Börsenweisheiten

«Hin und her macht Taschen leer»

Stimmt die Börsenweisheit «Hin und her macht Taschen leer» immer noch? Christoph Kuhn, Leiter Portfoliomanagement bei Raiffeisen Schweiz, liefert in diesem Interview Antworten.

Was für Folgen das ständige Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren im Depot hat, wie hoch der Wahrheitsgehalt der Börsenweisheit tatsächlich ist und was Sie daraus lernen können, zeigt Ihnen unser Experte. 

Herr Kuhn, woher kommt die Weisheit?

Ch. K.: «Hin und her macht Taschen leer», stammt von André Kostolany und will ausdrücken, dass es sich eben nicht lohnt seine Wertschriften ständig auszuwechseln, da dabei Transaktionskosten anfallen, die bei häufigem «traden» ins Gewicht fallen. 

Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt der Weisheit?

Börsenprofis können der Weisheit einiges abgewinnen. Sie warnt zum einen vor den Kosten und Steuerabgaben, die ein hin und her mit sich bringen würden. Aber vor allem warnt sie auch vor zu viel Aktionismus. Denn Anleger neigen dazu, prozyklisch zu handeln, das heisst, sie folgen dem Trend. Wird der Aufwärtstrend erkennbar, springen sie auf. Die gleichen Aktien werden dann verkauft, wenn die Kurse fallen – ebenfalls meist zu spät. Sprich: Bei einer kurzen Haltedauer das richtige Timing zu haben ist extrem schwierig. Was sich aber immer schon bewährt hat, ist das Anlegen über die Zeit. Erst kürzlich berichtete die NZZ darüber und folgerte bezüglich SMI: Wer mindestens sechs Jahre lang in Aktien des SMI investiert hat, der hat mit dem SMI noch nie Verluste gemacht. Selbst wer am Tag des Rekordhochs gekauft hat und danach Crashs wie die Dotcom-Blase oder die Finanzkrise miterlebt hat, der hatte nach sechs Jahren die Verlustphase überwunden und lag wieder im Plus. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Investitionen und seine Anlagestrategie nicht regelmässig überprüfen und wenn nötig adjustieren sollte. Warum sich ein langer Anlagehorizont lohnt, können Sie hier im Detail nachlesen.

Was soll der Anleger nun tun?

Zum einen gehören Geduld und diszipliniertes Festhalten an der Anlagestrategie zu den grossen Tugenden erfolgreicher Investoren. Für den privaten Anleger ist es oft nicht einfach, bei sinkenden Märkten, Geduld und Nerven zu haben und investiert zu bleiben. Zum anderen muss das Depot trotzdem optimal auf die Marktgeschehnisse ausgerichtet sein. Für Kunden, welche zu wenig Interesse, Zeit oder Wissen haben, sich intensiv um ihr Depot zu kümmern, empfehlen wir den Abschluss eines Vermögensverwaltungsmandats oder eines Anlagezielfonds. Hier delegiert der Anleger die Anlageentscheidungen der Bank und ist immer passend zum Börsenumfeld entlang seiner gewählten Anlagestrategie investiert. Da das Mandat eine sogenannte «All-in-Fee» hat, können am Markt Opportunitäten aktiv genutzt werden, auch ohne dass das «Hin und Her» die Taschen leert.

 Christoph Kuhn - Leiter Portfolio Management