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Schweizer Erfindungen: Vom roten Messer und dem Online-Terminplaner

24.01.2018 |
  • Erlebnis

Die Schweiz hat die Nase vorn, wenn es um die weltweit höchste Patentanmeldungsdichte geht. Während früher vor allem praktische Produkte erfolgreich erfunden und entwickelt wurden, sind in den letzten Jahren digitale Errungenschaften in den Vordergrund getreten. Wir haben eine alte und eine neue Schweizer Erfindung unter die Lupe genommen.

 

Im Jahre 1884 eröffnete der junge Messerschmiedmeister Karl Elsener seine eigene Werkstatt in der Innerschweiz, um seinen Traum von der Selbständigkeit zu verwirklichen. Seine Kunden waren von der Qualität der Messer und der Leistung von Elsener gleichermassen begeistert – dieser hatte während seiner Gesellenjahre im Ausland viel gelernt und sich auf Rasiermesser und chirurgische Instrumente spezialisiert. Bereits sieben Jahre später ging für ihn ein weiterer Traum in Erfüllung: Elsener (zusammen mit dem von ihm gegründeten Verband für Messerschmiedmeister) ergatterte einen Grossauftrag der Sonderklasse: Er sollte Soldatenmesser für die Schweizer Armee in grosser Auflage herstellen. Dies war ein bedeutender Schritt für Elsener und die anderen Schweizer Messerschmiede, denn bis anhin wurden die Soldatenmesser für die Schweizer Armee in Deutschland produziert.

Aufgeklapptes altes Schweizer Taschenmesser

Der Messerschmiedmeister Karl Elsener erhielt 1891 den Auftrag, das Soldatenmesser für die Schweizer Armee in grosser Auflage herzustellen. (Quelle: Victorinox)

In den folgenden Jahren entwickelte Elsener neben dem Soldatenmesser auch das sogenannte Offiziersmesser. Das Offiziersmesser hob sich mit seiner hohen Funktionalität und Eleganz von anderen Messern ab – und wurde in kürzester Zeit auch im Ausland bekannt und geschätzt. Heutzutage kennt die ganze Welt das rote Taschenmesser mit dem Emblem mit Kreuz und Schild vorwiegend als «Swiss Army Knife» von der Schwyzer Firma Victorinox. Die weltbekannte Firma wird heute von Carl Elsener geführt, dem Ur-Enkel des damaligen Firmengründers.

 

Das Schweizer Taschenmesser, eine weltweite Ikone

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  • Die Evolutionsgeschichte des Victorinox-Taschenmessers
    1891 bis heute: Die Evolutionsgeschichte des Victorinox-Taschenmessers ist beeindruckend. (Quelle: Victorinox)
  • Produktion des Schweizer Taschenmessers bei Victorinox
    Das Schweizer Taschenmesser gilt als Kernprodukt von Victorinox. (Quelle: Victorinox)
  • Das Schweizer Taschenmesser in vielen Grössen und Farben
    Das Schweizer Taschenmesser ist mittlerweile weltweit bekannt. Produziert wird es heute in vielen Grössen und Farben. (Quelle: Victorinox)
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    Der kanadische Astronaut Chris Hadfield schrieb über das bekannte kleine, rote Messer: «Never leave the planet without one» (Verlassen Sie nie den Planeten, ohne eines dabei zu haben). Das Victorinox Taschenmesser hat dank dessen Qualität und Funktionalität weltweite Bekanntheit und Kultstatus erlangt. Wir fragten beim jetzigen CEO von Victorinox nach, was seiner Meinung nach den Grund für den Erfolg der Taschenmesser sei: «Unsere Taschenmesser sind mehr als nur nützliche Werkzeuge. Sie begleiten die Menschen im Alltag, sind aber auch dabei, wenn das Abenteuer lockt: bei Expeditionen im arktischen Eis des Nordpols, auf dem höchsten Gipfel der Erde oder in den tropischen Urwäldern des Amazonas. Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben herausgefunden, dass das kleine rote Messer aus der Schweiz nahezu unbegrenzte Verwendungsmöglichkeiten hat. Es ist kompakt, praktisch, zuverlässig und passt in jeden Hosensack. Ein Begleiter fürs Leben», erklärte Carl Elsener.

