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Erneuerbare Energien ja – aber bitte «Swiss Made»!

01.06.2018 |
  • Gesellschaft

Was denken Herr und Frau Schweizer über saubere Energie und wie nutzen sie diese zu Hause? Die repräsentative Studie der Universität St. Gallen «Kundenbarometer erneuerbare Energien» erscheint jährlich in Kooperation mit Raiffeisen und gibt Antworten auf diverse Umwelt- und Energiefragen.

Der Klimawandel ist ein grosses Thema, auch bei der Schweizer Bevölkerung. Fukushima, das Pariser Klimaschutzabkommen, die Diesel-Diskussion, aber auch die Energiestrategie 2050 des Bundes dürften alles Gründe sein, wieso sich Schweizer Konsumenten zunehmend besorgt über den Klimawandel und die verkehrsbedingten Emissionen zeigten, erklärt Erol Bilecen, der bei Raiffeisen für die Nachhaltigkeit der Produkte zuständig und dementsprechend Projektmanager für die «Kundenbarometer erneuerbare Energien»-Studie ist.

Piktogramm «Diesel-Fahrverbote in Städten» aus dem Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018

68 Prozent sind für ein Verbot der umweltschädlichsten Dieselfahrzeugen in Städten.

Zum achten Mal bereits befragt die repräsentative Umfrage rund 1'000 Schweizerinnen und Schweizer aus der Deutsch- und Westschweiz im Alter von 15 bis 74 Jahren über ihre Einstellung zu erneuerbaren Energien (also Energie geschöpft aus nachhaltigen Quellen wie Wasserkraft, Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse und Erdwärme). Die diesjährige Studie zeigt unter anderem, dass vor allem die Auswirkungen des Strassenverkehrs auf die Umwelt den Schweizer Konsumenten ein Dorn im Auge sind. Die Mehrheit der Befragten sprechen sich für eine Verkehrseinschränkung aus, da sie sich bessere Luft (52%), gefolgt von weniger Lärm (22%) und mehr Sicherheit für die Kinder (10%) wünschen. Ausserdem sind 68 Prozent für ein Verbot von Dieselfahrzeugen in Städten, wobei sich Frauen stärker für ein solches Verbot einsetzen (73%) als Männer (63%).

So kommt es unter anderem, dass erneuerbare Energien hoch im Kurs sind. Das Umweltbewusstsein der Schweizer und die Einstellung zu Umweltthemen seien grundsätzlich sehr positiv, erklärte der Autor der Studie, Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen, im Interview auf dem Raiffeisen-Blog. «Wo es noch hapert, ist die Umsetzung im praktischen Alltag», so Prof. Wüstenhagen, der als Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen (HSG) tätig ist.

 

Von wo stammt unser Strom, Treibstoff und Wärme?

Die Schweizer Bevölkerung ist umweltbewusst und hat auch sonst zum Thema saubere Energie klare Ansichten: Fast 90 Prozent der Befragten bevorzugen einheimische Stromerzeugung anstelle von Importen. Dies stimmt überein mit der Energiestrategie 2050 des Bundes, die sich unter anderem den systematischen Aufbau einheimischer erneuerbarer Energiequellen als Ziel gesetzt hat. Eine klare Ansage, um im Inland die Innovation zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen, indem das Geld in der Schweiz investiert wird. 

Piktogramm «Unwissen über Importabhängigkeit» aus dem Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018

Nur 7% weiss, dass 75% aus dem Ausland stammt.

Dass aber der Weg noch weit ist, weil momentan noch 75 Prozent der Energie importiert werden, wissen die wenigsten (7%) und unterschätzen somit die starke Abhängigkeit der Schweiz von Auslandimporten. Ein wichtiger Schritt, um den einheimischen Energiemarkt weiter zu fördern, wäre die Installation von zusätzlichen Windprojekten. Die Herausforderungen in der Schweiz sind in diesem Bereich jedoch zweierlei: Erstens die sehr langen Realisierungszeiten, die zum Teil zehn Jahre und mehr dauern, mehr als doppelt so lang wie in anderen europäischen Ländern. Und zweitens scheinen die gesellschaftliche Akzeptanz sowie das Wissen über Windanlagen hierzulange eher klein zu sein.

