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Unsere Daten im Netz: Was wir preisgeben und wie wir uns schützen können

12.11.2018 |
  • Gesellschaft

Schweizerinnen und Schweizer vertrauen ihrer Bank und den Behörden, dass diese ihre Kundendaten sicher aufbewahren. Social Media-Plattformen, Messenger-Apps oder Dating-Portalen dagegen stossen eher auf Misstrauen. Umso erstaunlicher ist deshalb die Erkenntnis der Datenvertrauensstudie 2018 von comparis.ch, die besagt, dass jeder zweite User seine Privacy-Einstellungen auf Social Media vernachlässigt. Wir verraten, welches die Grundsteine für eine sichere Beibehaltung unserer Privatsphäre sind und was die Tech-Giganten alles über uns wissen.

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  • Wie können wir unsere persönlichen Daten schützen?
    1. Das Wichtigste überhaupt: Überlegen Sie gut, welche Informationen Sie von sich preisgeben. Alles, was Sie im Internet kommentieren oder jedes gepostete Bild, ist für viele Menschen zugänglich und kann im Ernstfall zu Ihnen zurückverfolgt werden.
  • Datenschutz
    2. Zugriff auf Informationen einschränken: Viele User haben ihre Privacy-Optionen oft freizügig eingestellt – oder besser gesagt: voreingestellt und nicht angepasst.
  • Rot beleuchtete Tastatur.
    3. Die Browser-Wahl ist entscheidend: Das Datensammeln im Internet können Sie ein wenig einschränken, wenn Sie beispielsweise auf der Chrome-Erweiterung Scriptsafe oder der Mozilla-Erweiterung Noscript surfen. Wenn Sie keinen Browser einbinden möchten, bietet Youronlinechoices eine gute Alternative.
  • Daten verschlüsseln.
    4. Daten verschlüsseln: Ihre Wohnungstüre verschliessen Sie auch hinter sich. Wieso also nicht auf Messenger-Dienste zurückgreifen, welche Ihre Nachrichten, Fotos und Videos beim Versenden verschlüsseln. Eine Empfehlung von Edward Snowden höchstpersönlich: Der Messenger «Signal» gelte als einer der sichersten Dienste der Welt.
  • Kleine Notlügen sind erlaubt.
    5. Kleine Notlügen erlaubt: Um Mitglied bei sozialen Netzwerken zu werden oder andere Dienste nützen zu dürfen, müssen oftmals persönliche Daten angegeben werden. Aber: Nicht jede Angabe Ihrer persönlichen Daten muss stimmen. Wie wäre es mit einer zweiten Email-Adresse oder einem Pseudonym? Falschen Geburtstag oder einer fiktiven Adresse?
  • Eine Person hinter einem Bücherstapel.
    6. Die einzige Konstante ist die Veränderung: Was heute gültig ist, mag morgen bereits Geschichte sein. Bleiben Sie rund um das Thema Privacy und Sicherheit im Netz immer auf dem Laufenden.
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    Der diesjährige Facebook-Datenmissbrauch-Skandal schlug hohe Wellen und sorgte für grosse Verunsicherung bei Millionen von Social Media-Usern weltweit. Die NZZ schrieb, dass bis zu 29'000 Schweizer Facebook-Nutzern vom Missbrauch betroffen waren. Viele löschten daraufhin ihr Facebook-Profil – aus Protest, Angst oder aus Unsicherheit. Facebook den Rücken zu kehren, mag eine Lösung sein. Wenn wir jedoch weiterhin via Facebook mit Freunden aus aller Welt kommunizieren wollen, bleibt uns eigentlich nur eine Option: Jeder Einzelne muss die Verantwortung für seine/ihre Aktionen zu übernehmen. Es liegt an uns, zu überlegen, was wir über uns, unsere Freunde und Familien in den Sozialen Medien preisgeben wollen. Dazu müssen wir zwingend ein paar Regeln der Privatsphäre-Einstellungen einhalten.

