Zur Übersicht

Ferien: Vorsicht vor Online-Buchungen

29.08.2016 |
  • Wirtschaft

Rund 75 Prozent der Schweizer haben ihre Ferien schon einmal im Internet gebucht. Wer dabei unachtsam vorgeht, kann unliebsame Überraschungen erleben und viel Geld verlieren. Walter Kunz, Geschäftsführer vom Schweizer Reise-Verband (SRV) erläutert im Interview Risiken und mögliche Nebenwirkungen von Online-Reiseportalen.

Wie kann man als Konsument sicherstellen, dass die online offerierten Reiseangebote transparent sind und in Sachen Qualität der Wahrheit entsprechen?

Walter Kunz
Walter Kunz

Walter Kunz: In erster Linie sollte der Kunde darauf achten, dass das ausgeschriebene Reiseangebot über eine Kundengeldabsicherung verfügt. Wir empfehlen deshalb, die Buchung unbedingt auf einem Schweizer Portal zu tätigen. Einerseits, weil das Qualitätsempfinden und die Ansprüche bei uns deutlich höher sind. Der zweite Grund: Sollte mal etwas nicht zur vollen Zufriedenheit ablaufen, hat eine Beanstandung oder gar Schadenersatzforderung viel mehr Aussicht auf Erfolg, wenn der Firmensitz des Anbieters in der Schweiz ist.

Welche Garantien hat man, dass eine online gebuchte Reise tatsächlich stattfindet?

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die Reise von einem seriösen Anbieter angeboten wird. Label wie die des Schweizer Reise-Verbandes sind selbstverständlich ein Qualitätsmerkmal.

 

Welche Indizien sollten Zweifel an der Seriosität der Buchungsplattform wecken?

Wenn man die Marke oder das Unternehmen nicht kennt, sollte man sich vorher ganz genau erkundigen, wem man die schönsten Tage im Jahr anvertraut. Selbstverständlich darf man hierzu auch unseren Verband kontaktieren.

 

Soll man sich im Internet auf Vorauszahlungen einlassen?

Eigentlich sind Vorauszahlungen im Netz üblich. Meist muss sogar der gesamte Betrag der Reise unmittelbar beglichen werden. Dies ist gegenüber dem stationären Vertrieb in den Reisebüros, wo nur eine Anzahlung geleistet werden muss und erst ca. drei Wochen vor Abreise der Restbetrag per Rechnung fällig wird, ein gewichtiger Nachteil.

 

Welche weiteren Fallstricke lauern aus Ihrer Erfahrung im Internet?

Der Konsument muss sich bewusst sein, dass Buchungen von Einzelleistungen direkt beim Leistungsträger immer mit möglichen Risiken verbunden sind. Buche ich beispielsweise einen Flug direkt bei der Airline und verpasse wegen Verspätung oder anderen äusseren Einflüssen meine Rundreise oder das Kreuzfahrtschiff, interessiert das den anderen Leistungsträger herzlich wenig. Er wird für die verpasste Leistung keine Rückerstattung gewähren. Demgegenüber unterstehen die genau gleichen Leistungen bei einer Buchung im Reisebüro dem Pauschalreiserecht, das dem Kunden einen Anspruch auf eine Rückvergütung garantiert.

 

Sprechen wir über die Bezahlung. Wie kann man sicherstellen, dass Kreditkartendaten von Online-Reiseportalen nicht missbraucht werden?

In dem man einen seriösen und bekannten Anbieter wählt.

 

Was muss man zwingend prüfen, bevor man auf einem Hotel-, Airline- oder Ferienportal online seine Kreditkartendaten preisgibt?

Die bekannten Buchungsportale der Reiseveranstalter, Airlines oder auch Hotelbuchungsportale sind eigentlich sicher. Ein Restrisiko für Hackerangriffe besteht jedoch immer. Wichtig ist es deshalb, niemals seinen PIN bekannt zu geben.

 

Gibt es im Schadenfall eine Chance auf Rückerstattung?

Das ist im Einzelfall zu beurteilen. Wenn dem Konsumenten keine Grobfahrlässigkeit nachgewiesen werden kann, sehen die Chancen sicherlich gut aus.

 

Welche Vorteile bietet das Reisebüro gegenüber dem Internetportal?

Im Reisebüro erhält man eine professionelle Beratung mit wichtigen Details wie zum Beispiel Einreisebestimmungen, medizinischen Tipps, notwendige Impfungen etc. Man hat vor, während und nach der Reise einen verlässlichen Ansprechpartner. Sollten während der Reise Unzulänglichkeiten auftreten wie Streiks, verpasste Flüge oder überbuchte Hotels stehen dem Kunden Menschen und keine Buchungsplattformen zur Seite. Ein Callcenter hilft einem selten aus der Patsche.

 

Ist das Reisebüro tatsächlich meistens teurer als das Internet, wie viele Konsumenten glauben?

Das Reisebüro hat im Normalfall Zugriff auf die genau gleichen Preise wie der Konsument im Internet. Meist hilft er dem Kunden sogar Geld zu sparen, indem er ihm gezielt eine andere Reisevariante vorschlägt. Selbstverständlich wird dann ein Beratungshonorar fällig, das allerdings im Verhältnis zum Reisepreis meist marginal ist und sich durch den Mehrwert der Beratung, der Kundengeldabsicherung und vielen Tipps auch für den Kunden rechnet. Ein ganz gewichtiger Vorteil: Das Reisebüro erspart dem Kunden enorm viel Zeit.

Mehr Informationen zum Schweizer Reise-Verband finden Sie auf der Website unter: srv.ch