Finanzmärkte Ausblick

Positive Zwischenbilanz im ersten Quartal

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April 2019 

 

Das erste Quartal war aus Anlegersicht durchaus erfreulich – nahezu alle Anlageklassen lagen im Plus. Aus fundamentaler Sicht scheint die Luft für weitere Avancen nun limitiert. Doch Optimisten haben die Statistik auf ihrer Seite. In der Börsengeschichte versprach eine solch positive Dynamik für die Zukunft weitere, wenn auch volatile, Kursgewinne.

Nachdem man die Gewinner im Anlageportfolio im letzten Jahr noch mit der Lupe suchen musste, verhält es sich derzeit genau umgekehrt: Man findet fast keine Verlierer. Kein Wunder, denn das erste Quartal war eines der besten seit Langem. Mit einem Plus von 14 Prozent konnte der amerikanische Aktienmarkt gar das beste Startquartal seit 21 Jahren verbuchen. Der Schweizer Markt stand dem in nichts nach. Der Swiss Performance Index markierte zuletzt bereits wieder neue Allzeithochs. Doch auch am anderen Ende des Risikospektrums – mit sicheren Staatsanleihen – konnte man Zuwächse erzielen. Und auch Immobilien, Gold und andere Rohstoffe legten zu.

Notenbanken machen Vollbremsung
Eine wahrlich positive Zwischenbilanz, deren Ursprung insbesondere bei den Notenbanken zu suchen ist. Diese haben innerhalb weniger Wochen eine Kehrtwende vollzogen: Noch im Herbst prognostizierte die US-Notenbank Fed für 2019 zwei weitere Zinserhöhungen. Nicht zuletzt auch etwas beeindruckt von den schwachen Aktienmärkten Ende letzten Jahres änderte sie im Januar aber ihre Rhetorik. Im März bestätigte sie nun nochmals, dass Zinserhöhungen für längere Zeit vom Tisch seien. Zudem kündigte sie das Ende der Bilanzverkürzung für September an. Die weitere geldpolitische Normalisierung wurde damit auf die lange Bank geschoben. Andere Notenbanken rund um den Globus folgten dieser Vorgabe. So wird die Europäische Zentralbank den Einlagezinssatz bis nächstes Jahr unverändert bei -0,4 Prozent belassen. Und somit bleibt auch der Schweizerischen Nationalbank kaum etwas anderes übrig als ebenfalls an den Negativzinsen festzuhalten.

US-Zinskurve steht Kopf
Eine gewisse Bestätigung erhielt der Gesinnungswandel der Notenbanken in den letzten Wochen von anhaltend schwachen Wirtschaftsdaten, insbesondere in Europa. So fiel der Einkaufsmanager-Index für den Euroraum letzten Monat auf 47,5 Punkte. In der Schweiz notiert er zuletzt nur noch knapp über der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

In den USA sieht die Lage zwar nicht ganz so dramatisch aus. Aber auch dort gab es jüngst diverse Datenenttäuschungen. Und so führte die Kombination aus Wachstumsängsten und vorsichtigerer Notenbankrhetorik zu einem schlagzeilenträchtigen Phänomen am Obligationenmarkt: einer inversen Zinskurve. Erstmals seit 2007 lag die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen wieder tiefer als die kurzfristigen 3-Monats-Zinsen. In der Vergangenheit war dies stets ein zuverlässiger, wenn auch zeitlich ungenauer Indikator für eine bevorstehende Rezession. Für 2019 erachten wir das Risiko für eine solche jedoch als tief. Vielmehr erwarten wir gegen Jahresmitte eine gewisse Stabilisierung der Weltwirtschaft. Die jüngsten Signale aus China, wo sich erste Erfolge der Stützungsmassnahmen der Regierung abzeichnen, stimmen positiv.

Börsenstatistik vs. Fundamentaldaten
Eine solche Bodenbildung der globalen Konjunktur wäre auch für die Aktienmärkte positiv. Und aus fundamentaler Sicht gar notwendig um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen. Denn sonst muss man nüchtern betrachtet feststellen, dass die Bewertung der Märkte inzwischen nicht mehr günstig ist und die Unternehmensgewinne dieses Jahr eher stagnieren dürften. Optimisten haben zumindest die Historie auf ihrer Seite: In den USA folgten auf Kursgewinne von mehr als zehn Prozent im ersten Quartal in den letzten 60 Jahren stets weitere Zuwächse. Einzige Ausnahme war das unrühmliche Crashjahr 1987. Im Mittel gab es in den beschriebenen Fällen im Jahresverlauf allerdings Korrekturen von 9 Prozent. Die Volatilität dürfte also bald wieder ansteigen.