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Blockchains bieten KMU Chancen – Kryptowährungen kaum

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Auf einer Blockchain basierende Anwendungen wie Kryptowährungen besitzen aktuell nur einen geringen realwirtschaftlichen Nutzen. Die dahinter liegende Technologie bietet aber auch KMU vielfältige Chancen. Unser Experte erklärt wie Blockchain funktioniert und wie Sie das Potential der Technologie in Ihrem KMU anwenden können.
 

Bitcoins als Anlageinstrument

Im Gegensatz zu klassischen Währungen taugen Kryptogelder bisher nur beschränkt als Zahlungsmittel. Der Grund: Sie schwanken gegenüber dem Franken oder dem Dollar stark im Wert. Deshalb sagt Stefan Jeker, Leiter des «RAI Lab», des Innovationslabors von Raiffeisen: «Bitcoins haben sich eher als Anlageinstrument für risikofreudige Spekulanten etabliert und weniger als Zahlungsmittel.»
 

Kryptowährungen sind kein Ersatz für Devisen

Zwar ist das Überweisen von Kryptowährungen über Grenzen hinweg technisch sicherlich möglich, aber immer noch wenig gebräuchlich. Dies liegt nach Ansicht von Jeker daran, dass solche Transaktionen weitgehend unreguliert sind. Daher empfiehlt er KMU, für Zahlungen sowohl im Inland wie auch im Ausland weiter auf klassische Devisen zu vertrauen und vorerst auf Bezahlungen mit Kryptowährungen zu verzichten.
 

Ist die Kryptowährung «Libra» von Facebook sinnvoll?

Auch gegenüber der von Facebook auf 2020 angekündigten Kryptowährung «Libra» zeigt sich Jeker noch skeptisch. Zwar sei gut vorstellbar, dass «Libra» eine attraktive Alternative zu heutigen Zahlungsmöglichkeiten bieten wird, «ob das vertrauensvoll ist, wird sich aber wohl erst noch zeigen», so der Raiffeisen-Experte. «Libra» basiert auf einer Blockchain und soll mit klassischen Fiat-Währungen zur Wertstabilisierung unterlegt werden.

 

Das Potential der Blockchain-Technologie

Blockchains an sich wird hingegen einiges zugetraut – auch für Schweizer KMU. Das hohe Potenzial der Technologie lasse sich zum Beispiel an Wertpapieren, Luxusartikeln oder Besitzrechten illustrieren, sagt Jeker. Dank der dezentralen Speicherung ist das Risiko für Datenverlust oder -manipulation vergleichsweise gering.

 

Die Möglichkeiten und Anwendungen der Blockchain-Technologie

Ein Beispiel für den Nutzen von Blockchains sind digitale Zertifikate für Luxusuhren: Ist die Echtheit einer teuren Armbanduhr auf einer Blockchain vermerkt, sind Produzenten, Händler und nicht zuletzt Käufer in der Lage, sich ohne aufwendige Expertise vor Fälschungen zu schützen; denn von der Uhr existiert auf der Blockchain quasi ein «digitaler Zwilling».

Aber auch für Exportfirmen bringen Blockchains Chancen mit sich: «Exportierende KMU erhoffen sich unter anderem im Bereich der Zahlungsabsicherung oder in der Handelsfinanzierung einen grossen Nutzen», erklärt Jeker. So sei es mittels Blockchains etwa möglich, bei Lieferungen ins Ausland die Risiken einer finanziellen Vorleistung zu reduzieren, indem ein «smarter» Vertrag auf einer Blockchain bei Erhalt der Ware zeitgleich eine Zahlung auslösen kann. Viele dieser Projekte befinden sich aber noch in einem frühen Stadium. Bereits greifbar sind die Vorteile der Technologie jedoch etwa beim digitalen Aktienregister.

 

Stefan Jeker, Leiter des RAI LAB

«Das Prinzip einer Blockchain ermöglicht eine Art globales Notariat, bei dem man nicht mehr klassischen Intermediären vertraut, sondern der Informationstechnologie.»

Stefan Jeker, Leiter des RAI LAB