Finanzmärkte Ausblick

Zeit für die Jahresendrally?

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November 2019

 

Mit dem November beginnt an den Börsen das typischerweise stärkere Winterhalbjahr. Dass es Ausnahmen von der Regel gibt, hat das letzte Jahr gezeigt. Doch in diesem Jahr könnte die Saisonalität wieder spielen. Die Konjunkturdaten zeigen zwar noch nicht die erhoffte Wende zum Besseren. Die politischen Risiken haben sich aber zumindest reduziert.

«Sell in May and go away… but remember to come back in September» – so lautet eine der bekanntesten Börsenregeln. Im Herbst sollte man also an die Finanzmärkte zurückkehren und Aktien kaufen. Aufgrund einiger verheerender Aktiencrashs im Oktober hat sich allerdings der Zeitraum von November bis Ende April als das typischerweise stärkere Winterhalbjahr etabliert. Besonders begünstigt sind gemäss Statistik die zwei Monate vor Weihnachten. Im vergangenen Jahr ist die Jahresendrally allerdings ins Wasser gefallen. Die unerwartete geldpolitische Kehrtwende der US-Notenbank hatte einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diesmal stehen die Chancen für einen gelungenen Jahresendspurt indes besser.

US-Notenbank zahlt Versicherung ein
2019 sind die Vorzeichen nämlich ganz andere. Ende Oktober hat die Fed die dritte Zinssenkung in Folge vorgenommen. Sie kauft zudem nun wieder jeden Monat US-Staatsanleihen in Milliardenhöhe und lässt die Notenbankbilanz wieder wachsen. Bei 1,75 Prozent dürfte der Leitzins in den USA nun erst einmal für längere Zeit verharren. Falls sich die globale Konjunkturlage nicht weiter eintrübt, sollte die inzwischen eingezahlte «Versicherung» aus Sicht der US-Notenbanker mittlerweile ausreichen. Höhere Zinsen sind aber in weiter Ferne. Fed-Chef Powell betonte zuletzt, dass es keine Zinserhöhung in den USA geben wird, solange die Inflation nicht klar über dem Ziel von 2 Prozent liegt. Die Hürde, sich bald schon wieder in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik zu bewegen, ist damit hoch, denn solche Teuerungsraten sind derzeit nicht am Horizont. Die sowohl in den USA als auch in Europa weiterhin sehr lockere Geldpolitik ist derzeit ein klarer Pluspunkt für die Aktienmärkte.

Gewinnsaison besser als befürchtet
Währenddessen ist der Gegenwind von Unternehmensseite nicht so stark wie befürchtet. Die Berichtssaison für das dritte Quartal 2019 folgte dem bewährten Muster: Die zuvor nach unten revidierten Gewinnerwartungen der Analysten wurden von der Mehrheit der Unternehmen geschlagen. Für 2020 sind die Gewinnerwartungen aktuell noch knapp zweistellig und damit recht ambitioniert. Sie dürfte in den kommenden Wochen noch nach unten korrigiert werden – aber auch das entspricht dem typischen Muster und dürfte einer Jahresendrally nicht im Wege stehen.

Politische Unsicherheit lässt (leicht) nach
Während die schwachen Konjunkturdaten zum grössten Teil eingepreist sind und damit ebenfalls kein grösseres Hindernis darstellen, bleibt die (Geo-)Politik möglicherweise das entscheidende Zünglein an der Waage. Zuletzt gab es auch hier Entspannungssignale. In Grossbritannien wird am 12. Dezember gewählt und das Risiko eines ungeordneten Brexits ist weiter gesunken. Ein klares Wahlergebnis ist aber beim weitem keine sichere Sache und so könnte sich die Hängepartie weiter fortsetzen. Derweil ist der Mini-Deal zwischen den USA und China im Handelskonflikt bestenfalls ein erster Schritt. Auf diesen müssen weitere Diskussionsrunden und neben Worten auch Taten folgen. Schliesslich könnten sich auch aus den an Momentum gewinnenden Impeachment-Diskussionen in den USA (negative) Überraschungen ergeben. Der nächste Tweet von US-Präsident Trump ist nur einen unruhigen Daumen weit entfernt. Kurzfristige Rückschläge sind an den Aktienmärkten letztlich auch in der saisonal begünstigten Vorweihnachtszeit nicht ausgeschlossen.