Nachfolgetipps

Tücken der Familiennachfolge

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Die emotionalste Unternehmensnachfolge ist diejenige in der Familie. Nicht nur für den Unternehmer selbst, sondern auch für sein Umfeld. Deshalb rät RUZ-Begleiter Thomas Zimmermann, auch Tabus in der Familie offen anzusprechen.
 

Thomas Zimmermann, RUZ-Begleiter

Thomas Zimmermann, RUZ-Begleiter

Elisabetta Antonelli: Was sind die häufigsten Knackpunkte bei einer familieninternen Nachfolge?

Thomas Zimmermann: Probleme gibt es vor allem, wenn man die heiklen Themen nicht anspricht. Bei einer familieninternen Übergabe gehört auch Unangenehmes auf den Tisch. Der Unternehmer muss wissen, was er will und seine Erwartungen klar formulieren. Danach kommen die Wünsche der involvierten Parteien. Emotional schwierig ist etwa, wenn ein Kind die entsprechende Ausbildung hat und das Unternehmen nicht übernehmen will. Auch Fairness ist wichtig: Wenn einzelne Familienmitglieder benachteiligt werden, kommt es zu Unstimmigkeiten. Man kann zum Beispiel nicht einfach jemandem etwas schenken und die Geschwister ignorieren. Das ist ganz schlecht.

 

E. A.: Was soll man tun, wenn das eigene Kind die notwendige Qualifikation für die Nachfolge nicht hat?

T. Z.: Ehrlich sein und das Thema ansprechen. Meistens ist das schwierig innerhalb der Familie. Wir raten, das in einer sogenannten «Erwartungsklärung» in einer neutralen Runde zu tun. Kürzlich kam ein Vater zu uns ins Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ), der glaubte, sein Sohn könne die Firma nicht übernehmen. Gemeinsam fanden wir einen Kompromiss und schickten den Sohn in ein Assessment. Dabei stellte sich heraus, dass er durchaus in der Lage war, die Firma zu führen. Der Vater war überglücklich. Vorher war das Thema ein Tabu.

 

E. A.: Wie spricht man die heiklen Themen innerhalb der Familie an?

T. Z.: Es gibt Unternehmer, die können das instinktiv, zum Beispiel am Familientisch. Die, die darin nicht so gut sind, sollten zu uns ins RUZ kommen. Die Erwartungsklärung dauert etwa drei bis vier Stunden. Zuerst erstellen wir eine Agenda und schreiben auf, was bisher geschah. Dann definieren wir das Ziel. Erst in einem weiteren Schritt reden wir über die Nachfolge und fragen die Beteiligten: Wie seht ihr eure Rolle? Eure Zukunft? Was sind eure persönlichen Ziele? So kommt das Gespräch in Gang. Für die Familien ist das oft emotional – nach dem Gespräch sind aber alle erleichtert.

E. A.: Fühlen sich Kinder manchmal unter Druck gesetzt?

T. Z.: Ja, brutal. Da haken wir ein und fragen nach, bis sie es sagen. Es gibt zum Beispiel den Patron, für den klar ist, dass er mit 65 Jahren an seinen Sohn übergibt. Wir wollen dann wissen: Hast du ihn gefragt, ob er das wirklich will? Die Antwort ist oft schwammig. Eine externe Person, die auch unangenehme Fragen stellt, ist da hilfreich. Ehrlichkeit ist das Wichtigste. Nur so kommt man auf eine Lösung, die für alle stimmt.

 

E. A.: Ab wann sollte man in der Familie über die Nachfolge sprechen?

T. Z.: Da gibt es keine Regel – es darf einfach nicht zu spät sein. Aus Erfahrung wissen wir, dass ein solcher Nachfolgeprozess gut und gerne fünf bis zehn Jahre dauern kann.

Thomas Zimmermann, Leiter RUZ Aarau-West und Begleiter
Thomas Zimmermann, Leiter RUZ Aarau-West und Begleiter

Der gelernte Metallbauer führte 20 Jahre lang seine eigene Firma. Diese übergab er im Rahmen einer Nachfolgelösung 2015 an seine Mitarbeitenden. Heute leitet er das Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ) Aarau-West.