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Altersvorsorge: Dafür ist man nie zu jung

13.10.2017 |
  • Wirtschaft

«Private Altersvorsorge? Darum brauche ich mich noch nicht zu kümmern. Ich bin jung und habe Zeit», sagen sich die meisten Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 25 Jahren. Wieso es aber wichtig ist und was Vorsorge fürs Alter bedeutet, erklären wir hier. Passend zum Thema haben wir uns mit dem Jungschwinger Remo Käser über seine Gedanken zur Altersvorsorge und Pensionierung unterhalten.
 

Er ist jung, erfolgreich und scheut im Sägemehlring keine Risiken. Handelt es sich um seine Zukunft, agiert Remo Käser (20) jedoch lieber auf der sicheren Seite: Wir haben uns mit dem jungen Spitzenschwinger zum Thema private Vorsorge unterhalten. Er verriet uns, wie wichtig es ihm sei, sich vorsorglich für die Zukunft abzusichern.

Remo Käser, Schwinger
Altersvorsorge sei schon immer ein wichtiges Thema in seinem Elternhaus gewesen, sagt der Spitzenschwinger Remo Käser (20) aus Alchenstorf (BE)

«Die Altersvorsorge gibt mir einerseits ein gutes Gefühl – sozusagen eine gewisse Sicherheit –, andererseits hat es auch mit Freiheit und Unabhängigkeit zu tun. Gleichzeitig muss ich auch Disziplin im Umgang mit Geld walten lassen. Und wer weiss, was die Zukunft bringt? Daher lautet mein Motto: ‘Spare in der Zeit, so hast du in der Not’ – diese Lebensweisheit wurde mir von meinem Elternhaus mitgegeben», schmunzelt der sympathische Sohn von Schwingerkönig Adrian Käser.

Und wie stellt er sich seinen Ruhestand vor? «Ich würde gerne mit meiner Familie in einem Eigenheim leben und wünsche mir, dass wir es einfach schön haben können. Da müssen keine ausgefallenen Wünsche dabei sein», erklärt der Berner bescheiden.

Während viele junge Schweizerinnen und Schweizer sich noch keine Gedanken um ihre private Altersvorsorge machen, ist es für Remo Käser selbstverständlich, sich mit diesem Thema bereits in jungen Jahren zu beschäftigen. Altersvorsorge sei schon immer ein Thema in seinem Elternhaus gewesen. Viele Gleichaltrige haben jedoch nicht das Glück, bereits so viel über die Altersvorsorge zu wissen wie Remo. Wir haben hier die wichtigsten Informationen rund um die tragenden Pfeiler der Schweizer Vorsorgestruktur zusammengetragen.
 

So funktioniert das Drei-Säulen-System der Schweiz

Anders als in vielen anderen Ländern hat die Schweiz eine dreistufige finanzielle Altersvorsorge aufgebaut, welche in eine staatliche (1. Säule = AHV, IV), berufliche (2. Säule = Pensionskasse) und private Vorsorge (3. Säule) unterteilt ist. Dank der staatlichen Vorsorge ist das Minimum an Existenzsicherheit gesichert. Die berufliche Vorsorge ist die Ergänzung zur ersten Säule und bildet die Grundvoraussetzung für die Weiterführung des gewohnten Lebensstandards nach der Pensionierung. Die private Vorsorge sorgt abschliessend dafür, dass wir unseren Lebensabend tatsächlich komfortabel und finanziell abgesichert gestalten können, da sie allfällige Vorsorgelücken der ersten und zweiten Säule reduziert oder gar ausgleicht. Je mehr (gefüllte) Säulen also unser Vorsorge-Gehäuse trägt, desto stabiler und sorgenloser können wir unsere Pensionierung geniessen.
 

Die private Vorsorge hilft Vorsorgelücken zu schliessen

Berufstätige zahlen in die erste und zweite Säule obligatorisch ein – der Anteil wird monatlich automatisch vom Lohn abgezogen. Der Arbeitgeber beteiligt sich ebenfalls daran. Je nach Art und Dauer der Berufstätigkeit, Lohnstufe oder gewollte und ungewollte Abwesenheiten (wie Studium, Auslandsaufenthalt, verlängerter Mutterschaftsurlaub, Arbeitslosigkeit, Krankheit, etc.) kommt bei manchen Arbeitnehmern über die Jahre mehr, bei anderen weniger viel zusammen. Die Unterschiede der erhaltenen Pension können daher von Rentner zu Rentner stark variieren.

