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Falschgeld: Erkennen und handeln

10.06.2016 |
  • Wirtschaft

Die Summe der gefälschten Schweizerfranken liegt zwischen 300'000 und 500'000 Franken pro Jahr. Wer möglichst nie mit Falschgeld in Berührung kommen will, der muss ein wachsames Auge haben und einige Tipps beachten. Wir haben Sabine Zeilinger, Sprecherin Bundesamt für Polizei fedpol, zum Thema Falschgeld befragt.

 

Die Nationalbank illustriert auf ihrer Webseite 14 Merkmale von Banknoten, anhand derer eine Fälschung erkannt oder ausgeschlossen werden kann. Welches sind in der Praxis die häufigsten Abweichungen, mit denen Schweizer Falschgeld erkannt wird?

Sabine Zeilinger
Sabine Zeilinger

Über 90 Prozent der in der Schweiz sichergestellten Falsifikate wurden mit Tintenstrahldruckern, die restlichen mit Farblaserdruckern oder Kopierern hergestellt. Diese Art von Falschgeld kann aufgrund weitgehend fehlender Sicherheitsmerkmale leicht als solches erkannt werden. Schon seit Jahren hingegen gibt es keine Sicherstellungen mehr von gefälschten Schweizer Banknoten, die detailgetreu im Offsetdruckverfahren produziert wurden. Für professionell agierende kriminelle Gruppierungen ist die Fälschung von Franken-Noten aus mehreren Gründen unattraktiv. Zum einen sind die Sicherheitsmerkmale sehr aufwendig und schwierig zu kopieren, anderseits ist der Frankenwährungsraum sehr klein. 

Entwickeln Geldfälscher dennoch laufend neue Methoden, welches es für das Fedpol schwieriger machen, Falschgeld tatsächlich zu erkennen?

Die Sicherheitsmerkmale sind wie erwähnt sehr fälschungssicher. Es ist nahezu unmöglich, alle Sicherheitsmerkmale so zu fälschen, dass sie selbst vom Experten nicht mehr als Fälschungen erkannt werden. Das ist aber auch nicht das Ziel der Täter. Ein Täter betreibt mit seiner Fälschung in der Regel genau so viel Aufwand, bis tatsächlich eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht und er die Note in Umlauf bringen kann.

 

Können Sie sagen, wieviel Falschgeld in der Schweiz gegenwärtig im Umlauf ist?

Die Summe der gefälschten Schweizerfranken liegt zwischen 300’000 und 500’000 Franken pro Jahr, was rund 4’500 gefälschten Noten entspricht. Verglichen mit dem durchschnittlichen Volumen von 62 Milliarden Franken, das gemäss Schweizerischer Nationalbank im Umlauf ist, ist der Anteil von Falschgeld sehr klein. In der Schweiz wird auch Falschgeld anderer Währungen sichergestellt. Beim Euro waren es 6’625 Noten im Wert von 362’000 Euro. Für Fälscher von Euro ist die Schweiz ein Transitland. Falsche Euro-Noten werden daher oftmals an den Grenzen entdeckt.

 

Sind Euro-Fälschungen einfacher zu erkennen?

Es kommt drauf an, weil es auch hier grosse Qualitätsunterschiede gibt, mit denen Fälscher ans Werk gehen. Im Gegensatz zum Schweizerfranken gibt es aber professionelle Fälscherwerkstätten, die Euros im Druckverfahren herstellen. Die Verwechslungsgefahr bei diesen Fälschungen ist aufgrund der Druck- und Papierqualität bedeutend höher als bei simplen Fälschungen mit Tintenstrahldrucker. Anhand der Sicherheitsmerkmale können die Falschnoten dennoch auch von Bürgerinnen und Bürgern erkannt werden.

 

Welches sind die schwerwiegendsten Fälle von Geldfälschungen in der Schweizer Geschichte?

Erwähnenswert ist der Fall Mühlematter. Er hatte es im Jahr 1976 geschafft, in einer ausgedienten Druckerei in Mailand eine nahezu perfekte Tausendernote herzustellen. Für dieses Verbrechen kam Mühlematter vier Jahre ins Gefängnis. Mehr als 20 Jahre später tauchte Mühlematter wieder mit einer nahezu perfekten Fälschung einer 1000er-Note auf. Es wurden rund 15’000 Noten des Falschgeldes im Offsetdruck hergestellt. Mühlematter ging der Polizei ins Netz und wurde wiederum zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

 

Drei Tipps zum Umgang mit Falschgeld

  1. Bei Verdacht auf Fälschung raten wir einerseits zum Vergleich mit einer echten Banknote. Prüfen Sie dabei mindestens drei Sicherheitsmerkmale. Besteht immer noch der Verdacht auf Fälschung, lassen Sie die Banknote oder Münze bei einer Bankfiliale oder auf einem Polizeiposten überprüfen.
  2. Kaufen Sie ausländische Währungen im In- und Ausland nur bei Banken oder offiziellen Wechselstuben. Prägen Sie sich Aussehen und die Beschaffenheit der in Banken und Wechselstuben erworbenen echten Banknoten ein. So können Sie allfällige Fälschungen eher erkennen.
  3. Wer wissentlich Falschgeld in Umlauf bringt macht sich strafbar, auch wenn er das Falschgeld nicht selbst hergestellt hat. Wenden Sie sich daher immer an die Polizei, wenn Sie mit Falschgeld in Kontakt kommen.

Quelle: Bundesamt für Polizei (Fedpol)