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Vom Traum zur Wirklichkeit: Wohneigentum in der Schweiz

16.10.2017 |
  • Wirtschaft

Laut einer Studie möchte jeder zweite junge Schweizer sich in den nächsten zehn Jahren den Traum vom Wohneigentum erfüllen. Momentan besitzen rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Schweiz ein eigenes Haus oder eine Wohnung. Dies ist mit Abstand die tiefste Quote in ganz Europa. Wir schauen uns die Wohneigentumsentwicklung genauer an und geben Tipps, wie der Traum vom Eigenheim Realität werden könnte.

Eigenheim

Eigenheim: Nur 40 Prozent der Schweizer haben sich bisher diesen Traum erfüllen können.

Die Schweiz war lange ein Volk von Mietern. Wohneigentum war etwas, was sich nur die ältere, gesetztere Generation leisten konnte – und wollte. Die Jüngeren fühlten sich oftmals eingeengt beim Gedanken an eine bindende Hypothek und eine für immer gleich bleibende Adresse. Wohneigentum bedeutete (und bedeutet heute noch) eine grosse Verantwortung und Investition. Auch wenn einige mit der Idee eines Eigenheimes liebäugelten, war es für viele finanziell unmöglich, mit 40 Jahren Besitzer des eigenen Zuhauses zu werden. Dies hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Zwischenzeitlich ist praktisch jeder siebte Schweizer vom Mieter zum Eigentümer oder Miteigentümer geworden. Und viele wollen in den nächsten Jahren in ihr eigenes Traumhaus oder -Wohnung einziehen.
 

Gründe für die Eigentumswelle in der Schweiz

Einerseits ist diese Entwicklung dem tiefen Hypothekarzinsen zu verdanken. Diese begünstigen ganz klar die finanziellen Vorteile eines Eigenheimes gegenüber jenen eines Mietobjektes. So zahlen heute viele Eigentümer monatlich weniger für ihre eigenen vier Wände, als dass sie dies als Mieter tun würden. «Miete zahlen ist verlorenes Kapital und somit aus dem Fenster geworfenes Geld», dieses Sentiment ist heute in aller Munde. Und es ist so: Fängt man an, die Kosten zwischen Eigenheim und Mietobjekt miteinander zu vergleichen, realisiert man schnell, dass die Wohneigentümer mit dem tiefen Zins besser wegkommen als mit den monatlichen Mieten – selbst wenn man Amortisationen sowie Unterhalts- und Nebenkosten in die Rechnung mit einschliesst.

Die tiefen Zinsen sind das eine. Der andere bestimmende Faktor ist, dass immer mehr Schweizer sich mithilfe ihrer beruflichen und privaten Vorsorge einen Teil ihrer Finanzierung des Eigenheims ermöglichen können. Insbesondere wenn die private Vorsorge schon früh angelegt worden ist, können bereits nach einigen Jahren beträchtliche Summen «geerntet» werden. Grund dafür sind die höhere Verzinsung der Säule 3a, mit welchen schneller als mit einem normalen Sparkonto gespart werden kann sowie die signifikanten Steuerersparnisse, welche sich aus der Altersvorsorge erzielen lassen können.
 

Schätzungsweise 50 Prozent aller neuen Wohneigentümer beziehen aus Altersvorsorge

20 Prozent Eigenkapital brauchen die zukünftigen Eigentümer, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen – davon müssen mindestens 10 Prozent vom Sparkonto oder der privaten Vorsorge stammen. Viele haben diese Summen nicht einfach auf dem herkömmlichen Sparkonto liegen, sondern müssen das Geld von der zweiten und/oder dritten Säule vorbeziehen oder verpfänden. Laut Fachjournalist und Immobilienexperte Jürg Zulliger machen schätzungsweise 40 bis 50 Prozent aller neuen Wohneigentümer Gebrauch von den Ersparnissen der zweiten oder dritten Säule, wenn sie sich eine eigene Wohnung oder Haus kaufen. Zulliger nennt den Vorbezug respektive die Verpfändung der Vorsorgegelder «das bis jetzt wirksamste und populärste Instrument der Schweizer Wohneigentumsförderung».
 

