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Bar, Karte oder Smartphone? Wir haben nachgefragt!

12.10.2017 |
  • Wirtschaft

Ohne Geld kein Handel: Während früher Getreide, Kaurimuscheln oder Silber als Zahlungsmittel verwendet wurden, sind heute Bargeld und Karten die beliebtesten Zahlungsmittel von Herr und Frau Schweizer. So die Meinung von verschiedenen Experten, die wir zum Thema befragt haben. Zusätzlich haben uns in einer Strassenumfrage Passanten den Blick ins Portemonnaie gewährt – und uns so einen Realitätscheck ermöglicht.

Heutzutage ist es klar definiert, wie wir im Laden, auf dem Markt oder im Internet bezahlen: Ob mit Bargeld, Karte oder einer Mobile Payment-Lösung, die allgemein gültige Währung hierzulande ist seit rund 220 Jahren der Schweizer Franken. Früher aber war der Sachverhalt komplexer. Bevor die heutigen Landeswährungen bestimmt wurden, tauschten die Menschen Güter. So waren zum Beispiel Getreide und Vieh sehr beliebte Tauschmittel. Die Schwierigkeit lag im Detail: Einerseits beim Auffinden eines geeigneten Tauschpartners, der aktuell an Getreide interessiert und gleichzeitig in der Lage war, Vieh als Gegenwert anzubieten. Und andererseits beim Bestimmen des Wertes – denn wer wusste schon, wie viel Getreide das Tier überhaupt wert war?

Schweizer Finanzmuseum

Wissbegierig? Raiffeisen-Kunden können im neuen Schweizer Finanzmuseum mehr über die Geschichte des Geldes erfahren.

Show me the money!

Glücklicherweise müssen wir heutzutage nicht mehr nach geeigneten Tauschpartnern suchen. Die Menschen haben die unpraktische Seite des Tauschhandels umgangen, indem sie zuerst Silbermünzen, Kaurimuscheln und Schmuckstücke nach Gewicht tauschten – und schliesslich das Papiergeld und die Kreditkarten erfanden.

Wir wollten wissen, welche Zahlungsmittel heute wirklich am beliebtesten sind. Einige Passanten gewährten uns spontan Einblick in ihr Portemonnaie: «Wie viel Bargeld haben Sie bei sich?» war eine der Fragen, die uns brennend interessierte. Spannenderweise befanden sich bei keinem der Befragten mehr als 100 Franken im Portemonnaie, durchschnittlich waren es rund 42 Franken und ein paar «Zerquetschte». Eine Dame erklärte, dass sie nie mehr als 80 Franken aus dem Automaten beziehe und der Grund leuchtet ein: «Ich lasse extra 80 Franken raus, damit ich 20er-Noten zur Hand habe.» Aber wieso führen die Schweizer tendenziell keine grossen Summen an Bargeld mit sich – werden wir bald zur bargeldlosen Gesellschaft?

Passantin bei Strassenumfrage zum Thema Bargeld

Diese Passantin hat etwa zehn Franken «i Münz» im Portemonnaie.

Für Sandro Graf, Leiter des Swiss Payment Research Centers der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), ist die Antwort darauf ganz eindeutig: «Nein. Es wird noch sehr, sehr lange dauern, bis die Schweiz zu einem komplett bargeldlosen Land wird. Wir haben ein sehr hohes Bargeld-Niveau und die Menschen werfen ihr über Jahre habitualisiertes Verhalten nicht so schnell über den Haufen», erklärt der ZHAW-Dozent und Forschungsleiter. «Was wir trotzdem feststellen können, ist dass der tägliche Gebrauch an Bargeld abnimmt.»

Daniel Steingruber, Innovationsmanager, Swisscom Think Tank e-foresight
Daniel Steingruber, Innovationsmanager, Swisscom Think Tank e-foresight

Dieser Aussage stimmt auch Daniel Steingruber vom Swisscom Think Tank e-foresight zu. Als Innovationsmanager ist er ein sogenannter Early Adopter (Erstanwender) von neuen Banking-Technologien – und bedauert es ein bisschen, dass die Schweiz noch weit von einem komplett bargeldlosen System entfernt sei.

