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Noch nie war Musik hören so einfach

22.09.2017 |
  • Erlebnis

Sängerin Raye hat einen kometenhaften Karrierestart hingelegt. Dass sie heute die «Zeit ihres Lebens» hat, verdankt sie vor allem der Tatsache, dass wir heute nicht mehr gleich Musik hören wie früher.

Die Festivalbags sind bereits wieder im Schrank verstaut, der Schlafsack gereinigt und trocken und das Zelt im Keller versorgt. Die Open-Air-Saison ist Geschichte. Einmal mehr wurde das Open-Air St. Gallen seinem Übernamen «Schlammgallen» gerecht. Kein Problem für die bis zu 30’000 erprobten Festivalbesucher, die sich auch von Schlamm und Matsch die Party nicht vermiesen liessen. 

Video: via giphy

 

Von dieser einzigartigen Stimmung schwärmte auch die Britische Sängerin Raye nach ihrem Auftritt am OASG: «Es war unglaublich! Da war so viel Energie!» Die 19-jährige Sängerin, die vergangenes Jahr mit «You don’t know me» gemeinsam mit DJ Jax Jones einen Hit landete, trat das erste Mal am Open-Air St. Gallen auf. «Es war ein riesen Spass!», so ihr Fazit. 

Neu ist ihr die Schweiz aber keineswegs: Rachel Keen, wie Rayes richtiger Name lautet, ist zwar in London aufgewachsen, ihre Mutter aber ist Schweizerin mit ghanaischen Wurzeln. Sie habe eine «riesige Verwandtschaft» in der Schweiz und kennt sogar einige schweizerdeutsche Wörter, wie sie sogleich im Interview mit Raiffeisen Schweiz beweist (siehe Video).

 

«Ich habe die Zeit meines Lebens!» 

Das Energiebündel Raye ist eine waschechte Vertreterin jener Generation, die mit Youtube und co. aufgewachsen ist und Musik vermehrt über Streaming- und Downloadportale hört. Alleine 2011 standen den Jugendlichen über 500 Online-Musikdienste zur Verfügung. Dies ermöglicht jungen Hörern einerseits, eine riesige Auswahl an Songs ohne Beschränkung zu konsumieren, andererseits verdanken Künstler wie Raye genau solchen Portalen ihre Karriere: Sie hat nämlich nicht auf einen Plattenvertrag gewartet, wie sie es noch vor zehn Jahren hätte tun müssen. Raye hat ihre ersten Songs 2014 einfach «self-released», also selbst produziert und bei Streamingdiensten platziert. So wurde sie entdeckt. 

Heute lebt sie ihren Traum, wie sie selbst sagt. Von der Musik leben und jeden Tag unterwegs sein raubt ihr zwar Energie, wie sie zugibt: «Es ist schwierig, gesund zu bleiben, wenn du jeden Tag singst und dann auch noch wenig schläfst. Aber hey, ich habe die Zeit meines Lebens!»

 

Musik unterwegs zu hören, bedeutete: Aufwand 

Nicht nur für Künstler hat sich das Musikbusiness stark verändert, auch für die Hörer. Wie Studien zeigen, wie die Jugend-, Information- und Medienstudie (JIM) zeigt, ist Musik für keine Altersgruppe so wichtig wie für Teens – und das schon, seit Musik durch das Radio für die breite Masse zugänglich wurde. Die Art und Weise, wie die Musik gehört wird, hat sich jedoch stark verändert. 

Unterwegs Musik zu hören, war in den vergangenen Jahrzehnten enorm aufwändig: Schallplatten beschränkten das Musikhören auf die eigenen vier Wände. In den 70er-Jahren kamen die ersten Audiokassetten auf. Mit dem Walkman konnte die Musik zwar auch unterwegs gehört werden, jedoch lag die Spieldauer einer Kassette bei nur 90 Minuten.

Video: via giphy 

 

In den 90er-Jahren wurden diese weitestgehend von CDs und portablen CD-Playern abgelöst, ehe die IPods und MP3-Player Ende 90er und anfangs der Nullerjahre eine völlig neue Ära einläuteten: Plötzlich war Musik digital und die eigene Liedersammlung nicht schwerer als ein handliches Kästchen. 

Noch aber musste man die Musik downloaden – also kaufen. Kein Wunder, florierten in diesen Jahren illegale Musik-Downloaddiensten, bei denen mit jedem Lied mindestens die doppelte Menge an Viren heruntergeladen wurde.

Video: via giphy

 

Mit Myspace entstand 2005 eine erste Form des heutigen Streamings: Sie ermöglichte jungen Künstlern, ihre Musik im Internet zur veröffentlichen und somit auch von Plattenlabels entdeckt zu werden. Das Internet wurde schneller und damit wuchsen auch die Möglichkeiten: 2010 konnten mit dem Portal Youtube nicht mehr nur Audiodateien, sondern auch Videos gestreamt werden. Es dauerte nicht mehr lange, bis mit den ersten Musikstreaming-Diensten jegliche Art von Musik gegen einen Pauschalbetrag oder mit Werbung unbegrenzt zur Verfügung stand. 

Und diese wären aus dem Leben heutiger Teenager nicht mehr wegzudenken: Musik ist heute digital und unbegrenzt – sofern ein Internetanschluss vorhanden ist. Noch nie war es so einfach, so viel Musik zu hören. Und genau diese Freiheit und Einfachheit kommt nicht nur den jungen Hörern zugute, in deren Leben Musik eine zentrale Rolle einnimmt; sie dient auch den jungen Musikern, den Nachwuchskünstlern, die auf den Durchbruch hoffen.