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Der Hund – Bester Freund und Versteher

18.01.2017 |
  • Erlebnis

Spielkamerad, Schmusetier, Seelentröster. Gemäss Verhaltensstudien sind Hunde wie unsere evolutionären Geschwister. Eine freundschaftliche Beziehung zu diesen Haustieren hilft uns, emotional ausgeglichener zu sein und ein langes und glückliches Leben zu führen. Es ist erwiesen, dass das Aufwachsen mit einem Hund für Kinder fördernd für die soziale und kognitive Entwicklung ist. Für Kinder mit einer autistischen Wahrnehmung birgt das Zusammenleben mit einem Vierbeiner auch noch weitere Vorteile: Autismusbegleithunde vermitteln Halt und den nötigen Schutz in den täglichen Herausforderungen des Alltags und die Kinder finden im Hund einen geduldigen Zuhörer und treuen Freund.

Autismusbegleithund

Autismusbegleithund

Seit fast 45 Jahren bildet die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil (BL) Blindenführhunde aus und betreut den blinden oder sehbehinderten Führhundehalter mit seinem Hund lebenslänglich. Zudem werden seit 2012 auch Begleithunde für Kinder ausgebildet, die an einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) erkrankt sind. Peter Kaufmann, Leiter der Sparte Autismusbegleithunde und Instruktor, hat das Autismusbegleithundeprogramm während eines mehrjährigen Neuseeland-Aufenthalts kennengelernt und es in Allschwil eingeführt. Über die Jahre hinweg hat der Basler schon viele berührende Geschichten von Freundschaften zwischen Hunden und Menschen miterlebt. Wie zum Beispiel die innige Beziehung zwischen Jonas* und seinem Autismusbegleithund Larry*, welcher dem Jungen praktisch überall zur Seite steht.

Der Labrador darf Jonas auf ausdrücklichen Wunsch der Lehrerin sogar immer bei Mathematik-Prüfungen im Schulzimmer begleiten, damit sich der Junge mit Autismus in dieser herausfordernden Situation wohl fühlt. Ohne seinen vierbeinigen Freund an der Seite würde sich Jonas weniger konzentrieren können und unruhig werden. Der Hund schafft es durch sein offenes und loyales Wesen, Ruhe und Gelassenheit in die Situation zu bringen. Die Erwartungshaltung zwischen Menschen kann sehr hoch sein, der Hund aber stellt keine Erwartungen an Menschen. «Das ist genau das, was Kinder wie Jonas brauchen: Einen Freund, der sie so nimmt, wie sie sind und sie in jeder Situation immer unterstützt und für sie da ist,» erklärt Kaufmann.

 

Hunde belohnen Aufmerksamkeit mit Freude und Zuneigung

Laut des österreichischen Verhaltensforschers und Autors Kurt Kotrschal offenbart sich das Bedürfnis der Menschen nach innigen Tierbeziehungen insbesondere in älteren, alleinstehenden Menschen in grösseren Städten und Familien mit kleinen Kindern. «Das Aufwachsen mit Tieren ist für Kinder eine der wichtigsten Zutaten für eine gelingende körperliche, emotionale, kognitive und soziale Entwicklung. Sowohl Kindern wie auch Erwachsenen helfen gute Beziehungen zu Tieren, emotional ausgeglichener zu leben sowie ein langes und glückliches Leben zu führen,» sagt Kotrschal. Verschiedene Studien haben auch belegt: Hundehalter leben weltweit gesünder als Menschen ohne Hund.

Diese Meinung teilt auch Begleithund-Experte Peter Kaufmann. Menschen, die Haustiere halten – insbesondere Hunde –, verfügen oftmals dank der regelmässigen Bewegung an der frischen Luft über ein gestärktes Immunsystem. Zudem fühlen sie sich von ihren tierischen Freunden wertgeschätzt, da sie die Aufgabe als Hundehalter sehr erfüllen. Die Hunde reagieren immer mit Dankbarkeit und Zuverlässigkeit auf die Hingabe der Menschen. «Hunde belohnen Aufmerksamkeit mit Freude und Zuneigung. Sie sind nicht nachtragend, wenn wir mal in schlechter Laune sind oder nicht mit ihnen spielen wollen. Das macht auch den Erfolg bei den Autismusbegleithunden aus: Sie gehen feinfühlig auf die Kinder und ihre Bedürfnisse ein, achten auf ihre jungen Besitzer und stehen ihnen bei allen Gemütsschwankungen treu zur Seite,» so Kaufmann.

 

Mehr als nur bester Freund

Begleithund von Jonas

Begleithund von Jonas

Auch der Begleithund von Jonas steht ihm immer bei. Egal, wie er sich im Moment fühlt und was er gerade braucht. Oftmals wenn der Junge von der Schule nach Hause kommt, ist er aufgewühlt und angespannt. Denn der Alltag birgt für ihn viele Herausforderungen: Manchmal braucht er einen Freund, der mit ihm rammelt und herumtollt. Manchmal braucht er einen Freund, der mit ihm kuschelt und sich zu ihm gesellt. Larry merkt immer instinktiv, was Jonas braucht und gibt ihm genau das. Diese natürliche Selbstverständlichkeit und wortlose Verständigung hat die Beiden fest zusammengeschweisst und eine dicke Freundschaft ist zwischen dem Jungen und seinem Hund entstanden.

«Wenn Kinder mit einer autistischen Wahrnehmung von ihrem besten Freund sprechen und dabei ganz selbstverständlich ihren Autismusbegleithund meinen, so liegt es wohl auch daran, dass sie zusammen viele tolle Erlebnisse teilen dürfen und nicht befürchten müssen, von ihrem Gefährten enttäuscht zu werden. Wie dieses Vertrauen und die Freundschaft zum Hund eine ganze Familie unterstützen kann und ihnen wieder den nötigen Mut geben, Neues zu wagen, zeigen Erlebnisse wie diese am besten,» erzählt der Spartenleiter Autismusbegleithunde der Schule für Blindenführhunde in Allschwil.

In Jonas’ Fall ist der Hund mehr als nur bester Freund – er ist sein Spielkamerad, Schmusetier und Seelentröster.

 

* Namen von der Redaktion geändert

 

Mehr über Autismusbegleithunde

Ein Autismusbegleithund hilft Familien, einen möglichst normalen Alltag zu führen und das Kind auf ein Leben mitten unter Menschen vorzubereiten. Familien mit Kindern mit Autismus erhalten ihren Hund kostenlos. Die Kosten werden von der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde übernommen und vollständig über Spenden und Legate finanziert. Weitere Informationen auf: Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde