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Freunde in der Ferne

16.11.2016 |
  • Erlebnis

Freundschaftsforscher sind der Meinung, dass Menschen viele Gemeinsamkeiten haben müssen, um eine Freundschaft aufrechterhalten zu können. Aber nicht nur Gemeinsamkeiten schweissen uns zusammen. Genauso wichtige Erfolgsfaktoren für eine dauerhafte freundschaftliche Beziehung sind Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Vertrauen, ein gutes Gefühl – und Zeit. Eine enge Beziehung kann nur aufgebaut und bewahrt werden, wenn man sich dafür genügend Zeit nimmt. Aber was ist, wenn gute Freunde am anderen Ende der Welt leben? Ganz einfach: Dies muss noch lange nicht das Ende der Welt bedeuten!

 

Wirklich gute Freunde müssen nicht unbedingt im gleichen Dorf wohnen, zur gleichen Schule gehen oder Mitglied im gleichen Verein sein. Freunde fürs Leben kann man überall auf der Welt finden. Maria Bassi von AFS, der grössten Non-Profit-Organisation für interkulturellen Austausch in der Schweiz, beobachtet dies immer wieder: «Unsere Austauschschüler finden eigentlich immer Freunde während den sechs bis 11 Monaten, welche sie in einem fremden Land verbringen. Dadurch, dass sie sich voll in ein neues Leben in einem neuen Umfeld stürzen, finden die meisten schnell Anschluss – und viele dieser Freundschaften halten ein Leben lang.»

Freunde

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Kulturelle Unterschiede als positive Denkanstösse

Als Beispiel erzählt uns Maria Bassi die Geschichte von Ingrid Buol-Fontana, die vor mehr als 40 Jahren als erste AFS-Austauschstudentin aus dem Kanton Graubünden ein Jahr bei einer Gastfamilie in Kansas, USA, verbrachte. Einige Erlebnisse wird Ingrid Buol-Fontana wohl nie vergessen – wie beispielsweise als sie das erste Mal mit ihren amerikanischen Freundinnen schwimmen ging. In ihrem Bikini fiel die Bündnerin komplett aus der Reihe. Der Modetrend Bikini hatte es damals noch nicht nach Kansas geschafft und sie fühlte sich in ihrem Zweiteiler völlig deplatziert. Es fiel ihr nicht schwer, sich den örtlichen Regeln anzupassen, und von da an wieder – genau wie ihre Freundinnen – einen einteiligen Badeanzug beim Schwimmen zu tragen. Auch wenn diese Erinnerungen für sie immer noch sehr lebendig sind, so sind es doch die Beziehungen, die ihr am meisten bedeuten – vor allem die Freundschaft, die sie mit ihrer amerikanischen Gastfamilie verbindet. Die diversen kulturellen Unterschiede zwischen der Schweiz und Ingrid Buol-Fontanas Gastheimat konnten diese Freundschaft in keiner Weise schmälern. Dank regelmässigen gegenseitigen Besuchen konnten die wertvolle Freundschaft bis heute am Leben erhalten werden.

Auf die Frage, ob eine unterschiedliche Herkunft unter Freunden eine Rolle spiele, meint die AFS-Koordinatorin Maria Bassi: «Klar, kulturelle Unterschiede spürt man auch unter echten Freunden. Allerdings bieten sie dort kein Grund für Streit, sondern sind vielmehr als Denkanstösse zu verstehen, über das man auch mal lachen kann. Freundschaft kann kulturelle Grenzen überwinden und uns gleichzeitig dabei helfen, andere uns unbekannte Menschen vielleicht besser zu verstehen.»

 

Wie kann man die Distanz überstehen?

Alle Beziehungen zu unseren Freunden müssen gepflegt werden – egal ob die Freunde im gleichen Ort wohnen oder auf einem anderen Kontinent. Entfernung kann zwar als Hindernis wahrgenommen werden, muss aber nicht der Grund für das Aus oder Nichtentstehen einer (Fern-) Freundschaft bedeuten.

Fühlen wir mit diesem im Ausland lebenden Freund eine Verbundenheit, die weit tiefer geht als die flüchtigen Gemeinsamkeiten eines geteilten Alltags mit einem Bekannten – dann muss man alles daran setzten, dass diese Beziehung gehegt und gepflegt wird. Und wie geht dies am besten? Hier sind ein paar Tipps zur Distanzüberbrückung:

 

  • Nähe schaffen dank Instant Messenger: Kurz einen Schnappschuss vom verschneiten Vorgarten schicken, sich am Morgen spontan einen schönen Tag wünschen oder sich ein gerade erlebtes Ereignis per Sprachnachricht erzählen. Kurz: Nicht aufhören, die Fernfreunde am normalen Alltag teilhaben zu lassen.

     

  • Regelmässige Telefon-Dates vereinbaren: Auch wenn WhatsApp und Co. sehr praktisch für den kurzen Kontakt sind, ausgiebige Gespräche können diese Kurznachrichten nicht ersetzen. Heutzutage kann man die Telefonate auch kostenlos und mit Videofunktion durchführen. Wieso also nicht die Freundin aus Südafrika zu einem virtuellen Kaffeeklatsch einladen?

     

  • Vergiss mein nicht: Gute Freunde erinnern sich an Geburtstage, Jubiläen oder andere bedeutende Ereignisse des anderen. Eine Gratulation vermittelt, dass man an ihn gedacht hat und ist ein Zeichen der Wertschätzung.

     

  • Die einzige Konstante ist die Veränderung: Auch bei Freundschaften – vor allem, wenn man sich nicht regelmässig sieht. Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Daher: Freuen Sie sich über die Male, die Sie voneinander hören und schätzen Sie die Zeit, die Sie miteinander haben.

     

  • Vorfreude ist die beste Freude: Wiedersehen planen – wie wär’s, wenn man sich mal in der Mitte treffen würde? Wenn man die Fernfreunde endlich zu Gesicht bekommt, ist das ein Ausnahmezustand, der zusammenschweisst und die Freundschaft (noch) lebendiger macht.