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Ein Roboter zieht in St.Gallen ein

22.02.2018 |
  • Innovation

Die Roboter kommen – auch in der Schweiz. Seit Kurzem besitzt Raiffeisen einen «Pepper». Getauft auf den Namen RAIffi wird er versuchsweise am Empfang von Raiffeisen Schweiz in St.Gallen eingesetzt. Stefan Jeker, Leiter RAI Lab, erzählt von den ersten Erfahrungen mit dem Roboter.

Anina Torrado Lara: Wer ist Pepper?

Stefan Jeker, Leiter RAI Lab: Pepper ist ein humanoider Roboter, der etwa so gross ist wie ein Erstklässler und sich auf Rollen fortbewegt. Er wird von der japanischen Firma Softbanks hergestellt.

 

Wofür braucht Raiffeisen einen Pepper?

Im Innovationslabor RAI Lab testen wir unter anderem auch neue Technologien, welche relevante Trends wie zum Beispiel die künstliche Intelligenz begleiten. Im Umfeld von Hypotheken und Wohnen ist Versuchsweise ein Chatbot im Einsatz und wir arbeiten an der Stimmerkennung. Zusätzlich möchten wir beobachten, wie Menschen mit Robotern interagieren.

 

Was kann der Roboter?

Man sieht den Pepper oft an Konferenzen oder Messen, wo er sich als charmanten Gesprächspartner ausgibt, Witze macht oder tanzt. In der Schweiz ist Pepper beispielsweise in der Kindercity in Volketswil und im Glatt-Zentrum im Einsatz. Per se ist Pepper noch nicht intelligent, man muss ihn mit Wissen füttern und ihn programmieren. Es ist, als würden wir einen neuen Mitarbeiter ausbilden.

 

Wie reagieren Menschen auf einen solchen Roboter?

In Japan nutzt man Roboter bereits erfolgreich für die Interaktion mit Menschen, beispielsweise in der Betreuung von Alzheimer-Patienten. Pepper ist ein guter Gesprächspartner und hat viel Zeit und Geduld. Dadurch dass er kindlich aussieht und Witz hat, erzeugt er einen gewissen «Jö-Effekt» und überwindet Barrieren bei der Interaktion mit Technologie.

 

Wie wird er bei Raiffeisen eingesetzt?

Wir testen unseren «RAIffi» in einem halbproduktiven Umfeld. Er wird im Frühjahr 2018 am Empfang von Raiffeisen Schweiz in St.Gallen als Concierge arbeiten. Er kann Gäste begrüssen, weiss einiges über Raiffeisen zu erzählen, führt durch die Kunstausstellung in der Eingangshalle und weist den Weg zu den Schulungsräumen. Mit Pepper setzen wir auch einen grossen Bildschirm ein, wo aktuelle Anlässe oder das Wetter erscheinen. Pepper fragt dann zum Beispiel bei Regen nach, ob der Gast seinen Schirm dabei habe.

 

Könnte Pepper auch Kundenberater werden?

Wir sind eine der ersten Banken der Schweiz, die mit Pepper erste Versuche machen. In einem nächsten Schritt können wir uns gut vorstellen, ihn experimentell an einem Bankschalter einzusetzen.

 

Werden Roboter irgendwann die Arbeitsplätze von Menschen übernehmen?

Ich glaube nicht, dass Roboter uns verdrängen werden, wie wir das in Science-Fiction-Filmen sehen, denn ihnen fehlt die Empathie. Seit jeher wirft die technologische Entwicklung Fragen wie «Braucht es uns Menschen noch?» auf. Die Automatisierung ersetzt gewisse manuelle Tätigkeiten, schafft aber auch mehr Raum für Aufgaben, für die es uns Menschen wirklich braucht. Ich behaupte, dass es noch lange gehen wird, respektive nie möglich ist, bis ein Roboter die Rolle eines Menschen einnehmen kann.

 

Wie können Schweizer Unternehmen von dieser Entwicklung profitieren?

Indem sie beispielsweise mit Robotern die Verfügbarkeit während 24 Stunden am Tag sicherstellen. Ein Chatbot kann Standardfragen in gleichbleibender Qualität beantworten. Und wir Menschen haben uns ja schon daran gewöhnt, mit Siri oder Bots zu reden. Wir werden uns auch daran gewöhnen, wenn an der Kasse im Supermarkt keine Menschen mehr sitzen werden. Dafür bleibt für den Menschen dann mehr Zeit, um Kunden kompetent zu begleiten und beim Einkauf zu beraten. Die Schweiz bringt die besten Voraussetzungen mit, um auf dem Gebiet der Robotik eine führende Rolle einzunehmen.

 

Wo sind Roboter besser als Menschen?

Sie können beispielsweise einen Scan des menschlichen Hirns viel besser und sachlicher analysieren als ein Arzt, da sie mehr Informationen zur Verfügung haben. Dem Patienten aber zu helfen, mit der Diagnose umzugehen, kann auch in Zukunft ein Arzt besser.