Hürden beim Erreichen des Traumes Eigenheim

Obwohl fast die Hälfte der unter 30-jährigen Deutschschweizer in den nächsten zehn Jahren ein Eigenheim kaufen möchte, können sich viele den Traum vom Eigenheim momentan nicht erfüllen. Gründe dafür gibt es einige: Das Eigenkapital ist oftmals (noch) nicht vorhanden und die stetig steigenden Preise der Wohnobjekte sind dabei ein grosses Hindernis. Während die Saläre praktisch gleich bleiben, sind allein in den letzten sieben Jahren die Preise für Eigentumshäuser und -wohnungen um 30 Prozent in die Höhe geschnellt. In den städtischen Gebieten liegen die Verkaufspreise zudem oftmals über den eigentlichen Schätzwert.

Wie kann man sich trotz offensichtlichen Hürden den Traum eines Eigenheims erfüllen? Experten raten, einerseits ländlichere Standorte oder Agglomerationen als Wohnort in Betracht zu ziehen. Andererseits kommt man nicht daran vorbei, sich früh mit der Finanz- und privaten Vorsorgeplanung zu beschäftigen, um so effizient wie möglich für die eigenen vier Wände zu sparen. Denn in einem Punkt sind sich Experten einig: Man kann nie früh genug anfangen zu sparen!

 

6 Tipps auf einen Blick

Kurt Frehner, Abteilungsleiter Basis- und Bilanzprodukte bei Raiffeisen Schweiz, hat uns seine Top-Tipps zur Eigenheim-Finanzierung mit Vorsorgegeldern verraten:

 

  1. Vorbezug Ihrer Altersvorsorge: Das benötigte Kapital aus der 2. oder 3. Säule wird ausbezahlt und zum Eigenkapital hinzugerechnet. Dadurch reduziert sich die Höhe der Hypothek und die Zinsbelastung fällt tiefer aus. Besprechen Sie aber mit Ihrem Berater, was das für Ihre Vorsorge bedeutet. Denn durch den Vorbezug aus der Pensionskasse oder dem Vorsorgekonto werden auch Vorsorge- und/oder Altersleistungen reduziert. Mit dem passenden Versicherungsprodukt jedoch, erleben Sie keine ungewollten Überraschungen.

  2. Mehr als nur für den Eigenheim-Erwerb: Nebst dem Kauf oder Erstellung von selbstbewohntem Eigentum, können vorbezogene Vorsorgegelder auch für folgende Zwecke eingesetzt werden: als wertvermehrende oder werterhaltende Investition in Ihr Eigenheim, als Rückzahlung Ihrer Hypothekenschuld oder für den Erwerb von Anteilscheinen an einer Wohnbaugenossenschaft.

  3. Vorsorgegelder verpfänden: Bei einer Verpfändung bleibt das Kapital in der Pensionskasse oder der gebundenen Vorsorge 3a investiert. Die höheren Hypothekarzinsen können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Die Hypothekarschuld wird nicht verringert, sondern nur mit den verpfändeten Vorsorge-Geldern abgesichert. Somit bleiben die Alters- und Risikoleistungen vollumfänglich bestehen, solange kein Vorsorgefall eintritt. Die Bank hat bei der Verpfändung von Vorsorgegeldern die Möglichkeit günstigere Konditionen anzubieten oder den Hypothekarbetrag zu erhöhen.

  4. Aber selbst bewohnt muss es sein: Ein Vorbezug oder eine Verpfändung von Vorsorgegeldern ist nur für dauernd selbst genutztes Wohneigentum möglich.

  5. Dritte Säule gilt als hartes Eigenkapital: Mindestens 10 Prozent der Eigenmittel müssen aus Kontoguthaben oder der 3. Säule stammen. Damit möchte man verhindern, dass die Vorsorgesysteme zu Gunsten des Wohneigentums ausgehöhlt werden.

  6. Indirekte Amortisation: Mit einer indirekten Amortisation Ihrer Hypothek reduzieren Sie nicht die Hypothekarschuld, sondern können die vereinbarte Amortisationssumme auf einem Vorsorgekonto der 3. Säule platzieren. Die effektive Rückzahlung der zu amortisierenden Hypothekensumme erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt, spätestens bei Auflösung des Vorsorgekontos anlässlich Ihrer Pensionierung. Sie können nach wie vor die Zinsen für die ganze Hypothek in Ihrer Steuererklärung zum Abzug bringen. Zudem sind Ihr Kapital und die Zinserträge auf dem Vorsorgekonto von der Steuer befreit. Die Steuern fallen erst bei der späteren Auszahlung an, und zwar zu einem reduzierten Steuersatz.

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