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12.06.2026

Euphorie und Zweifel

Geopolitische Spannungen und wachsende Zweifel an der KI‑Euphorie verunsichern die Märkte. Während Anleger Gewinne realisieren, rücken Inflation und Geldpolitik wieder stärker in den Fokus.

Nachlassende KI‑Euphorie trifft auf geopolitische Risiken

Angesichts der neuerlichen Spannungen im Nahen Osten bröckelte an der Börse die Hoffnung auf einen baldigen Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran. Zugleich konnte die Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI) die geopolitischen Risiken nicht mehr vollständig überstrahlen. Der Markt sieht die milliardenschweren Ausgaben für den Infrastrukturausbau aufgrund der wachsenden Verschuldung der Firmen, etwa des Softwareriesen Oracle, kritisch. Darüber hinaus nutzten viele Anlegerinnen und Anleger die Gelegenheit, im heiss gelaufenen Halbleitersektor Gewinne zu realisieren und sich für den Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX – der infolge der immensen Nachfrage im Vorfeld als mehr als dreifach überzeichnet galt – mit Liquidität einzudecken.

Vor diesem Hintergrund präsentierten sich die Aktienmärkte diese Woche volatil. Der Swiss Market Index (SMI) schwang dank des geringen Anteils an Technologiewerten obenauf. Gesucht waren defensive Titel wie der Nahrungsmittelmulti Nestlé, aber auch Givaudan und Richemont. Die Aktien des Duftstoff- und Aromaherstellers profitierten von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank, jene des Luxusgüterkonzerns von dem Übernahmeangebot für den Rivalen Boss durch den Grossaktionär Frasers.

Inflationsdynamik erhöht Druck auf die Notenbanken

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen auf die anziehende Inflation reagiert und ihre Leitzinsen wie vom Markt erwartet um 25 Basispunkte angehoben. Auf Jahressicht gehen wir von einer weiteren Zinserhöhung im Umfang von einem Viertelprozentpunkt aus.

In den USA wächst der Druck auf die Notenbank Fed, ebenfalls einen restriktiveren Kurs einzuschlagen. Denn während sich der Arbeitsmarkt robust zeigt, schlagen die hohen Ölpreise immer mehr auf die Wirtschaft durch. So haben sich die Konsumentenpreise im Mai um 4,2 Prozent verteuert; im Vormonat lag die Rate bei 3,8 Prozent. Die Kerninflation, welche die besonders volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel ausklammert, stieg von 2,8 auf 2,9 Prozent.

Die chinesischen Exporte haben im Mai verglichen mit dem Vorjahr um 19,4 Prozent angezogen. Ökonomen hatten einen Zuwachs von nur 15 Prozent prognostiziert. Haupttreiber war die starke Nachfrage nach Halbleitern und Hardware für KI. Angesichts der Gefahr weiter steigender Energiepreise sowie etwaiger Unterbrüche von Lieferketten haben zudem viele ausländische Käufer Bestellungen vorgezogen. Ungeachtet dessen ist die Wirtschaft im Reich der Mitte jedoch nicht gut in Verfassung. Die Binnennachfrage ist schwach, der Anteil von Subventionen an den Marktanteilsgewinnen heimischer Firmen hoch. Zugleich stagnierte die Inflation auf Konsumentenebene zuletzt zwar bei 1,2 Prozent, auf der vorgelagerten Produzentenebene zog sie jedoch von 2,8 auf 3,9 Prozent an.  

Bei weiteren Fragen rund um die Wirtschaft und aktuelle Anlagempfehlungen hilft Ihnen unser Team der Vermögensberatung gerne weiter. 

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