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Gehackte Konten sind keine Ausnahme

13.11.2017 |
  • Innovation

Am 21. November 2017 findet schweizweit der erste Digitaltag statt. In diesem Zusammenhang referiert Ralf Zeller, Partner der Firma A. Lehmann Elektro AG, im Raiffeisen Unternehmerzentrum Gossau zum Thema «Wir hacken Facebook und Ihr Bankkonto». Im Interview erzählt er, was die Teilnehmer von seinem Referat mit nach Hause nehmen und warum Digitalisierung auch für KMU von sehr hoher Bedeutung ist.

Ralf Zeller, Partner der A. Lehmann Elektro AG
Ralf Zeller, Partner der A. Lehmann Elektro AG, findet, dass zu viele KMU noch an altem Zopf wie dem Faxgerät festhalten.

Was dürfen die Teilnehmer des Digital Day im RUZ Gossau von Ihrem Auftritt erwarten?

In erster Linie möchte ich Firmenverantwortliche auf die Sicherheit rund um IT-Themen sensibilisieren. Und dies ist am wirkungsvollsten, wenn Sicherheitslücken aufgezeigt werden. Deshalb werden wir live demonstrieren, warum das grösste Sicherheitsrisiko für IT-Systeme nach wie vor der Benutzer ist. Die Teilnehmer erhalten von uns aber auch Tipps, wie sie ihre IT-Systeme schützen können.

Ihr Referatstitel provoziert. Haben Sie selbst schon mal ein Bankkonto gehackt?

Ja, aber natürlich ohne kriminellen Hintergrund und immer nur das eigene Bankkonto. Es ist in meinem Job essentiell, dass wir die technischen Möglichkeiten eines Hackers kennen. Nur so können wir wirkungsvolle Schutzsysteme dagegen entwickeln.
 

Was bedeutet für Sie Digitalisierung in Ihrer Arbeit?

Als Firma im Technologiesektor ist die Digitalisierung für uns ein Dauerthema. Einerseits erhalten wir dank der Digitalisierung Zugang zu neuen Märkten. Dadurch können wir auch als KMU über die Region hinaus agieren. Andererseits geht der Wandel sehr rasch, die Zyklen werden immer kürzer. Es ist eine grosse Herausforderung, up-to-date zu bleiben. Grundsätzlich ist unsere Firma aber sehr gut aufgestellt und wir gehen den digitalen Wandel proaktiv an.
 

Wo sehen Sie bei KMU den grössten Nachholbedarf punkto Digitalisierung?

Viele KMU geben der Digitalisierung aktuell noch zu wenig Gewicht. Während junge, dynamische Firmen hier vorwärtsmachen, kommen alte, traditionelle Betriebe in der Entwicklung nicht mit. Das ist insofern nachvollziehbar, da sie bestehende Strukturen ändern und Altlasten beseitigen müssen. Das Beispiel des Faxgeräts zeigt, dass oft an altem Zopf festgehalten wird, der faktisch aber keinen Mehrwert mehr bietet. Darüber hinaus sehe ich bei der IT-Sicherheit massiven Nachholbedarf. Die Schere geht da weit auseinander zwischen Firmen, die sich damit auseinandersetzen, und zwischen jenen, die noch gar nicht in die Sicherheit ihrer IT-Systeme investieren.
 

Welche Erwartungen haben Sie an den Digitaltag, der dieses Jahr erstmalig und schweizweit stattfindet?

Grundsätzlich ist der Digitaltag eine Chance, um auch KMU auf digitale Errungenschaften hinzuweisen. Aber leider ist es häufig so, dass an diesen Anlässen vorwiegend jene Leute anzutreffen sind, die sich sowieso schon mit dem Thema befassen. Ich finde es aber wichtig, dass sich alle KMU mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Sonst wird es für diese Betriebe in den nächsten Jahren schwierig, unabhängig von der Branche.