Zur Übersicht

Auch bei der Freundschaft gilt: «Männer sind anders. Frauen auch.»

13.02.2017 |
  • Erlebnis

Männer und Frauen ticken anders. Wir haben schon oft gehört, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus sind. Auch in Freundschaften haben Männer und Frauen andere Ansichten und stellen unterschiedliche Ansprüche an ihre jeweiligen Freunde. «Die Ansprüche an Tiefgang, Offenheit und Verlässlichkeit sind bei Frauen grösser, Männer sind oft mit Freizeitfreundschaften zufrieden», sagt der Berliner Psychotherapeut und Buchautor, Dr. Wolfgang Krüger. Wir schauen uns die grössten Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfreundschaften näher an.

 

#1: Männer reden über Sport und Autos, Frauen über Schuhe und Gefühle

Verschiedene Studien bestätigen dieses Klischee – während Männer lieber über sachliche Themen wie Sport, Aktien und die grosse Welt mit ihren Freunden sprechen, reden Frauen eher über sich und über die persönliche Befindlichkeit. Aber wieso? «Weil Männer Angst vor Schwächen haben, nicht gern über Ängste und peinliche Situationen reden. Sie fürchten immer noch, sich zu blamieren. Letztlich haben Männer immer noch den Anspruch, Helden zu sein. Sie reden deshalb gern über Erfolge, doch dies führt in Männerfreundschaften immer zu einer grossen Rivalität», erklärt der Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

Die Wissenschaft umschreibt diesen kommunikativen Unterschied der Geschlechter wie folgt: Frauen agieren mit Freundinnen hauptsächlich «face to face», da sie miteinander reden, heulen, lachen, und Geschichten, Geheimnisse, Ängste, Sorgen teilen. Männer hingegen positionieren sich im Freundeskreis eher «side by side» und trinken, schauen Fussball und golfen zusammen.

 

#2: Taten statt Worte

Laut des Institutes für Rationelle Psychologie in München definieren sich Männerfreundschaften zu 54 Prozent aus gemeinsamen Unternehmungen, zu 24 Prozent aus Gesprächen über Arbeit, Karriere und Politik und zu 19 Prozent aus Gesprächen über das eigene Befinden. Kurz: Das gemeinsame Erleben diverser Aktivitäten hat einen viel höheren Stellenwert, als sich über Probleme und Gefühle zu unterhalten. Frauen hingegen treffen sich lieber, um zu reden.

Studien, wie die von Beyond Blue in Australien, zeichnen ein etwas düsteres Bild um den schweigsamen Mann. So wurde herausgefunden, dass 25 Prozent der Männer zwischen 30 und 65 Jahren ausserhalb der Familie niemanden haben, mit dem sie über Probleme sprechen können. Auch Krüger bestätigt dies: «Männer haben oft nur eine Vertraute – die eigene Partnerin. Dies kann unter Umständen für eine Beziehung sehr belastend sein, wenn der Ehemann alle seine Probleme bei seiner Frau ablädt.»

 

#3: Funkstille vs. Dauerkommunikation

Während Freundinnen untereinander im ständigen Kontakt stehen und (fast) nie einen Geburtstag, Jubiläum oder sonstiges wichtiges Datum vergessen, ist es bei Männerfreundschaften überhaupt kein Problem, wenn sie sich wochenlang nicht sehen oder melden. Ein verpasster Geburtstag ist auch nicht weiter schlimm. Eine Leichtigkeit, welche den Frauenfreundschaften teilweise fehlt. Denn Frauen reagieren viel schneller gekränkt, wenn sich die andere nicht mehr so oft meldet oder eben der Geburtstag vergessen geht.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es bei Freundinnen nach der grossen Nähe oft zum (offenen) Bruch kommt. «Die hohe Emotionalität der Frauenfreundschaft führt oft zu einer hohen Konfliktanfälligkeit», erklärt Krüger. Männerfreundschaften hingegen leben sich eher langsam auseinander ohne zum emotionalen Showdown zu kommen.

 

Lernpotenzial?

Ja, Männer und Frauen ticken anders – und gestalten daher auch ihre Freundschaften anders. Anders heisst aber nicht, dass eine Freundschaft besser ist als die andere. Anders heisst, dass die Ansprüche und Bedürfnisse der Geschlechter verschieden sind. Wichtig ist gemäss verschiedener Experten vor allem, dass Männerfreundschaften nicht an den weiblichen Beziehungsmassstäben (häufiger Kontakt, Gefühle mitteilen, über Probleme reden) gemessen werden. Für viele Männer reiche es schon, zu wissen, dass sie Freunde haben, bei denen sie sich bei Bedarf melden und zusammen was unternehmen könnten.

Auch wenn wir Männerfreundschaften nicht mir Frauenfreundschaften vergleichen sollten, findet Dr. Krüger, dass wir alle etwas voneinander lernen könnten: «Männer könnten lernen emotionaler und offener zu sein. Frauen könnten von den Männern lernen, sachlichere Freundschaften einzugehen und auch ihre Erfolge miteinander zu teilen.»