleichzeitig robusten Unternehmensgewinnen unserer Empfehlung einer insgesamt neutralen Aktienquote bestätigt. Die jüngsten Marktkorrekturen konnten bei den ambitiösen Bewertungen sogar eine leichte Entspannung bringen. 

Amerikanische Papiere unter Druck

Eine Eskalation des Handelsstreits könnte auch die amerikanischen Staatsanleihen zusätzlich belasten. Denn fährt die US-Regierung gegenüber Peking weiterhin einen konfrontativen Kurs, ist nicht auszuschliessen, dass die Chinesen als grösste Gläubiger der USA im Gegenzug den zukünftigen Kauf von US-Anleihen in Frage stellen. Dies würde die amerikanischen Papiere weiter unter Druck bringen. Schon jetzt notiert die Renditedifferenz zwischen den amerikanischen und den Anleihen europäischer Kernländer, aber auch der Schweiz, auf historisch hohem Niveau. Eine weitere Zinsdifferenzausweitung ist vor diesem Hintergrund nicht auszuschliessen. Denn während die US-Anleihen neben den möglichen Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten zusätzlich durch die restriktivere Politik der Fed und deren Bilanzabschmelzung bestimmt werden, zeigen sich die europäischen Obligationen vorerst noch durch das bis zum Herbst andauernde EZB-Anleihenkaufprogramm unterstützt. 

Zinsseitig ist also mit einer gewissen Normalisierung zu rechnen. Gleichzeitig ist klar, dass die USA China und China die USA braucht. Vor diesem Hintergrund ist am Aktienmarkt zwar keine Euphorie angezeigt, aber in Aktien sollten die Anleger weiterhin investiert sein – nicht zuletzt aufgrund der überzeugenden Dividenden.