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Kryptowährungen: Bald kein Spielzeug mehr?

25.10.2018 |
  • Innovation

Zahlen kann man mit Bitcoins und Co. erst in wenigen Geschäften. Doch Kryptowährungen werden unseren Umgang mit „Wert“ (Geld, Währungen) in Zukunft prägen. Davon können auch KMU profitieren. 

Ein Blockchain-Netzwerk.

Revolution oder Hype? Ein Blockchain-Netzwerk.

Seit Jahren halte ich aus Interesse ein kleines Portfolio an Kryptowährungen. Wie viele andere habe ich mich im vergangenen Jahr geärgert, nicht mehr in Bitcoins investiert zu haben. Innert weniger Monate schnellte der Kurs um das Fünfzehnfache hoch. Ich hätte aber auch rechtzeitig verkaufen müssen: Anfang 2018 brach der Kurs wieder um mehr als die Hälfte ein. Kryptowährungen sind zumindest was deren Wert betrifft offensichtlich angekommen – es wird spannend sein, ob sich hinter diesen kurzfristigen, spekulationsgetriebenen Schwankungen eine Umwälzung unseres Geldwesens anbahnt.

Neben Bitcoin existieren inzwischen rund 1‘500 andere Kryptowährungen – Tendenz steigend. Sie alle verbindet eine revolutionäre Technologie: Blockchain, eine Art nicht manipulierbares Kontobuch. Jede Transaktion in der betreffenden Währung wird in der Transaktionskette (Blocks) gespeichert. Danach kann sie von allen Teilnehmern des Netzwerks eingesehen und nicht mehr verändert werden. Fälschungen und die Vertuschung von Geldströmen sind so ausgeschlossen. Aus diesem Grund brauchen Kryptowährungen keine Bank, welche eine sichere Transaktion garantieren. Die Privatsphäre ist trotzdem gewährt: Jede Zahlung erfolgt an eine anonyme, nach dem Zufallsprinzip erstellte elektronische Adresse. 

Stefan Jeker, Leiter des RAI Lab.

Stefan Jeker ist Leiter des RAI Lab. Er erforscht Trends, Technologien. und entwickelt künftige Geschäftsmodelle.

Bis vor kurzem waren Kryptowährungen kaum mehr als ein Spielzeug für Tech-Freaks. Im vergangenen Jahr wuchs ihr Volumen laut dem Fachportal «Coinsschedule» jedoch auf über 2‘000 Milliarden Dollar. Zwar bildet diese Zahl keinen realen Wert ab – in erster Linie handeln Spekulanten mit Kryptogeld. Doch langsam fassen Bitcoin und Co. auch in der Realwirtschaft Fuss (siehe Beispiele unten). Für KMU kann das interessant sein. Schliesslich kann man mit Kryptowährungen weltweit und rund um die Uhr zahlen – zumindest in der Theorie.

In der Praxis sind Blockchains noch langsam. Bitcoin etwa schafft nur wenige Transaktionen pro Sekunde, heutige Kreditkartensysteme hingegen zehntausende. Getätigte Zahlungen kann man zudem nicht mehr rückgängig machen – der Empfänger bleibt im Prinzip anonym. Eine der ganz grossen Kritikpunkte ist im Weiteren der massive Energieverbrauch von Rechnern, welcher für Verschlüsselungsoperationen zur Validierung der Blockchains benötigt wird. Nicht zuletzt ist die Aufbewahrung der Guthaben die Achillessehne der Kryptowährungen. Die Blockchain sichert zwar den Handel. Verliert man jedoch den elektronischen Schlüssel zu seinem Guthaben, etwa durch Viren oder einen Hackerangriff, ist der Zugang zum Wert weg. Aus diesem Grund ist Vertrauen und eine sichere Aufbewahrung auch in der Krypto-Welt notwendig – vielleicht eine Chance für Banken, die dadurch zum digitalen Tresor werden könnten. 

Stefan Jeker schaut vom Roten Platz in St.Gallen in die Zukunft.

Stefan Jeker schaut für uns in die Zukunft der Kryptowährungen.

Stefan's liebste Krypto-Projekte

Krypto-Wallet von Raiffeisen 

Das RAI Lab, das Zukunftslabor von Raiffeisen, experimentiert aktuell mit einem „Wallet“ für Krypto-Guthaben. Diese digitale Brieftasche soll Kunden – ähnlich dem E-Banking – über Transaktionen und Kontostand informieren. Vor allem aber soll sie den elektronischen Schlüssel und die Zugangsdaten zum Guthaben in den Blockchains der Kryptowährungen vor Verlust sichern.

 

Bitcoins für Kaffee

Bitcoinbusiness  ist das grösste Verzeichnis von Schweizer Firmen, die bereits heute Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Darunter sind Grossunternehmen wie die SBB, an deren Ticketautomaten man Bitcoins auch beziehen kann, aber auch ein Coiffeur sowie Cafés, Hotels und gar Consultingfirmen. Stark vertreten sind – selbstverständlich – Online-Shops. Spannend auch, dass die Stadt Zug z.B. seit 2016 als erste öffentliche Behörde der Schweiz Zahlungen bis zu CHF 200 in Bitcoins akzeptiert.

 

Bitcoin in der Buchhaltung

Die Informatikfirma Abacus hat in Kooperation mit Raiffeisen AbaNinja, ein Gratis-Programm für Startups und Kleinunternehmer, entwickelt. Damit lassen sich Offerten, Rechnungen und Mahnungen weitgehend automatisiert schreiben und versenden. Bezahlen können Kunden über AbaNinja nicht nur per Kreditkarte oder Banküberweisung, sondern auch mit Bitcoins.