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Was Sie laut Hirnforschern zu einer guten Führungsperson macht

05.04.2018 |
  • Unser Unternehmen

Wir handeln meist emotional und unvernünftig, ist der Hirnforscher Prof. Dr. Lutz Jäncke überzeugt. Keine guten Voraussetzungen als Führungsperson. Wie Sie Ihre Muster durchbrechen können.

 

Ist das Gehirn eigentlich vernünftig? Nein ist es nicht – davon ist der langjährige Hirnforscher, Lehrstuhlinhaber für Neurowissenschaften an der Universität Zürich und Buchautor Prof. Dr. Lutz Jäncke überzeugt. Einerseits, weil oftmals Emotionen unsere Entscheidungen steuern, zum Beispiel die Angst vor Misserfolgen und Versagen. In den allermeisten Fällen nämlich entscheiden wir unbewusst und damit von unseren Emotionen geleitet.

Andererseits ist das Gehirn laut Jäncke auch deshalb unvernünftig, weil unsere Wahrnehmung trügerisch ist: Unser Gehirn fokussiert seine Aufmerksamkeit nur auf einen kleinen Teil der Information. Der Rest wird von unserem Hirn einfach interpretiert – und zwar zumeist nach unserer eigenen kulturellen Erfahrung.

Um zu Entscheidungen zu gelangen, machen wir uns deshalb Daumenregeln. Etwa, dass wir die für uns offensichtliche Information für absolut halten. Und dabei häufig ausser Acht lassen, dass wir womöglich einen wichtigeren Teil gar nicht wahrnehmen. Jäncke nennt den politischen Wahlkampf als Beispiel, bei dem wir mit geschickt platzierter Werbung im Internet beeinflusst werden: Je häufiger wir etwas hören, desto wichtiger erscheint es uns und beeinflusst unsere Entscheidungen stärker.

Daumenregeln können aber auch ganz simple Stereotypen sein. Zum Beispiel, dass ältere Mitarbeitende angeblich weniger leisten, junge dagegen zu übermütig seien und die Frauen schlecht verhandeln könnten. Die meisten solcher Urteile werden völlig unbewusst gefällt – so wie mehr als 90 Prozent unserer Entscheidungen, die wir täglich treffen.

Als Führungsperson können diese unvernünftigen, unbewussten Entscheidungen hinderlich sein. Ebendiese Muster können wir laut dem Hirnforscher nur durchbrechen, indem wir sie uns bewusst machen. Wenn wir dies immer wieder tun, werden sie automatisiert und damit zu unbewussten Entscheidungen. Für eine erfolgreiche Teamführung rät Lutz Jäncke deshalb folgendes:

 

«Umgeben Sie sich mit möglichst unterschiedlichen Menschen.»

«Diversity» ist das Wort der Stunde. Es lässt sich aber nicht nur mit politischer Korrektheit begründen, sondern auch mit reiner Hirnforschung: Je mehr unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, desto mehr bewusst und unbewusst wahrgenommene Information kommt zusammen – und desto bessere Lösungen und Entscheidungen kommen damit zustande. Ein Team bestehend aus verschiedenen Kulturen, Geschlechtern und Generationen ist aus Sicht der Hirnforschung deshalb ideal.

 

«Vermeiden Sie Zeitdruck.»

Unter Zeitdruck zu arbeiten ist eines der schwierigsten Probleme für unser Gehirn. Zwar werden Piloten dahingehend trainiert, um unter grösstem Zeitdruck mit grösster Verantwortung zu arbeiten. Bei den meisten anderen Branchen sei diese Automatisierung unter Stress aber sinnlos und sogar schädlich, wie Jäncke betont: «Wir müssen Ruhe bewahren. Denn: Zeitdruck verhindert vernünftige Entscheidungen.»

 

«Bleiben Sie neugierig.»

Der Mensch verfügt von Natur aus über eine grosse Neugierde. Doch wir brauchen die Möglichkeit, diese auch entfalten zu können, um die oben genannten Muster zu durchbrechen. «Sonst kehrt Langeweile und Demotivation ein.»

 

«Meiden Sie nicht Misserfolge, sondern suchen Sie Erfolge.»

«Wer versucht, lediglich Misserfolge zu meiden, wird extrem niedrige Ziele anstreben», sagt Lutz Jäncke. Wer dagegen Erfolge sucht, der strebt hohe Ziele an. Und dies wiederum geht nur aus einer inneren Motivation heraus, so der Hirnforscher. Mitarbeitende sind laut ihm nämlich nur dann motiviert, wenn sie auch den Sinn in ihrer Arbeit sehen.

 

«Arbeiten Sie an Ihrer Persönlichkeit!»

Eine gefestigte Persönlichkeit bringt Stärke und Selbstsicherheit – nicht aber Überheblichkeit, ist der Hirnforscher überzeugt. «Dies wiederum bringt eine ganz neue Ausstrahlungskraft, die dabei hilft, Leute mitzureissen und zu begeistern», so Lutz Jäncke. «Wir müssen uns deshalb immer wieder selbst hinterfragen: Welche Informationen glaube ich, zu haben? Wie bilde ich mich? Welches sind meine Stereotypen? Was leitet meine Entscheidungen?» All dies hilft laut Lutz Jäncke, seinen Charakter zu festigen: «Bereits das Bewusstmachen dieser Umstände leitet eine Veränderung ein.»