«Ich bin überzeugt, dass es noch Jahre dauern kann, bis Bargeld nur noch in geringem Ausmasse von den Endkunden benutzt wird. Einen wichtigen Einfluss auf diese Entwicklung kann der Staat nehmen – das haben wir bereits in den nordischen Ländern gesehen. Bis wir hier soweit sind, wird es aber noch länger gehen», meint der Trendscout im Bereich Banking.

Bar oder mit Karte?

Neben der Bargeld-Frage haben wir die Passanten in unserer Raiffeisen-Strassenumfrage nach ihrer bevorzugten Zahlungsmethode gefragt. Wir wollten wissen, ob sie lieber mit Bargeld oder Karten bezahlten.

Nicht ganz unerwartet erklärte die Mehrheit der Befragten, dass sie vor allem bei grösseren Beträge nur noch die Karte zückten. Eine Dame meinte, dass sie alle Beträge ab 30 Franken immer mit der Karte bezahlen würde. Ein anderer Passant war da sogar noch kompromissloser: «Immer wenn ich kann, bezahle ich mit der Karte. Ich empfinde es als Zeitverlust – und es ist mühsam, das Geld am Bankomaten abzuheben, um es dann gleich wieder im Laden abzugeben.» Ein anderer Herr jedoch teilt diese Meinung überhaupt nicht: «Ich bezahle nur mit Bargeld, mit der Karte verliere ich den Überblick.»

Passant bei Strassenumfrage zum Thema Bargeld

Dieser Passant bezahlt ausschliesslich mit der Karte. Was bevorzugen Sie – Bargeld oder Karte?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – das gilt auch für unsere Gewohnheiten und Vorlieben. Daniel Steingruber von e-foresight sieht das ebenso. Im Endeffekt entscheiden immer die Konsumenten, welche Lösung sie wollen oder nicht: «Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, dass man den Kunden in den Mittelpunkt stellt und neue Lösungen entwickelt, die ihn interessieren und ihm einen Mehrwert geben.»

Und solche neuen Lösungen spriessen wie Pilze aus dem Boden. Die grössten Schweizer Banken beteiligen sich ebenfalls an diesem Trend und haben die eigene Mobile Payment-App TWINT für sicheres bargeldloses Bezahlen, Geldtransfer in Echtzeit zwischen Privatpersonen und andere Vorteile entwickelt, welche seit ein paar  Monaten den Raiffeisen-Kunden zur Verfügung steht.
 

Und wie werden wir in Zukunft bezahlen?

Die Experten sind sich einig, dass sich unser Bezahlverhalten langsam ändert – auch in der Schweiz. Wo früher Bargeld als das einzige Wahre betrachtet wurde, kommen immer häufiger die Kredit- oder Debitkarte zum Zuge. Aber auch Mobile Payment-Lösungen wie TWINT sind langsam am Kommen – nicht zuletzt dank ihrer hohen Sicherheit und den praktischen Vorteilen wie Rabattcoupons, Stempelkarten und Zusatzfunktionen. Als ein Land, das sehr auf Sicherheit und Tradition bedacht ist, hinkt die Schweiz jedoch im Bereich Mobile Payment einigen anderen Ländern deutlich hinterher.

Sandro Graf, Leiter des Swiss Payment Research Centers der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
Sandro Graf, Leiter des Swiss Payment Research Centers der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Mobile Payment-Experte und ZHAW-Dozent Graf ist aber überzeugt, dass in Zukunft Mobile Payment-Lösungen den Durchbruch schaffen werden. «Es wird hierzulande zwar noch ein bisschen dauern, bis das Bezahlen mit dem Smartphone so selbstverständlich wie der Gebrauch von Social Media wird – aber es wird kommen. Je besser und einfacher die Lösungen werden, umso öfters werden die Menschen ihre Karten zuhause lassen», so Graf.

Über TWINT

Seit dem 30. Mai 2017 steht die plattformunabhängige Schweizer Bezahllösung TWINT für unsere Raiffeisen-Kunden zum Download bereit. Sie profitieren von der direkten Kontoanbindung, Zahlungen unter Freunden und einer Reihe zusätzlicher Mehrwerte. Damit etabliert sich TWINT weiter als das digitale Portemonnaie der Schweiz.