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Hackathons, die hoch effizienten Innovationsevents

23.02.2018 |
  • Innovation

Hackathons erfreuen sich grosser Beliebtheit – auch in der Schweiz. Jonathan Isenring, Gründer des HackZurich und Geschäftsführer des Digital Festivals, über effiziente Innovation.

Jonathan Isenring, Gründer des HackZurich und Geschäftsführer des Digital Festivals

Jonathan Isenring, Gründer HackZurich und Geschäftsführer des Digital Festival

Ich empfehle KMU, sich an einem der bestehenden Hackathons zu engagieren. Sie bekommen dadurch Zugang zu den besten Entwicklern, die in kürzester Zeit eine Lösung für ein Problem finden. Und das alles aus Kundenperspektive.

 

Anina Torrado Lara: Was ist ein Hackathon?

Jonathan Isenring: Das Wort setzt sich zusammen aus Hacker und Marathon und bezeichnet einen Event, an dem Softwareentwickler die Köpfe zusammen stecken und während 30 bis 48 Stunden non-stop an digitalen Lösungen und Prototypen für konkret existierende Problemstellungen von Unternehmen herumtüfteln.

 

Wie kommen die Hacker zu den Problemstellungen?

Die werden von den Unternehmen selbst als sogenannte Challenges formuliert und dann den Hackers vorgestellt. Danach schnappt sich jeder, was ihn reizt – und legt los, oftmals in Teams.

 

Warum machen Hacker das?

Diese Frage war Gegenstand meiner Master-Arbeit. Fazit: Geld und die Aussicht, einen Preis zu gewinnen, interessieren diese Leute nicht gross. Es ist die Tatsache, dass sie da auf Gleichgesinnte treffen, sich mit ihnen zusammenschliessen oder messen können, die zählt. Diese Leute haben Spass und lernen jedes Mal viel dazu.

 

Hackathons sind ein Paradies für Firmen, um IT-Talente zu rekrutieren.

Dass Unternehmen nach dem Event ein Mandat oder einen Job anbieten, kommt immer wieder vor. An Hackathons ist eine geballte Ladung Talent, Know-how und Leidenschaft versammelt. Das sind alles Cracks. Ich rate Unternehmen daher dazu, dass sie nicht Leute aus der Personalabteilung an einen Hackathon schicken, sondern ihre besten Entwickler, die sich mit den Hackern dann auch in der Sache selbst austauschen und diese qualifizieren können.

 

Wie viele Ideen, die an einem Hackathon entstehen, werden auch umgesetzt?

Hackathon ist nicht gleich Innovation. Ein Hackathon gibt Anstösse, neue Perspektiven, zeigt Trends auf. An sogenannten Business-Hackathons, an dem nicht nur Softwareentwickler an einem Thema herumdenken und tüfteln, sondern Leute mit den ganz unterschiedlichsten Erfahrungen, Talenten und Hintergründen, entstehen erfahrungsgemäss meist erstaunliche Innovationsideen.

 

Und wie wird aus einer Innovationsidee eine Innovation?

Jede Idee, die in einem Business-Hackathon entsteht, muss überprüft werden: War sie schon einmal angedacht? Falls ja, sind die Erfinder einzubeziehen und es ist ihnen Zeit zu geben, ihre Idee weiterzuentwickeln. Wichtig ist, dass Entscheidungsträger involviert sind, schliesslich muss ja irgendwann auch ein Budget für die Weiterentwicklung eines Projekts gesprochen werden.

 

Ein Beispiel für eine Lösung, die am HackZurich ausgeheckt worden ist?

Scan & Go. Man kann mit dem Smartphone Produkte am Kiosk scannen und dann einfach herauslaufen. Es ist entwickelt worden für Valora und wird derzeit am Hauptbahnhof in Zürich getestet.

 

Sie veranstalteten den HackZurich 2017 zum dritten Mal. Wie hat sich der Event entwickelt?

Am ersten HackZurich 2014 waren vor allem amerikanische Firmen als Partner dabei. Um Schweizer Unternehmen an den Hack zu holen, musste ich richtiggehend missionieren. Der Aufwand hat sich gelohnt.

 

Womit überzeugen Sie?

Indem ich die Skeptiker zu Beteiligten mache und sie einlade, sich selbst davon zu überzeugen, wie toll die Energie ist, die an einem solchen Event entsteht. Unternehmen nehmen an Hackathons teil, um neue Horizonte zu öffnen, kreative Ideen und eine Aussenperspektive zu gewinnen. Wer das miterlebt hat, den muss ich nicht mehr überzeugen.

 

Der grösste Vorbehalt?

Viele scheuten den Aufwand. Um von einem Hackathon profitieren zu können, muss Zeit in die Vorbereitung investiert werden. Viele haben mittlerweile aber verstanden, dass sich mit seriöser Vorarbeit ein Hackathon für sie massschneidern lässt. Inzwischen nutzen renommierte Unternehmen wie ABB, Bühler, Microsoft und Raiffeisen die Plattform, um Innovationen zu entwickeln.

 

Ist ein Hackathon auch etwas für KMU?

Gewiss, entweder indem sie an einem Hackathon teilnehmen oder selber einen veranstalten. Teilnehmen ist für ein KMU höchst effizient: Hier bekommen sie Zugang zu einem Pool mit den besten Entwicklern – am HackZurich mehr als 550 selektiert aus 5'000 Bewerbungen – und zugleich eine Kundenperspektive. Die Teilnahme kostet zwischen 7‘500 und 25‘000 Franken je nach Grösse und Qualität der Plattform einerseits und Präsenz vor Ort andererseits.

 

Jonathan Isenring, Gründer des HackZurich und Geschäftsführer des Digital Festivals
Jonathan Isenring hat an der Uni Zürich Betriebswirtschaft studiert. 2014 hat er den HackZurich mitbegründet und als grössten Hackathon Europas etabliert. Er ist zudem eines der Zugpferde beim Digital Festival und Geschäftsführer des Pioneer’s Club.

Wie sieht es aus bezüglich Return on Investment?

Wie bei allen unternehmenskulturellen und innovativen Massnahmen kommt man auch im Fall von Hackathons mit klassischen Kennzahlen nicht weiter. Was ich weiss: Hackathons verändern das Klima in einem Unternehmen, schweisst Mitarbeitende zusammen und motiviert zu echtem Engagement. Die Leute sagen sich: Warum nicht melden, wenn ich eine Idee habe, ich werde ja gehört!