    Aber zuerst einmal stellen wir uns die Frage: Was wissen Facebook und die anderen Netzwerke bereits über uns? Bei Facebook können Sie ganz einfach die Daten einsehen, welche der amerikanische Social Media-Riese von Ihnen besitzt. Auch bei Google lässt sich nachschauen, welche Informationen die Suchmaschine und die anderen Google-Dienste wie Gmail, Maps oder Kalender gesammelt haben. Sie werden sehen, dass der Internet-Gigant alles von Ihren Surf-Gewohnheiten bis hin zu Ihrem aktuellen Standortverlauf kennt. Diese Infos werden bis zu 18 Monate auf Servern gespeichert und für zielgerichtete Werbung verwendet. Der Datensammlung können Sie sich nicht ganz entziehen, aber wenigstens können Sie es einsehen und teilweise einschränken.

     

    Social Media-Riese Facebook.
    Nach dem diesjährigen Datenmissbrauch-Skandal sank das Vertrauen der User in den Social Media-Riesen Facebook.

    Finden Sie in ein paar kurzen Schritten heraus, welche Infos Facebook über Sie kennt:

    • Unter «Einstellungen» den Punkt «Allgemein» anklicken, wo Sie den untersten Punkt «Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter» aufmachen.

    • Klicken Sie auf «Mein Archiv aufbauen».

    • Per Email erhalten Sie einen Download-Link, den Sie mit der Eingabe Ihres persönlichen Passwortes bestätigen. 

    • Und schon können Sie Ihre Facebook-Daten in einer .zip-Datei exportieren und einsehen.

    Tech-Gigant Google.
    Bei Tech-Giganten wie Google lässt sich nachschauen, welche Informationen über die User gesammelt wurden

    Und was weiss Google über mich?

    • Wenn Sie ein Google-Konto haben, klicken Sie auf der Google-Übersichtsseite «Mein Konto» an und rufen Sie «Persönliche Daten & Privatsphäre» den «Google Dashboard» auf.

    • Gesammelte Daten unter «Daten herunterladen» einsehen und herunterladen 

     

    Wenig Vertrauen in soziale Netzwerke

    Seit comparis.ch die Schweizer Bevölkerung zum Thema Datensicherheit und Datenschutz befragt, ist in allen Umfragen seit 2013 klar ersichtlich gewesen, dass Behörden und Banken grosses Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer geniessen, wenn es um den Umgang privater Nutzerdaten geht. Aus anderen nationalen Umfragen wird ebenfalls ersichtlich, dass Schweizer Bankkunden ihrer Hausbank vertrauen. Sie wissen, dass Diskretion, Vertraulichkeit und Datenschutz in der Schweizer Finanzbranche sehr hoch geschrieben werden. Ein Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) erklärt es auf 20 Minuten so: «Dass die Finanzbranche mehr Vertrauen in Sachen Datenschutz geniesst, dürfte insbesondere mit dem Bankgeheimnis zusammenhängen.»

    Im Gegensatz zu den Banken zeigt die diesjährige Umfrage deutlich, dass die Befragten Dating-Portale, Business-Netzwerke (LinkedIn, Xing) sowie Chat- und Messenger-Apps (WhatsApp, Snapchat, etc.) das geringste Vertrauen schenken. Auch Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter schneiden schlecht ab. Seit der ersten Durchführung der Datenvertrauensstudie von comparis.ch fallen die Resultate in diesem Bereich ähnlich aus. Vor fünf Jahren war laut comparis.ch das Misstrauen gegen Facebook gross, weil die Social Media-Plattform ständig Datenschutz-Richtlinien änderte und bekannt wurde, dass der US-Geheimdienst NSA auf die Nutzerdaten von Facebook Zugriff hat. Heute sind es andere Datenskandale bei Facebook, welche die User verunsichern. Umso erstaunlicher ist es, dass die Befragten diesen Social Media-Plattformen zwar nicht vertrauen, aber trotzdem 48 Prozent die Privatsphären-Einstellungen bei genau diesen Diensten vernachlässigen.

