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Banker unterstützen Verein OstSinn

16.06.2016 |
  • Gesellschaft

Seit 2015 haben Raiffeisen-Mitarbeitende die Möglichkeit, im Rahmen des Programms «Community Engagement» gemeinnützige Organisationen fachlich zu unterstützen. Roland Schweizer, Strategie-Entwickler, und Cajus Schuppli, HR Business Partner, haben sich beim Verein OstSinn für die Überführung des Coworking-Projektes in die Genossenschaft VillageOffice engagiert. Im Interview berichten Sie über die Vorgehensweise und die Hintergründe des Projekts.

 

Ihr habt 2015 während rund vier Monaten einen Community-Engagement-Einsatz geleistet. Was genau habt ihr gemacht?

Roland Schweizer (RS)
Roland Schweizer (RS)

Die Aufbauphase des Vereins OstSinn war nach gut fünf Jahren abgeschlossen. Der Verein bot mit dem «Coworking-Space» Raum für Arbeit, unterstützte zukunftsfähige Projektideen im Bereich der Nachhaltigkeit bei der Umsetzung und vermittelte Wissen mittels Vorträgen. An diesem Punkt angelangt, entschied sich der Verein für einen Strategiereview. Wir unterstützten den Vorstand bei der Standortbestimmung durch unsere Aussensicht. Gemeinsam evaluierten wir, was funktionieren könnte und was nicht. Ein Massnahmenplan für die nächsten Schritte folgte. Ideal war, dass sich OstSinn völlig ergebnisoffen zeigte – von der Auflösung des Vereins bis zum Angebot zusätzlicher Dienstleistungen war alles denkbar.

Cajus Schuppli (CS)
Cajus Schuppli (CS)

Für uns war es wichtig, dass unser Auftrag mit der Formulierung der Strategie noch nicht vollumfänglich abgeschlossen war. Der Wert einer definierten Strategie zeigt sich erst, wenn sie umgesetzt ist. Deshalb haben wir den Fokus auch darauf gelegt.

Wie habt ihr euren Einsatz gestaltet?

RS: Nach dem Kick-off führten wir zwei Workshops durch. Im ersten ging es darum, die aktuelle Ausgangslage des Vereins zu verstehen: Wo stehen sie? Was sind die zentralen Herausforderungen? Im zweiten Workshop entwickelten wir in Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorstand das Zielbild – wohin geht die Reise? Uns war es wichtig, dass wir den Vorstand in die Vorbereitung der Workshops miteinbezogen.

CS: Das war für den Prozess entscheidend! Sie mussten sich dadurch bereits vor dem Workshop mit gewissen Themen auseinandersetzen und Stellung beziehen. Ihre im Vorfeld gelieferten Inputs diskutierten wir dann im Workshop angeregt aus, bevor wir zu einem Entscheid gekommen sind. Was mich dabei stark beeindruckte waren die teamdynamischen Prozesse, welche innerhalb des Vorstandes stattfanden und wir miterleben durften. Eine Strategie zu formulieren hat eben auch sehr viel mit Kommunikation zu tun und ist nicht immer einfach – denn teilweise können die Ansichten sehr unterschiedlich sein.

 

Wie sahen eure Strategie-Empfehlungen aus?

RS: Als Resultat der Standortbestimmung rieten wir OstSinn zu einer Fokussierung auf ihre Kernaktivität, nämlich Zukunftsmacher dabei zu unterstützen, ihre Ideen zu verwirklichen. Andere Aktivitäten wie etwa die Betreibung des Coworking-Spaces, empfahlen wir aufzugeben. Dieser beanspruchte OstSinn zeitlich und finanziell stark.

Hinten v.l.n.r. Cajus Schuppli, HR Business Partner Raiffeisen Schweiz, Roland Schweizer, Strategie-Entwickler Raiffeisen Schweiz, Remo Rusca, Mitgründer und Verwaltungsrat VillageOffice, Jenny Schäpper-Uster, Mitgründerin und Verwaltungsrätin VillageOffice

Hinten v.l.n.r. Cajus Schuppli, HR Business Partner Raiffeisen Schweiz, Roland Schweizer, Strategie-Entwickler Raiffeisen Schweiz, Remo Rusca, Mitgründer und Verwaltungsrat VillageOffice, Jenny Schäpper-Uster, Mitgründerin und Verwaltungsrätin VillageOffice

Wovon habt ihr als Volunteers profitiert?

CS: Ich begleite heute nicht mehr täglich Strategieprozesse. Deshalb habe ich mich über diese Aufgabe sehr gefreut. Das Spannende an diesem Projekt war, dass man sich in ein branchenfremdes Gebiet und in eine andere Thematik, die nichts mit der Bankbranche zu tun hat, einarbeiten musste. Für mich faszinierend zu beobachten war zudem, wie ein Team ausserhalb der Bankbranche funktioniert, wie die Mitglieder miteinander umgehen und was für Fragestellungen sie bewegen.

RS: Cajus und ich konnten strategisches Fachwissen beisteuern und die Ziele strukturieren. Der Vorstand von OstSinn hat viele kreative Ideen, welche sie mit Enthusiasmus verfolgen. Wir haben diese eingefangen und so gebündelt, dass sie sich in Zukunft auf die wichtigsten Projekte konzentrieren können. Dieser Austausch war für beide Seiten sehr befruchtend und lehrreich. Auch auf menschlicher Ebene war das Projekt spannend. Wir haben heute noch gelegentlich Kontakt.

CS: Beim gegenseitigen Austausch mussten wir immer wieder abwägen, wie weit wir mit unseren Anregungen und Verbesserungsvorschlägen gehen konnten, ohne ihre Kreativität und ihren Energiefluss einzuschränken oder gar zu zerstören. Und am Ende muss ein konkretes Resultat vorliegen.

 

Hat es Spass gemacht?

CS: Ja, sehr. Nicht nur, weil man sich zwischendurch zum gemeinsamen Feierabendbier getroffen hat. Roland und ich hatten auch untereinander Spass. Das hat bereits bei den Vorbereitungen der Workshops begonnen. Vor allem sind wir glücklich, dass wir etwas bewirken konnten.

RS: Ich stimme Cajus zu. Mir haben vor allem die zielgerichteten Diskussionen Freude bereitet. Das schönste Kompliment haben wir zwei Monate nach Abschluss des Programms erhalten. An einer Vorstandssitzung durften wir uns vergewissern, dass die gemeinsam definierten Massnahmen erfolgreich umgesetzt werden.

 

Sind weitere Einsätze geplant?

CS: Bei mir momentan nicht. Es war ein Pilotprojekt, an welchem ich sehr gerne teilgenommen habe. Roland ist aber weiterhin dabei.

RS: Ja, ich darf auch im zweiten Jahr des Community Engagements wieder mitwirken. Diesmal allerdings nicht in einem klassischen Strategie-Projekt. Stattdessen steht die konzeptionelle Begleitung zu Fragestellungen in Kommunikation und Marketing im Vordergrund.

CS: Unser Fazit: Eine Teilnahme an diesen Projekten können wir nur jedem empfehlen. Denn andere Kompetenzen einzusetzen, Einblick in andere Branchen und Thematiken zu erhalten und die Möglichkeit zu haben, auch mal das Daily Business zu verlassen, ist einerseits ausserordentlich wertvoll und andererseits sehr bereichernd.