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«Klimastiftung Schweiz müsste noch mehr Projekte fördern können»

11.07.2018 |
  • Gesellschaft

Die Klimastiftung Schweiz mit ihrem Motto «Klima schützen. KMU stärken.» feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung über 1'400 kleine und mittlere Unternehmen bei rund 2'500 Projekten mit insgesamt 18 Millionen Franken Förderung für Energieeffizienz und Klimaschutz unterstützt und rund 580'000 Tonnen CO2 eingespart.

Ein Mann nimmt eine Handvoll Holzschnitzel von einem Holzschnitzelhaufen.

KMU, die mit Holzschnitzeln aus nahe gelegenen Wäldern heizen, können einfach CO2 sparen. Die Klimastiftung Schweiz hilft mit, den Wechsel auf eine ökologische Heizung zu finanzieren. – Quelle maxcomm

Für weniger Energieverbrauch – dafür setzt sich die am 4. Juli 2008 gegründete Klimastiftung Schweiz ein. Sie kommt damit auch dem Willen des Schweizer Stimmvolkes bei der Abstimmung zur Energiestrategie 2050 entgegen. Seit zehn Jahren engagiert sich nun die Klimastiftung Schweiz für den Klimaschutz und für starke KMU in der Schweiz und in Liechtenstein. «Unser Modell funktioniert», ist Gabriele Burn überzeugt. Dies lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Die eingesparten Tonnen CO2 entsprechen in etwa dem Ausstoss von 500‘000 Kleinwagen (Benziner, Verbrauch 5 Liter, 10‘000 km pro Jahr) in einem Jahr. Die Bankexpertin präsidiert die Klimastiftung Schweiz seit ihrer Gründung. Wir haben mit ihr eine Bilanz gezogen.

 

Portraitbild von Gabriele Burn, GL-Mitglied von Raiffeisen Schweiz und Leiterin des Departements Niederlassungen & Regionen.

Gabriele Burn ist seit zehn Jahren in der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz und leitet das Departement Niederlassungen & Regionen. – Quelle maxcomm

10 Jahre Klimastiftung Schweiz: Ein Grund zur Freude, auch für Sie als Präsidentin?

Gabriele Burn: Ja, es erfüllt mich mit Stolz, dass ich meinen Teil bei dieser wichtigen Stiftung beitragen darf.

 

Was hat Sie in den letzten 10 Jahren in Ihrer Tätigkeit als Präsidentin am meisten gefreut?

Als Finanzexpertin habe ich immer mit abstrakten Produkten und nackten Zahlen zu tun. Dank der Tätigkeit bei der Klimastiftung Schweiz kann ich meinen Beitrag zur Verbesserung der Reduktion der Treibhausgase leisten. Das freut mich und motiviert mich gleichermassen.

 

Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Die Projekte sind immer so gut wie die Personen, die sie entwickeln und umsetzen. Ich könnte Dutzende von Projekten nennen, die mich überzeugt haben. Ein aktuelles Beispiel: So hat die Luzerner Firma Good Soaps ein erstes palmölfreies Waschmittel auf Basis europäischer Pflanzenöle auf den Markt gebracht.

 

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  • Drei Packungen vom pflanzlichen Waschmittel ohne Palmöl von der Firma Good Soaps.
    Ein aktuelles Beispiel: Die Luzerner Firma Good Soaps hat ein erstes palmölfreies Waschmittel auf Basis europäischer Pflanzenöle auf den Markt gebracht. – Quelle maxcomm
  • Regine Schneider, die Entwicklerin des pflanzlichen Wachmittels ohne Palmöl, hält eine Probe des Waschmittels hoch.
    Regine Schneider hat das pflanzliche Waschmittel ohne Palmöl entwickelt. Das Rezept ist geheim. – Quelle maxcomm
  • Eine Packung Good Soap Waschmittel in einem mit Kleider befüllten Wäschekorb auf einem Balkon in Luzern.
    Die Klimastiftung Schweiz unterstützt Good Soaps finanziell, da die CO2-Bilanz dieser Waschmittel viel besser ist als diejenige von anderen pflanzlichen Waschmitteln. – Quelle maxcomm
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    Was hat Ihre Freude getrübt?

    Immer wieder wird mir aufs Neue vor Augen geführt, vor welchen grossen Herausforderungen unsere Wirtschaft beim Thema Klimawandel steht. Wir müssten noch viel mehr Projekte fördern können. Doch dazu fehlen der Klimastiftung Schweiz die finanziellen Mittel und weitere Partnerfirmen.

     

    Ist es denn so schwer, neue Partnerfirmen zu finden?

    Jede Firma setzt ihre Prioritäten unterschiedlich. Für die einen ist das Thema Klimawandel nicht vordergründig, andere bieten eigene Programme. Die Stärke der Klimastiftung Schweiz beruht darauf, die Ressourcen gemeinsam zu «poolen» und gemeinsam zu bewirtschaften.

     

    Wie nimmt denn die Öffentlichkeit die Klimastiftung Schweiz wahr resp. wie bekannt ist sie?