Schon die Erfahrung mit der Technik scheint Einstellungswandel zu bewirken. So akzeptieren 78 Prozent der Befragten den Bau von Windkraftanlagen, sofern sie schon einmal in der Nähe eines Windparks waren. Bei denjenigen, die das noch nicht waren, liegt die Zustimmung um 13 Prozentpunkte tiefer. Um die Wissenslücke in Umweltfragen zu verkleinern, wären 78 Prozent der Befragten damit einverstanden, dass junge Menschen in den Schulen bereits vertieft über erneuerbare Energien und Klimawandel informiert werden sollten.

 

Innovative Investitionen und nachhaltige Vorsorge gewünscht

Die diesjährige «Kundenbarometer erneuerbare Energien»-Studie gibt auch spannende Einblicke über die Erwartungen der Konsumenten an innovative und nachhaltige Investitionsleistungen. 40 Prozent der Befragten zeigten Interesse an Vorsorgelösungen (Säule 3a), welche in erneuerbare Energie investieren. Vor allem die Generation der unter 30 Jährigen scheint davon angetan (46%), während diese Zahl bei Personen über 59 Jahren auf 29 Prozent sinkt.

Piktogramm «Grüne Pensionskasse» aus dem Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018

46% der Jungen sind an nachhaltigen Vorsorgelösungen interessiert.

Beim Thema Investitionen wurden die Hausbesitzer (62% der Befragten) eingehend über ihre Pläne für Renovationen befragt. 64 Prozent der Immobilienbesitzer gaben an, dass sie allfällige finanzielle Mittel für Photovoltaik-Anlage (PVA) mit Batterie einsetzen würden, gefolgt von Renovation Küche/Bad (64%), Wärmepumpe (61%), Ladestation für Elektroauto (46%), PVA ohne Batterie (37%) und Wellnessanlage (21%). Dass die PV-Anlage mit Batterie an erste Stelle stehe, sei eine sehr erfreuliche Nachricht und zeige das wachsende Interesse der Schweizer Bevölkerung an sauberer Energie, so Erol Bilecen.

«Die neue Studie zeigt, dass sowohl Immobilienbesitzer als auch Mieter nachhaltige und moderne Energieinfrastrukturen wie Solaranlagen bevorzugen. Einerseits wollen die Schweizer Konsumenten zu einer sauberen Energiezukunft beitragen und andererseits schenkt eine solche nachhaltige Infrastruktur ein Gefühl der Unabhängigkeit», erklärt Bilecen. Daher überrascht auch die anhaltende Beliebtheit von bürgerfinanzierten Solarprojekten nicht, die ein Stück Unabhängigkeit versprechen. Interessierte können in diese regionalen Solarprojekte investieren, ohne dabei ein eigenes Dach oder Grundstück zu besitzen. Letztes Jahr waren 61 Prozent der Befragten an einer solchen Beteiligung interessiert, dieses Jahr sind es bereits 63 Prozent.

 

So lässt Raiffeisen die Erkenntnisse in die Kundenberatung einfliessen

Die Resultate der Studie geben wertvolle Einblicke in die Konsumentensicht, die nicht nur auf umweltpolitischer Ebene auf Interesse stösst, sondern auch bei Finanzinstituten wie Raiffeisen. Als drittgrösste Bankengruppe der Schweiz sei es für Raiffeisen von grosser Wichtigkeit, sich mit den Chancen und Risiken erneuerbarer Energien auseinanderzusetzen, sagt Erol Bilecen.

«Die Wahrnehmung der klassischen Rolle der Bank als Finanzintermediär möchten wir abschütteln, denn wir sind mehr als das: Wir können unserer Kundschaft als beratender Partner und Experten in Sachen Umwelt und energetisches Bauen/Modernisieren tatkräftig zur Seite stehen. Wir nehmen die Erkenntnisse dieser Studie sehr ernst und nutzen diese für die stetige Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Und ich kann verraten, dass wir in diesem Bereich sehr viele spannende neue Projekte am Laufen haben, welche auf die aktuellen Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden eingehen», so Bilecen.

 

Infografik Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018
Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018

Ich möchte mehr über die Resultate der «Kundenbarometer erneuerbare Energien 2018»- Studie erfahren:

Hier das 8. Kundenbarometer erneuerbare Energien (PDF, 3.2MB) runterladen.

 

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