Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Edelmetalle glänzen. Dieses Jahr nicht nur als Schmuck, sondern auch in den Portfolios der Anleger. Die ganze Anlageklasse in einen Topf zu werfen wäre aber falsch. Es gibt Unterschiede und gute Gründe für und gegen die einzelnen Metalle.

Chart der Woche

Anlagealternativen bleiben gefragt

Gold und Bitcoin auf Jahreshöchst, indexiert

Anlagealternativen bleiben gefragt

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Während Gold unlängst auf ein Allzeithoch geklettert ist, handelt die Digitalwährung Bitcoin auf einem Jahreshöchst. Bemerkenswert ist der Weg zu den aktuellen Kursen. Gold verteuerte sich relativ konstant. Demgegenüber schwankte der Wert des Bitcoin stark: Im März halbierte sich der Kurs zunächst, um sich anschliessend wieder zu verdop-peln. Um wieder auf den Rekordwert von 2018 zu springen, müsste sich der Bitcoin allerdings noch-mals verdoppeln.

Aufgefallen

Aktionäre sollen verzichten

Europas Bankenaufsicht wünscht, dass Banken bis zum 1. Januar 2021 keine Dividenden zahlen oder Aktien zurückkaufen (bisher bis zum 1. Oktober 2020). Ob die Finma mitzieht? Hiesige Grossbanken hatten ihre Ausschüttung auf Finma-Empfehlung halbiert. Die zweite Tranche wurde aufs zweite Halbjahr geschoben, Aktienrückkäufe eingestellt.

 

Auf der Agenda

Konsumentenstimmung Schweiz

Am 4. August publiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO ihre Umfragewerte zur Konsumentenstimmung. Nach einem massiven Einbruch im Vorquartal ist mit einer Entspannung zu rechnen.

Gold und Silber strahlen dieses Jahr um die Wette

Sicherer Hafen, Krisenschutz und Angebotsknappheit treiben dieses Jahr den Goldkurs. Seit Anfang des Jahres hat die Feinunze, in US-Dollar gemessen, knapp 30 % zugelegt. Es ist unter Investoren eine der beliebtesten Anlageklassen und eine der wenigen, mit denen Anleger dieses Jahr ordentlich verdient haben. Aufgrund des anhaltend unsicheren Umfelds, einer drohenden zweiten Corona-Infektionswelle und des konjunkturellen Einbruchs hat Gold diese Woche bei 1'980 US-Dollar gar ein Allzeithoch markiert. Der bisherige Höchststand von September 2011 ist damit Geschichte. Besser noch: Der Trend scheint anzuhalten, 2'000 US-Dollar pro Unze sind in Reichweite. Zudem profitiert der Goldpreis aktuell von einem schwachen US-Dollar. Die US-Währung und das Edelmetall korrelieren in der Regel negativ. Gibt der Greenback nach, neigt das Edelmetall zur Stärke.

Aber nicht nur Gold ist gefragt: Unlängst geriet Silber ebenfalls in den Fokus der Anleger. Dabei ist der «arme Bruder» des Goldes schwankungsanfälliger. Das liegt daran, dass Silber auch von der Industrie nachgefragt wird und entsprechend sensitiv auf die Wirtschaftsentwicklung reagiert. Rund die Hälfte der jährlichen Silberproduktion wird von der Industrie weiterverarbeitet. Silber besitzt beste elektrische Leiteigenschaften und wird in der Elektronikindustrie, vom Mobiltelefon über die Steuerung von Flugzeugen bis zur Solarindustrie eingesetzt. Deshalb reagierte der Kurs von Silber verzögert. Mit Ausbruch der Corona-Krise sank der Kurs zunächst auf den diesjährigen Tiefpunkt von 11.65 US-Dollar pro Unze. Seither hat sich der Preis mehr als verdoppelt.

Platin ist ein sehr seltenes Edelmetall, das grösstenteils in der Produktion von Autokatalysatoren für Dieselfahrzeuge und zur Herstellung von teurem Schmuck verwendet wird. Als Investition spielt Platin nur eine untergeordnete Rolle. Das spiegelt sich auch in der Preisentwicklung. Zwar hat sich der Platinpreis seit Mitte März erholt, das Metall handelt allerdings mit einem Abschlag von über 50 % verglichen mit dem Höchststand vor über zehn Jahren. 

Als «Edelmetall der Wirtschaft» wird Palladium bezeichnet. Der Kurs ist denn auch stark von der Konjunkturentwicklung abhängig. Das zeigt nicht zuletzt die Kursentwicklung. Ende Februar markierte das silberweisse Metall mit über 2'800 US-Dollar pro Unze einen Höchststand, weil die Nachfrage aus dem Automobilsektor intakt war und strengere Abgasvorschriften den Palladiumbedarf in die Höhe trieben. Das Metall ist vor allem für die Produktion von Drei-Wege-Katalysatoren zentral. In der Schmuckindustrie wird Palladium zusammen mit Gold zu Weissgold legiert, was aus Anlegersicht aber keinen wesentlichen Einfluss auf den Kurs hat. Mit der Corona-Krise und einer weitgehend still stehenden Autoproduktion ist der Bedarf aus dem Automobilsektor vorübergehend eingebrochen, der Palladiumkurs pendelt deshalb noch knapp unter 2'300 US-Dollar, wobei sich seit Juni eine Erholung einstellte.

Die wohl einfachste und günstigste Art, sich in Edelmetallen zu engagieren, ist mittels eines ETF. Das bietet den Vorteil, dass das Produkt einfach handelbar ist. Viele dieser Fonds investieren ausschliesslich in das entsprechende Edelmetall, das physisch hinterlegt wird. Investoren haben teils gar die Möglichkeit, eine Sachauszahlung in Standardbarren zu verlangen. Bei Raiffeisen setzen wir in unseren Vermögensverwaltungsmandaten auf Gold. Dabei steht der Diversifikationseffekt, also die Optimierung des Risiko-Rendite-Profils im Zentrum. Trotz des Höhenflugs von Gold rütteln wir nicht an unserer Positionierung, denn das Umfeld für Anleger bleibt ungewiss.