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Darum weisst du immer noch, welches Lied bei deinem ersten Kuss lief

25.09.2017 |
  • Erlebnis

Der Festivalsommer ist vorbei, die Musik aber verstummt noch lange nicht. Für die meisten ist Musik ein täglicher Begleiter. Zeit also, mit einigen Mythen rund ums Thema Musik aufzuräumen.

Macht Musik wirklich immer glücklich?

«Musik bedeutet für mich Spass mit Freunden», antwortete ein junger Mann bei unserer Strassenumfrage. Tatsächlich sorgt Musik im Körper für eine erhöhte Ausschüttung von Dopamin – das sogenannte «Spasshormon». Dein Körper gerät so also schnell in eine ausgelassene Partystimmung. Doch Musik kann noch mehr: Musik simuliert im Hirn ein gemeinschaftliches Erlebnis, sagt Hirnforscher Stefan Koelsch von der Universität im norwegischen Bergen – sogar wenn sie alleine im Zimmer mit Ohrstöpseln hören. Zusätzlich weckt Musik zahlreiche positiv wirkende Neuronen und bremst wiederum jene, die Glücksgefühle unterdrücken sollten. Eine junge Moon-and-Stars-Besucherin berichtet gar: «Wenn man traurig ist und dann Musik hört, wird die Stimmung gleich besser!» Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Verrückt dabei ist, dass uns selbst traurige Lieder glücklich machen. Hören wir etwa melancholische Hymnen von Coldplay, versetzt uns das Glückshormon Serotonin ist eine Ekstase, die wir als Glück empfinden – sofern du nicht zu jenem Teil gehörst, die Coldplay überhaupt nicht mögen. 

Video: via giphy

 

Macht Mozart zu hören tatsächlich intelligenter?

Der sogenannte «Mozart-Effekt» beschäftigte Forscher seit den 90er Jahren: Angeblich soll die Musik der Klassik-Komponisten die Leistungsfähigkeit und womöglich gar die Intelligenz fördern, berichteten damals Psychologen. Auf Basis dieser Studie haben zahlreiche Eltern ihre ungeborenen Kinder mit Mozart-Klängen beschallt oder aber klassische CDs zum Lösen von Matheaufgaben abgespielt. Alles Blödsinn, sagt das Forscherteam um Samuel Mehr der Harvard Graduate School of Education. Ihre Studie belegte, dass klassische Musik das Gehirn zwar auf vielseitige Art und Weise stimuliert und fördert, eine nennenswerte Verbesserung des IQs konnte dennoch nicht festgestellt werden. 

Video: via giphy

 

Warum kriegen wir bei sehr berührender Musik Gänsehaut?

Ein Thriller, bei dem verzerrte Klänge die Spannung ins Unermessliche steigern oder ein tieftrauriges Lied, das ein Solist oder ein ganzer Chor mit vibrierenden Tönen zum Höhepunkt bringt – und unsere Körperhaare stehen zu Berge. Woher kommt das eigentlich? Forscher sind sich einig, dass es sich beim «Gänsehaut-Effekt» um ein Überbleibsel der Evolution handelt, genau genommen um eine Reaktion auf eine gefährliche und nervenaufreibende Situation. Auf welche Lieder unser Körper jedoch tatsächlich mit Gänsehaut reagiert, ist sehr individuell. 

Video: via giphy

 

Warum können wir uns die Musik zu unserem ersten Kuss merken?

Du schlenderst durch den Kleiderladen und plötzlich ertönt ein bekanntes Lied. In deinem Kopf spielen sich sofort jene Szenen ab, die du mit diesem Lied verbindest: Die letzten Ferien, das Oberstufen-Skilager oder der erste Kuss. Auch unsere befragten Moon-and-Stars-Besucher können sich alle noch an die Musik erinnern, die während dem ersten Knutschen im Hintergrund lief. Warum ist das so? Schuld daran ist unser Episoden-Gedächtnis: Das Gehirn speichert ein Lied nicht als einfache Information, sondern gemeinsam mit jener Szene, in der wir das Lied zum ersten Mal bewusst (oder aber besonders prägend) gehört haben. Man spricht deshalb auch vom «Schatz, sie spielen unser Lied»-Phänomen. 

Video: via giphy

 

Welche Art von Musik hilft wirklich zum Abbau von Stress?

Jede Kultur weltweit kennt Schlaflieder – und alle klingen sie ähnlich. Sandra Trehub von der University of Toronto konnte nachweisen, dass der Spiegel des Stresshormons Kortisol im Speichel der Babies sank, wenn ihre Mutter mit Gesang versuchte zu beruhigen. Diese Wirkung hat Musik jedoch nicht nur auf Babies, sondern auch auf uns: Forscher der Universität Marburg haben bei einer Studie herausgefunden, dass der Kortisol-Spiegel sank, sobald die Probanden Musik zur Entspannung gehört haben. Die befragten Moon-and-Stars-Besucher bestätigen dies: Musik bedeute für sie «Entspannung und relaxen», sagte eine junge Frau etwa. Interessant: Laut genannter Studie ist es völlig egal, ob du zur Entspannung gerne Hiphop, Pop oder Klassik hörst – dein Körper entspannt sich gleichermassen. 

Video: via giphy