Eines ist klar: Das Leben nach der Pensionierung ist nicht gratis und je grösser die Vorsorgelücken, desto mehr können diese den Lebensstandard im Alter stark prägen und beeinflussen. Umso wichtiger ist es, sich früh genug Gedanken um die private, ergänzende Vorsorge zu machen.
 

Die verschiedenen Formen der privaten Vorsorge

Die dritte Säule ist persönlich, freiwillig und individuell gestaltbar. Es gilt zwischen der Säule 3a und 3b zu unterscheiden: Während die Säule 3a steuerabzugsfähig ist, kann man die Beiträge in die Säule 3b nicht von den Steuern abziehen. Zudem variiert die Laufzeit der Säule 3a und 3b.

Innerhalb der Vorsorge 3a gibt es ebenfalls starke Unterschiede bei den Produkten, Konditionen und Anbietern. Banken und Versicherungen bieten in der Schweiz private Vorsorge-Pakete an, die individuell auf die Kunden und deren Lebensstil und -standard zugeschnitten sind. Risikofreudigkeit sowie Risikoschutz können mitbestimmende Faktoren beim Ausgestalten der dritten Säule sein. Am besten lässt man sich von einem Vorsorge-Spezialisten beraten, um das passende Produkt für die persönlichen Bedürfnisse und Anforderungen für die Altersvorsorge auszuwählen.

 

Vorteile auf einen Blick

So manche schrecken vielleicht vor der Tatsache zurück, dass die geleisteten Beiträge in die Säule 3a nicht immer (wie beim Sparkonto) frei verfügbar sind. Diese Zurückhaltung ist unbegründet: Der Staat fördert und belohnt das Sparverhalten mit attraktiven Steuerersparnissen. Jeder einbezahlte Betrag – egal ob es der aktuelle Maximalbetrag von 6'768 Franken pro Jahr ist oder weniger – kann bei der Einkommenssteuer direkt abgezogen werden. Selbständig Erwerbende ohne Pensionskassen profitieren noch ein bisschen mehr davon, da sie höhere jährliche Beträge einzahlen dürfen (20 Prozent des Nettoeinkommens oder maximal 33'840 Franken pro Jahr). Als zusätzlicher Vorteil des Vorsorgekontos gegenüber eines herkömmlichen Sparkontos kann die deutlich höhere Verzinsung genannt werden.

Es gibt ausserdem gesetzlich limitierte Möglichkeiten für einen vorzeitigen Bezug der Vorsorgegelder: Auswanderung ins Ausland, Finanzierung von selbstbewohntem Wohneigentum, Rückzahlung von bestehenden Hypotheken, Schritt in die Selbständigkeit oder Einkauf in eine Pensionskasse.

 

Und wieso soll man früh mit der Altersvorsorge beginnen?

Unbeschwerte junge Menschen

Die Mehrzahl der jungen Menschen in der Schweiz kümmert sich nicht um die Altersvorsorge. Dabei gibt es viele gute Gründe, wieso es sich lohnt, früh darüber nachzudenken.

Ganz einfach: Je früher ein Vorsorge 3a-Konto eröffnet wird, desto schneller kommt man in den Genuss von Steuerersparnissen und einer höheren Verzinsung. Alle einbezahlten Beträge, die nicht auf dem Sparkonto landen sondern in der Säule 3a oder 3b, sind gut angelegt ohne der Verlockung zu unterliegen, sich doch noch ein weiteres Paar Schuhe oder ein noch grösseres Auto zu gönnen. Dem Erwerb eines Traumhaus, dem Einstieg in die Selbständigkeit oder luxuriösen Ferienreisen nach der Pensionierung kommt man mit der richtigen Altersvorsorge auf jeden Fall einen guten Schritt näher.