     «Wenn das Produkt gratis ist, bist du das Produkt»

    Unsere WhatApp-Daten werden übrigens ebenfalls an Facebook zugestellt, wussten Sie das? Die weltweit grösste Messenger-App gehört - genauso wie die Social Media-Plattform Instagram - zum Zuckerberg-Imperium. So werden aus verschiedenen Datentöpfen Nutzungsdaten, Verhaltensmuster und Handynummern gesammelt. Und wofür? Der Hauptgrund für das Datensammeln sind die mächtigen Werbekunden, dank derer sich Facebook eine goldene Nase verdient. Mit diesen Daten aus verschiedenen Quellen können Werbekunden strategisch ihre Zielgruppen eingrenzen, um beispielsweise gezielt alle Besitzer eines bestimmten Autotypen oder Familien mit Neugeborenen zu bewerben. 

    Die Zeit-Online brachte es auf den Punkt: «Wer bisher noch glaubte, WhatsApp und Facebook seien besonders kundenfreundlich, weil kostenlos, der lernt spätestens jetzt eine der Grundweisheiten der Internetökonomie: Wenn es dich nichts kostet, bist du das Produkt.» Jeder, der Gratisdienste wie WhatsApp, Google oder Instagram nutzt, verkauft seine persönlichen Nutzerdaten – eventuell auch seine Handynummer und Email-Adresse - im Tausch gegen kostenlose Kommunikationskanäle und andere praktische Dienste. Denn: Wer möchte heutzutage schon für eine Suchmaschine oder SMS bezahlen müssen? Daher müssen wir im Gegenzug den Verkauf von Daten und die gezielte Werbeschaltung akzeptieren.

     

     

    Wie schränke ich meine Privacy-Einstellungen auf Social Media ein?

    Handyscreen mit Whatsapp-Applikation.
    Whatsapp gehört zu Facebook und somit auch alle Daten, die auf dem Messengerdienst zusammenkommen.

    Whatsapp

    Neuere Smartphone können Whatsapp den Zugriff auf das Telefon-Adressbuch entziehen. Wieso sollte man dies in Erwägung ziehen? Sind die Kontakte auf Whatsapp übertragen, kann Facebook ebenfalls auf die Telefonnummern, E-Mails und Adressen Ihrer Freunde und Bekannten zugreifen. 

    • Um Einsicht auf Ihr Online-Status, Profilbild oder Standort einzuschränken, klicken Sie auf «Account» und dann auf «Datenschutz».

    Die Social Media-Plattform Facebook in einer mobilen Ansicht.
    Zum Tech-Giganten Facebook gehören unter anderem Instagram und WhatsApp.

    Facebook

    • Unter «Einstellungen zur Privatsphäre» bestimmen Sie, wer Ihre Posts einsehen kann und wer Sie kontaktieren darf. Ausserdem können Sie Ihre Freunde gruppieren, indem Sie beispielsweise nur Ihren «besten Freunde» erlauben, Ihre Fotos sehen.

    • Über den Menüpunkt «Apps» können Sie einzelnen App-Anbietern die Berechtigung zur Dateneinsicht entziehen.

    • Stellen Sie auf der Facebook-App den automatischen Ortungsdienst aus und entfernen Sie auf Facebook-Messenger das Häkchen beim Aufenthaltsort, um Ihren Standort nicht immer einsehbar zu machen.

    Ein Handyscreen, auf der eine Instagram-Applikation zu sehen ist.
    Die Bilderplattform Instagram zählt mittlerweile über 500 Millionen Nutzer weltweit.

    Instagram

    • Wenn Sie Ihre Fotos nur mit Freunden und Bekannten teilen möchten, wandeln Sie ihr Profil unter «Einstellungen» in ein privates Konto um.

    LinkedIn

    • Eine Voreinstellung erlaubt, dass LinkedIn umfassenden Zugriff auf Ihre Daten verfügt. Experten raten, dass Sie unter «Datenschutz & Einstellungen» alle Punkte unter der Reitern «Profil», «Kommunikation», «Gruppen, Unternehmen & Anwendungen», und «Konto» anpassen.

     

     

     

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