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Erfinden. Das kannst auch Du.

10.01.2018 |
  • Erlebnis

Martin Bütikofer ist Direktor des Verkehrshauses der Schweiz und übernimmt die Schirmherrschaft unseres diesjährigen Jugendwettbewerbs, der unter dem Motto «Erfindungen verändern unser Leben» steht. Er ist davon überzeugt, dass eine anregende Atmosphäre in Schule und Arbeit der beste Nährboden für Kreativität bildet.
 

Herr Bütikofer, haben Sie eine Lieblingserfindung?

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  • Portrait von Martin Bütikofer, Direktor des Verkehrshauses der Schweiz und Schirmherr des Raiffeisen-Jugendwettbewerbs 2018.
    Martin Bütikofer ist Direktor des Verkehrshauses der Schweiz und Schirmherr des diesjährigen Jugendwettbewerbs.
  • Luftaufnahme des Verkehrshauses Luzern
    Verkehrshaus Luzern – ein Museum von unterschiedlichen Erfindungen
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    Die Fliegerei fasziniert mich. Sei es im Flugzeug, Heissluftballon, Helikopter oder Gleitschirm. Ohne gewichtige Erfindungen wäre die Luftfahrt nicht zu dem geworden, was sie heute ist. Immer wieder haben Menschen eigene Grenzen überwunden und sich aus der bequemen Komfortzone gewagt, um neue Mobilitätsformen auszuloten. 

    Halle Luft und Raumfahrt im Verkehrshaus Luzern

    Ein Junge übt im Flugsimulator den Anflug auf Zürich.

    Als Verkehrshausdirektor sind Sie im Museum von unterschiedlichen Erfindungen umgeben. Was braucht es denn, um erfolgreiche Erfinderin oder Erfinder zu werden?

    Wer bestehende Vorgehensweisen und Produkte unvoreingenommen hinterfragt, ist auf dem besten Weg, neue Lösungen zu finden. So entstehen Verbesserungen und Neuerungen.

     

    So einfach ist das?

    Ich weiss nicht, ob es einfach ist. Bestimmt ist es aber für viele von uns möglich, erfinderisch zu sein.

    Erfindergeist setzt nicht zuletzt eine zünftige Portion Leidenschaft voraus. Es braucht einen festen Willen, sich für eine Sache oder von einer komplexen Fragestellung begeistern zu lassen.

    Junge Menschen, Lehrpersonen und Eltern fordere ich auf, ausgefallene Ideen zuzulassen. Der verfrühte Blick auf das Endprodukt schränkt ein.

     

    Nicht das Endprodukt, sondern der Weg hin zu neuen Denkweisen zählt. Wie beschreiben Sie ein solches «kreatives Umfeld»?

    Kinder üben sich im Strassenbau im Verkehrshaus Luzern

    Kreatives Umfeld im Verkehrshaus Luzern

    Damit Erfindergeist bei Jung und Alt überhaupt zum Leben erweckt werden kann, ist es wichtig, dass wir mit einer in der Schweiz oft vorherrschenden Nullfehler-Politik brechen. Fakt ist: Der Mensch lernt aus Fehlern. Ausprobieren lohnt sich. Auch wenn es etwas kostet und vielleicht nicht sofort zum gewünschten Ergebnis führt.

    Es braucht Mut, ein angefangenes Projekt vor Abschluss zu stoppen, wenn sich eine zu Grunde liegende Annahme als falsch erwiesen hat oder wenn der Anwendungsbereich nicht den erhofften Erwartungen entspricht. Entscheidend ist, dass wir gewonnene Erkenntnisse für künftige Projekte nutzen und nicht beginnen an uns selbst zu zweifeln.

     

    Besteht hier nicht die Gefahr, leichtfertiges Handeln zu fördern?

    Das Trial-and-Error-Prinzip (Versuchs- und Irrtums-Methode) hat nichts mit Fahrlässigkeit zu tun. Es geht vielmehr darum, eine Idee bis zum Ende durchzudenken – auch wenn sie auf den ersten Blick etwas verrückt klingt. Und dann den Schritt in die Umsetzung zu wagen. Dabei schwingt immer auch das Risiko mit, dass eine Idee nicht «zum Fliegen» kommt.

     

    Werden wir konkret: Was macht denn eine gute Erfindung aus?

    Eine gute Erfindung bringt für Mensch und Umwelt einen Mehrwert. Ökologische wie auch ökonomische Aspekte sind dabei von grosser Bedeutung. Schliesslich gibt es auch eine Spasskomponente. Nicht jede Erfindung mag sinnvoll sein. Sie kann jedoch dazu beitragen, dass das Leben vergnüglicher und lustiger sein kann.

     

    Hier möchte ich anknüpfen. Was halten sie von einem Schulfach «Erfinden»?

    Ganz ehrlich: nicht viel.

    Wie schon erwähnt: Das Erfinden ist für mich kein losgelöster Akt – also kein Thema, das ein einzelnes Schulfach legitimieren würde. Erfindergeist sollten wir auf allen Ebenen fördern: fächerübergreifend, in der Schule, zu Hause und im Arbeitsalltag.

    Erfinden bedeutet, sich die Freiheit zu nehmen, Dinge zu hinterfragen. Damit  etwas Neues entsteht, müssen bestehendes Wissen zusammengefügt und Wissenslücken ergänzt werden.

     

    Wie muss ich mir das zum Beispiel im Schulalltag vorstellen?

    Dies lässt sich gut an einer Prüfungssituation in der Schule illustrieren. Wer die Antwort auf eine schwierige Frage nicht kennt, lässt das Feld entweder leer oder packt die Chance und leitet die Antwort mit Hilfe seines bestehenden Wissens ab. Der Mut wird belohnt, dann wenn der Lehrer dennoch Punkte vergibt, weil der Schüler sich was überlegt hat.

     

    Das bedarf aber einer gewissen Erfahrung.

    Stimmt. Aber ein solches Vorgehen kann schon in der Primarschule trainiert werden. Die Fähigkeit, eine Aussage zu wagen, die man hergeleitet hat, und im Moment als richtig erachtet, weil sie einem sinnig und logisch erscheint, stärkt das Selbstvertrauen.

     

    Was möchten Sie jungen Teilnehmenden mit auf den Weg geben, die bei unserem Jugendwettbewerb mittmachen?

    Packt die Chance und denkt das Unmögliche. Nur wer mitmacht, kann gewinnen.

     

     

    Über den 48. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerb

    Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema: «Erfindungen verändern unser Leben», welche exklusiv im Raiffeisen-Blog publiziert wird. Raiffeisen ist seit vielen Jahren Veranstalter des Jugendwettbewerbs. Dabei werden Kinder und Jugendliche in ihrer Kreativität gefördert und der Gemeinsinn von Schulklassen geschärft. Schirmherr des 48. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerbs ist Martin Bütikofer, Direktor des Verkehrshauses der Schweiz (VHS) in Luzern.