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Die vier wichtigsten Änderungen im Scheidungsrecht

24.08.2017 |
  • Wirtschaft

Am 1. Januar 2017 ist ein neues Scheidungsrecht in Kraft getreten. Raiffeisen Experte Thomas Rütimann* erklärt, was sich geändert hat.

Scheidungsrecht

Scheidungen in der Schweiz: Per 1. Januar 2017 ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, durch welches die Vorsorgegelder gerechter verteilt werden sollen.


Die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei rund 41 Prozent. Neben den persönlichen Folgen hat eine Scheidung auch grosse finanzielle Auswirkungen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Aufteilung der beruflichen Vorsorge, also der Gelder aus der Pensionskasse. Per 1. Januar 2017 ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, durch welches die Vorsorgegelder gerechter verteilt werden sollen: «Jener Ehepartner, der weniger gearbeitet hat, weil er zum Beispiel zu Hause die Kinderbetreuung übernommen hat, wird besser gestellt», sagt Thomas Rütimann, Finanzplaner bei Raiffeisen Schweiz.

 

Der Zeitpunkt ändert sich

«Grundsätzlich werden die Vorsorgegelder immer noch zur Hälfte geteilt», erklärt Rütimann. Bei der Aufteilung gelte neu aber der Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens als massgebend und nicht mehr dessen Ende. «Das verhindert, dass es zu Verzögerungstaktiken des einen oder anderen Ehepartners kommt.»

 

Teilung in jedem Fall

Ebenfalls neu ist, dass die Rente auch dann geteilt wird, wenn einer der Partner bei der Scheidung bereits pensioniert oder invalid ist. «Bisher wurde in diesen Fällen das Vorsorgegeld in einer einmaligen Abfindung ausbezahlt. Die neuen Bestimmungen verhindern, dass ein Ehepartner während der Ehe ohne das Wissen des Anderen Vorsorgegelder bezieht.»

 

Halbe-halbe ist flexibel

Wie aber schliesslich die hälftige Teilung erfolgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Beispielsweise von der Dauer der Ehe und vom Vorsorgebedürfnis der beiden Ehepartner. «Das neue Gesetz ermöglicht in diesem Sinne auch mehr Flexibilität», erklärt Rütimann. «So ist es denkbar, dass ein Ehepartner nach der Scheidung die gemeinsame Wohnung erhält. Dafür verzichtet er auf das ihm zustehende Vermögen aus der 2. Säule» Jedoch müsse die angemessene Alters- und Invalidenvorsorge sichergestellt sein, betont er. «Ob das der Fall ist, überprüft der Richter.»

 

Übergangsregelung für Geschiedene

Für Personen, die sich bereits vor 2017 haben scheiden lassen, gibt es eine Übergangsregelung. «So können sie unter Umständen auch vom neuen Gesetz profitieren. Zum Beispiel, wenn der eine Ehepartner bei der Scheidung bereits eine Alters- oder IV-Rente bezogen hat oder die Entschädigungsrente beim Tod eines Partners erlischt», sagt Rütimann. Betroffene können bis zum 31. Dezember 2017 beim Scheidungsgericht einen Antrag stellen, um die Änderungen nach neuem Recht vornehmen zu lassen.

 

Aber Vorsicht: Nicht in jedem Fall wird man durch die neue Regelung besser gestellt. Lassen Sie sich jetzt beraten.

*Thomas Rütimann ist Finanzplaner beim Kompetenzzentrum Fachberatung, Raiffeisen Schweiz