    Die Klimastiftung Schweiz hat sich national bei Fachberatern, Industrieverbänden und Kantonen etabliert. Sie ergänzt vielfach bestehende Programme von Bund, Kantonen oder Gemeinden. In Anbetracht des geringen Mitteleinsatzes für die Kommunikation sind wir mit dem Bekanntheitsgrad sehr zufrieden.

     

    Warum fokussieren Sie bei Partnern auf den Finanzbereich?

    Die CO2-Rückvergütung an die Unternehmen in der Schweiz und in Liechtenstein erfolgt prozentual über die AHV-Lohn-Summen. Alle Dienstleistungsunternehmen weisen tendenziell einen überschaubaren Verbrauch an Brennstoffen im Verhältnis zu ihren Angestellten auf, weshalb sie von diesem System des Bundes profitieren. Grundsätzlich ist aber jedes Unternehmen willkommen.

     

    Neu fördert die Klimastiftung Schweiz auch die Verjüngung des Waldes – wie kam dies dazu?

    Wir sind vom Bundesamt für Umweltschutz angefragt worden, ob wir auch etwas für die Wälder machen könnten, die heute nicht wirtschaftlich genutzt werden können. Es geht um die Waldpflege in schwer zugänglichen Waldgebieten, um das Ökosystem in einem optimalen Zustand für die Kohlenstoffbindung zu halten und so zu verhindern, dass die Wälder überaltern, instabil werden und bei ihrem Zusammenbruch zu einer CO2-Quelle werden.

     

    Dem grossen Einsatz der Klimastiftung Schweiz zum Trotz: die Klimaerwärmung schreitet weiter voran …

    Dem ist leider so. Ende Juni 2018 wurden weltweit an vielen Orten erneut Rekordtemperaturen gemessen. Der Klimawandel ist global. Die Klimastiftung Schweiz trägt sicher zur Reduktion der Emission von Treibhausgasen bei, doch gibt es noch immer viel zu wenige Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Schweiz und weltweit. Zudem fehlt es oft auch am politischen Willen – angesichts der Fakten und Risiken unverständlich.

     

    Sie sind auch in der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz: Was unternimmt Raiffeisen, um die Ziele der Energiestrategie des Bundes zu erreichen?

    Die Raiffeisen Gruppe hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 ihren CO2-Ausstoss um 30% zu reduzieren. Dazu setzen wir auf ein Anreizsystem im Bankbetrieb mit über 50 Massnahmen für unsere selbstständigen Genossenschaftsbanken. Der Fokus liegt dabei auf der Gebäudeenergie – Strom und Wärme – in unseren Geschäftsstellen und dem Geschäftsverkehr. Darüber hinaus treiben wir auch das energetische Modernisieren im Immobilienpark Schweiz voran und unterstützen unsere Kunden in der energetischen Beurteilung ihrer Liegenschaften.

     

    Welche Anreize bieten die Raiffeisenbanken, um auch ihre Kunden in diesem wichtiger werdenden Thema zu unterstützen?

    Als erste und aktuell einzige Bank in der Schweiz haben wir die energetische Immobilienbewertung systematisch in die Wohneigentumsberatung integriert. Dabei zeigen wir einen allfälligen Investitionsbedarf auf und können Sanierungsszenarien simulieren und unsere Kunden umfassend beraten. Rund 10‘000 energetische Bewertungen belegen die zunehmende Bedeutung des Themas.

     

    Dazu ist Raiffeisen auch noch exklusiver Partner des Gebäudeausweises der Kantone.

    Exakt, damit stellen wir die fachliche Kompetenz sicher und unterstützen unsere Kunden finanziell bei der Erstellung des nationalen Gebäudeenergieausweises. Nicht zu vergessen ist, dass eine energetische Modernisierung nicht nur die Energiekosten reduziert und den Wert der Immobilie erhält – sie steigert massgeblich den Wohnkomfort.

     

    Wie funktioniert die Klimastiftung Schweiz?

    Meeting-Situation mit Logo Klimastiftung Schweiz im Hintergrund.

    Die Klimastiftung Schweiz legt Wert auf einfache Anträge und effiziente Abläufe. – Quelle maxcomm

    Die Stiftung bezweckt die direkte und indirekte Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie die Verbesserung der Energieeffizienz in der Schweiz und in Liechtenstein. Sie unterstützt diesbezügliche Forschungsvorhaben und nachhaltige Klimaschutzmassnahmen mit besonderem Fokus auf Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Die Stiftung verfolgt weder Erwerbs- noch Selbsthilfezwecke.

    Die Partnerfirmen der Klimastiftung Schweiz spenden den Überschuss aus der CO2-Lenkungsabgabe nach dem Motto «von der Wirtschaft für die Wirtschaft» und zugunsten des Klimas und der KMU in der Schweiz und in Liechtenstein. Die Stiftung unterstützt KMU mit bis zu 250 Mitarbeitenden, die ihren Fussabdruck reduzieren, Strom sparen, und klimafreundliche Produkte entwickeln. Sie fördert KMU gezielt mittels Anschubfinanzierungen. Mit dem Antragsprozess über die Website und einer effizienten Abwicklung ist es leicht, Mittel zu beantragen.

     

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