     

    Die Erfolgsgeschichte Doodle

    Während das rote Taschenmesser schon seit über 120 Jahren existiert, begann die Geschichte von Doodle erst vor gut 10 Jahren mit einem Abendessen. Oder besser gesagt: Mit dem Organisieren eines Abendessens unter Freunden. Um ein passendes Datum dafür zu finden, musste der ETH-Informatiker Michael Näf etliche Telefonanrufe tätigen sowie E-Mails und SMS schreiben. Der Aufwand war gross und mühsam. «Das gab mir den Impuls, mir zu überlegen, wie man diesen Prozess effizienter gestalten könnte», sagte Näf in einem Interview mit der Nachrichtenagentur SDA. So entstand die Idee einer digitalen Terminfindungslösung, welche nun seit über zehn Jahren Millionen von Menschen weltweit eine grosse Hilfe beim Organisieren von Sitzungen – oder Abendessen mit Freunden – ist. 

    Mit dem ETH-Informatiker Paul Sevinç gründete Näf 2007 eine Firma und zusammen entwickelten sie den Online-Terminplaner Doodle professionell weiter. Nach nur drei Jahren arbeiteten zehn feste Mitarbeitende bei der Doodle AG und nach vier Jahren knackten sie einen weiteren Meilenstein: Mehr als 10 Millionen User nutzten im 2011 die Schweizer Plattform, um Termine zu planen und zu koordinieren. Ihre Strategie, die Seite als Werbeplattform zu vermarkten, war erfolgreich – und die Investoren liessen nicht lange auf sich warten. Im 2011 stieg die Tamedia Mediengruppe als Gesellschafter bei Doodle ein, bereits drei Jahre später übernahm das Medienhaus die Mehrheit der Online-Plattform. Die Gründer verkauften ihre Anteile, gründeten in der Zwischenzeit die Elohna GmbH in Berlin und die Ledgy AG in Zürich und sind als Berater für andere Start-Ups tätig. Doodle wächst kontinuierlich weiter und beschäftigt heute 35 Personen, eröffnete in Berlin einen weiteren Sitz und 26 Millionen nutzen monatlich die Online-Planungsseite.

     

    Das Doodle-Rezept

    Doodle-Mitgründer Paul Sevinç und Gründer Michael Näf

    Innovative Schweizer: Doodle-Mitgründer Paul Sevinç und Gründer Michael Näf (von links nach rechts)

    Was war bei Doodle ausschlaggebend, dass dieses Schweizer Start-Up zur Erfolgsgeschichte wurde? Der Co-Gründer Paul Sevinç nennt vier Erfolgsfaktoren: Erstens habe der Gründer Michael Näf die Idee schlicht und einfach umgesetzt. Sevinçs Meinung nach scheitern viele Ideen nur schon daran, dass es den betreffenden Personen an den Fähigkeiten oder dem Willen fehle, diese auch zu realisieren. Als zweiten Grund nennt er, dass Näf den kommerziellen Aspekt nicht sofort ins Zentrum gerückt habe, sondern sich mit viel Liebe dem Produkt und dessen Qualität widmete. Und mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: «Drittens hat er sich gegenüber einem guten Mitgründer geöffnet und zu guter Letzt hatten wir auch das Glück der Tüchtigen auf unserer Seite», so Sevinç.

    Sowohl Elsener wie auch Sevinç sind sich einig, dass die Grundvoraussetzungen für Erfinder und Erfinderinnen gesunder Ehrgeiz, Neugierde, Durchhaltewillen sowie Freude am Lernen und Tüfteln seien. Genau diese Eigenschaften legten die Erfinder des roten Taschenmessers wie auch des praktischen Online-Terminkalenders an den Tag. Ein Glück für uns, denn ein Alltag ohne diese Schweizer Erfindungen wäre um einiges mühsamer!

     

     

    Über 48. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerb

    Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema: «Erfindungen verändern unser Leben», welche exklusiv im Raiffeisen-Blog publiziert wird. Raiffeisen ist seit vielen Jahren Veranstalter des Jugendwettbewerbs. Dabei werden Kinder und Jugendliche in ihrer Kreativität gefördert und der Gemeinsinn von Schulklassen geschärft. Schirmherr des 48. Internationalen Raiffeisen-Jugendwettbewerbs ist Martin Bütikofer, Direktor des Verkehrshauses der Schweiz (VHS) in Luzern.