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Wie sich Beat Feuz und seine Freundin ins Tessin verliebten

20.07.2017 |
  • Erlebnis

Wenn Beat Feuz Ferien macht, gilt eines nicht: Auf der faulen Haut liegen. Also erkundet er das Tessin mit seiner Freundin auf seine Art – nämlich aktiv.

Die Nachmittagssonne spiegelt sich in der Maggia. Die Luft ist heiss und das Wasser noch eisig kalt. Beat Feuz und seine Freundin Katrin Triendl suchen Abkühlung im Fluss. Eine Atempause am Ufer – aber nicht zu lange. Ferien, um dem Nichtstun zu frönen, entsprechen dem Abfahrtsweltmeister und seiner Freundin – selbst eine ehemalige Skirennfahrerin – nicht. «Entspannung gehört auch dazu, aber wir verbringen unsere Ferien am liebsten aktiv», sagt die Österreicherin. Also treten die beiden schon zu Beginn des Tages in die Pedale: Soeben in Airolo angekommen, schlendern sie durch die Auswahl am «Rent a Bike»-Stand und greifen – wie es sich für Sportler nicht anders gehört – zu einem nicht motorisierten Modell. «Radeln», wie Katrin Triendl es nennt, ist auch privat eine Passion der beiden, insbesondere von ihr. «Sie könnte stundenlang mit dem Rennvelo den Berg hoch fahren», sagt Beat Feuz schmunzelnd. Dies wird ihr nun nicht vergönnt sein: Die bevorstehende Strecke nach Biasca führt mehrheitlich abwärts.

 

Ein Stück Dolce Vita erleben

Beat Feuz spielt Golf auf dem Golfplatz in Losone
Beat Feuz auf dem Golfplatz in Losone

Die Mittagssonne brennt vom Tessiner Himmel herab. «Hier schau ich lieber zu», sagt Katrin Triendl lachend und blickt über den Golfplatz in Losone. Sie habe zu Schulzeiten zwar einst die Platzreife erreicht, erzählt sie, seither aber kaum je gespielt. Das löchrige Grün überlässt sie deshalb lieber ihrem Freund: Er ist regelmässig auf dem Golfplatz anzutreffen. Feuz schlägt ab – und trifft mit einer Wucht, die selbst den Golfplatz-Betreibern ein «Wow!» entlockt. Schliesslich lässt er den Ball präzise über das Grün ins Loch rollen. Letzteres übt er sogleich weiter. Als er zum wiederholten Mal das Loch knapp verfehlt, juckt es Katrin doch noch. Sie schnappt sich einen Schläger, geht in Position, stösst den Ball an – und trifft prompt ins Loch. «Geht ja!», sagt sie und lacht.

Ferien zum Schlemmen 

In den Hügeln von Cadenazzo, einem Dörfchen am Fusse des Monte Ceneri, wird das Paar an jenem Abend von Cristina Albertoni freudig erwartet. Sie ist eine von vier Tessiner Landfrauen, die der Aktion Swiss Tavolata angehören: Sie empfängt angemeldete Gruppen in ihrem Zuhause und verwöhnt sie kulinarisch. 

Der Innenhof des typischen Tessiner Anwesens lässt umgehend ein Gefühl von südländischer Leichtigkeit, von «Dolce Vita», aufkommen. Beat Feuz und seine Freundin sind begeistert, kennt der Abfahrer das Tessin doch bislang nur aus einigen Trainingslagern in Tenero. Katrin Triendl ist gar zum allerersten Mal hier. «Es ist wunderschön!», sagt sie und bestaunt die Jahrhunderte alten Gebäude. 

Den Hauptgang servieren Cristina Albertoni und ihr Mann Fabrizio im kühlen Kellergeschoss unter steinernen Mauern. Sie tischt zuerst eingelegtes Gemüse auf, dann ein Braten mit Kartoffelstock. Nicht fehlen darf ein auserlesener Tessiner Wein, den Fabrizio Albertoni für den hohen Besuch – er ist ein grosser Skifan – eigens ausgesucht hat. Ein süsser Nachschlag rundet das Festmahl ab. Beat Feuz greift kräftig zu. Das Sommertraining hat noch nicht begonnen. Und: «Wir Abfahrer dürfen ein Bisschen weniger strikt sein», sagt er und blickt verschmitzt zu seiner Freundin. Sie war Slalom-Spezialistin.

 

Mit Ehrgeiz in die Baumkronen

Beat  Feuz im Parco Avventura in Gordola

Beat Feuz im Parco Avventura in Gordola

Die Morgensonne blinzelt erst scheu durch die Äste, da klettern die beiden Tessin-Neulinge bereits zwischen den Ästen. Es ist kurz nach neun Uhr, erst wenige Besucher tummeln sich im Parco Avventura in Gordola. Paolo Giovannini, der den Seilpark vor Jahren ins Leben gerufen hat, steht auf einer Plattform bei Beat Feuz und Katrin Triendl und instruiert sie. Als Giovannini fragt, ob sie erst noch einfachere Strecken ausprobieren wollen, ertönt es von den Beiden wie aus der Pistole geschossen: «Nein, bitte gleich zu den schwierigen Strecken.» Es ist schliesslich nicht ihr erstes Mal in einem Seilpark, wie sie gleich beweisen: Feuz und Triendl balancieren geschickt auf den Seilen, traversieren komplizierte Übergänge und legen sich zweitweise gar horizontal in die Seile, um zum nächsten Plateau zu gelangen. Sie bewegen sich auf den Seilen beinahe so sicher wie auf ihren Skiern. 

Als Beat Feuz und Katrin Triendl am Nachmittag mit dem Auto nach Bosco Gurin hochkurven, juckt es Katrin erneut. Es ist das höchstgelegene Dorf im Tessin, die Strasse führt 16 Kilometer aufwärts. Oben angekommen, sagt sie: «Die Strecke wär‘ ich jetzt am liebsten mit dem Radl hochgefahren».

 

Abfahrt mal anders

Beat Feuz mit Freundin Katrin beim Monster-Roller-Fahren

«Wer bremst, verliert!» Beat Feuz mit Freundin Katrin beim Monster-Roller-Fahren

Das historische Walser Dorf ist idyllisch auf dem Hügel eingebettet, der Lift am Rande von Bosco-Gurin führt direkt ins Skigebiet. Beat Feuz und seine Freundin setzen sich auf einen Sessel und bestaunen das Panorama. Skilifte kennen sie nur allzu gut. Was sie oben erwartet, hingegen noch nicht: Trottinetts mit überdimensionalen Rädern, sogenannte Monster-Roller. Beat Feuz schnappt sich umgehend ein Gefährt, testet die Bremsen, stösst sich einige Male mit dem Fuss ab und blickt dem Tal entgegen. «Das ist also Downhill mal anders», spottet er. Nun steht auch Katrin Triendl neben ihm, den Helm aufgesetzt, die Hände auf dem Lenker platziert. «Wer bremst, verliert!», ruft sie und fährt los. Feuz und Triendl brausen talwärts. Der steinige Untergrund schüttelt ihre Arme, die sich fest um den Lenker klammern, und lässt den ganzen Körper vibrieren. 

Nach einer halben Stunde erreichen sie die Talstation. Beat Feuz und Katrin Triendl ziehen den Helm aus, geben die Monster-Roller retour und schlendern Richtung Dorf. Zumindest für diesen Abend soll noch ein wenig Gemütlichkeit einkehren. Und das Tessin? Das hat es den beiden angetan. Für Katrin Triendl ist klar: «Einmal und immer wieder!»