Zur Übersicht

Richtig anlegen – das sind die Möglichkeiten

22.05.2017 |
  • Wirtschaft

Krisen und gröbere Verwerfungen an den Finanzmärkten gehören in einer sich rasant drehenden Welt fast zum Tagesgeschäft. Umso mehr tut Aufklärung Not, damit sich Privatinvestoren guten Gewissens für die richtige Anlage entscheiden können. Nachfolgend die wichtigsten, kurz analysiert.

Beim Anlegen ist es ähnlich wie beim Essen: Wer es allzu einseitig tut, geht ein erhöhtes Risiko ein, irgendwann unter Mangelerscheinungen zu leiden. Während sich ein solcher bei starren Essgewohnheiten in einer Nährstoffunterversorgung mit Krankheitsfolge äussert, drohen dem zu unflexiblen Anleger empfindliche finanzielle Verluste.

Nicolas Samyn, Leiter Investment Solutions bei Raiffeisen Schweiz
Nicolas Samyn, Leiter Investment Solutions bei Raiffeisen Schweiz

Für Nicolas Samyn, Leiter Investment Solutions bei Raiffeisen Schweiz, hat der bildhafte Vergleich durchaus seine Berechtigung. Mit einer Ausnahme: «Beim Essen kann die Sache eigentlich nie gut ausgehen, beim Anlegen mit viel Glück hin und wieder schon.» Sich allein auf den Zufall zu verlassen, empfiehlt der Spezialist allerdings keinem Anleger. Stattdessen sei es wichtig, sich zunächst seriös mit der eigenen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft auseinander zu setzen. Jeder potenzielle Anleger müsse bei diesem Prozess ehrlich zu sich selbst sein, sich die persönlichen Rahmenbedingungen und Verpflichtungen transparent vor Augen führen und gut überlegen, ob er oder sie mit dem «Worst-Case-Szenario» eines Anlageentscheids leben könne.

Sich dafür die Hilfe einer professionellen Beratung zu holen, sei kein Luxus, sondern reine Vernunft, sagt Nicolas Samyn. Trotzdem hält er fest: «Der Berater macht den Anleger auf Besonderheiten aufmerksam, vermittelt ihm sein Fachwissen und unterbreitet Vorschläge. Letztlich darf er den Kunden aber nie direkt in dessen Anlageentscheid beeinflussen.» Die langjährige Erfahrung habe gezeigt, dass das am häufigsten beanspruchte und oft richtige Geldanlagevehikel für Raiffeisen-Kunden ein breit diversifizierter Anlagefonds sei.

 

Die fünf wichtigsten Geldanlageformen

Strategiefonds

Strategiefonds (auch Anlagezielfonds) sind Anlagefonds, in denen das Vermögen je nach Anlageziel in unterschiedlichen Gewichtungen in Aktien, Obligationen und alternative Anlagen investiert wird. So wird beispielsweise bei einem Strategiefonds mit ertragsorientiertem Anlageziel weniger in Aktien und dafür mehr in Obligationen investiert als bei einem wachstumsorientierten Anlageziel. 

Vorteil:
Mit Strategiefonds können Anleger bereits ab tiefen Beträgen breit diversifiziert investieren und die Vorteile einer professionellen Vermögensverwaltung geniessen. 

Nachteil:
Für die Verwaltung des Strategiefonds fallen zusätzliche Gebühren an.

 

Anlagefonds

Ein Fonds, dessen Vermögen aus Einlagen vieler einzelner Anleger besteht. Das Fondsvermögen wird je nach Fonds von Anlageexperten auf den internationalen Wertschriftenmärkten in Aktien, Obligationen und weiteren Anlagen investiert. 

Vorteil:
Anlagefonds bieten eine einfache Option, bereits mit wenig Geld breit diversifiziert zu investieren und so das Risiko zu reduzieren. Weil das Fondsvermögen rechtlich als Sondervermögen gilt, geniesst der Anleger einen höheren Schutz. 

Nachteil:
Für die Verwaltung des Anlagefonds fallen zusätzliche Gebühren an. 

 

Vermögensverwaltungsmandat 

Vermögensverwaltungsmandate eignen sich für Privatkunden und Firmenkunden, die Anlageentscheidungen delegieren möchten. Sie können zum Beispiel einer Bank den schriftlichen Auftrag zur Vermögensverwaltung erteilen. Der Vermögensverwalter trifft die Entscheidungen aufgrund der vereinbarten Strategie selbständig. 

Vorteil:
Breit diversifizierte, professionelle sowie aktive Verwaltung des Vermögens. 

Nachteil:
Relativ hohe Gebühren oder Kommissionzahlungen an den Vermögensverwalter werden fällig.

 

Aktien

Die Aktie ist ein Wertpapier, das einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft verkörpert und dem Inhaber Mitgliedschafts- und Vermögensrechte verbrieft. Aktien (es gibt Namensaktien und Inhaberaktien) werden daher als Beteiligungspapiere bezeichnet.

Vorteil:
Aktien sind laufend an der Börse handelbar und stellen langfristig ein hohes Renditepotenzial in Aussicht. Als Aktionär kann man zudem in Form einer variablen Dividende am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden. 

Nachteil:
Aktienkurse können starken Schwankungen unterliegen und sollten deshalb mit Bedacht eingesetzt werden. Bei Übergewichtung einzelner Aktien im Portfolio entsteht ein Klumpenrisiko. 

 

Obligationen

Obligationen (auch Anleihen) sind Wertpapiere, mit denen sich ein Schuldner (Unternehmen, Staat oder Gemeinde) Kapital leiht und dem Käufer dafür Zinsen zahlt. Dieser Zins wird dem Obligationär in der Regel einmal jährlich ausbezahlt. Nach Ende der Laufzeit wird der Nennwert der Obligationen zurückbezahlt. 

Vorteil:
Obligationen sind gut kalkulierbar, da Zins, Laufzeit und Rückzahlung in der Regel im Voraus festgelegt sind. Der Kursverlauf ist weniger volatil als derjenige von Aktien. 

Nachteil:
Wie bei Aktien kann bei Übergewichtung einzelner Obligationen im Portfolio ein Klumpenrisiko entstehen. Im schlimmsten Fall, wenn der Schuldner Pleite geht, bedeutet dies auch für den Obligationär den Totalverlust seiner Investition. Im aktuellen Tiefzinsumfeld sind attraktive Obligationen eher selten.

 

Wie lautet denn nun der beste Anlagetipp? 

Nicolas Samyn: «Es gibt nicht den einen Anlagetipp. Je nach Kundenprofil sieht er ganz anders aus.»