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Silvana Stecher: Schweizer Jägerin 2016

08.06.2016 |
  • Unser Unternehmen

Zehn Kandidatinnen, 41'000 Stimmen, eine Siegerin. Silvana Stecher aus Tarasp hat einen nicht alltäglichen Volltreffer gelandet: Sie hat die Wahl zur Schweizer Jägerin 2016 – 2018 gewonnen und löst damit die Walliserin Kerstin Kummer, die erste Gewinnerin dieses Titels, ab.

 

Die 24-jährige Vermögensberaterin der Raiffeisenbank Engiadina Val Müstair in Scuol will in ihrer zweijährigen Amtszeit als Botschafterin der Jagd ihre Leidenschaft und Begeisterung für das Jagen vermitteln und aufzeigen, weshalb es die Jagd braucht: «Hinter der Jagd steckt mehr als nur das Schiessen!»

Eine wichtige Aufgabe sei die Hege und Pflege der Natur. Die rund 30’000 aktiven Schweizer Jägerinnen und Jäger kümmern sich unter anderem um Biotope, beobachten und zählen den Wildbestand oder melden Auffälligkeiten. Schützenhilfe gibt es vom WWF. «Für das Gleichgewicht der heimischen Lebensräume brauchen wir eine nachhaltige Jagd, welche die Wildtierbestände sinnvoll reguliert», so die Umweltorganisation.

Lai Cotschen – Piz Ajüz – in der Gemeinde Ramosch

Lai Cotschen – Piz Ajüz – in der Gemeinde Ramosch

1. Welche Aufgaben werden Sie als Schweizer Jägerin in den zwei Amtsjahren haben?

Ich werde an verschiedenen Messen, wie zum Beispiel «Fischen Jagen Schiessen» in Bern, «Jagd und Fischereimesse» in Chur, «IWA» in Nürnberg oder auch an regionalen Delegiertenversammlungen sowie Trophäenschauen anwesend sein. In den zwei Jahren erwarten mich zwischen 10 bis 20 Einsätze. Da ich eine offene, kommunikative Person und leidenschaftliche Jägerin bin, freue ich mich sehr auf diese Aufgaben.

 

2. Warum sind Sie Jägerin geworden?

Es wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Mein Vater ist leidenschaftlicher Jäger. Ich durfte schon als kleines Mädchen mit ihm zur Jagd, später auch mit meinem Bruder. Dabei habe ich diese Leidenschaft für mich entdeckt. Mit 21 Jahren habe ich dann die Jagdausbildung absolviert und die Prüfung bestanden.

 

3. Was gefällt Ihnen an der Jagd, was nicht?

Die Jagd ist äusserst abwechslungsreich und wir können auf der Pirsch vieles von den Tieren lernen. Mich beeindrucken die Stimmungen in den frühen Morgenstunden bis hin zum wundervollen Sonnenuntergang. In den drei Wochen der Bündner Hochjagd lebe ich abgeschieden von der Zivilisation in einer Hütte ohne Dusche und Strom. Dieses einfache Leben mit den Jagdkameraden bedeutet mir sehr viel. Wenn jemand dazu auch noch Jagderfolg hat, freut man sich natürlich umso mehr. Das einzige, was mir ein wenig Mühe bereitet, ist das frühe Aufstehen.

 

4. Was für ein Verhältnis haben Sie zu den Tieren und zur Natur?

Ich bin auf einem Bauernhof mit Schafen, Schweinen, Hühnern, Enten, Katzen und einem Hund aufgewachsen. Mein Verhältnis zu den Tieren ist sehr innig und respektvoll. Den Respekt vor der Natur habe ich von klein auf gelernt. Die Natur in all ihren Facetten, auf der Jagd oder bei Wanderungen und Wildbeobachtungen erleben zu können, schätze ich sehr. In den vielen Stunden, die ich in der Natur verbringe, erhole ich mich und schöpfe neue Energie und Kraft für den Alltag.

 

5. Braucht es die Jagd in der Schweiz?

Die Jäger übernehmen wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit. Aufgaben wie die Hege und Pflege der Natur. Dazu gehören beispielsweise die Wiederherstellung von Biotopen, das Beobachten und Zählen des Wildbestandes, die Kitzrettung im Frühling oder die Meldung von Auffälligkeiten. Die Jagd hilft dabei, den Wildbestand stabil und nachhaltig zu erhalten und Verbissschäden in Schutzwäldern zu minimieren, wodurch mehr Sicherheit für die Bewohner geschaffen wird. Auch Wildkrankheiten wie die Tuberkulose werden durch die Jagd eingedämmt oder gar verhindert.

Die Jägerschaft übernimmt diese Aufgaben freiwillig und bezahlt mit den Patentgebühren eine professionelle Wildhut, die auch das Überwachen von geschützten Arten, wie etwa dem Auerhuhn oder dem Steinadler beinhaltet.

Sur Sassalm in der Gemeinde Ramosch

Sur Sassalm in der Gemeinde Ramosch

6. Was braucht es, um eine gute Jägerin, ein guter Jäger zu sein?

Ausdauer, gute körperliche Verfassung und Schwindelfreiheit sind einige Eigenschaften, die man als Jägerin oder Jäger mitbringen sollte. Zudem muss eine strenge und anspruchsvolle Prüfung absolviert werden. Die Jagd ist sehr zeitintensiv, denn der Jäger hat nicht nur während der Jagdzeit, sondern das ganze Jahr über – wie bereits erwähnt – verschiedene Verpflichtungen und Aufgaben.

 

7. Macht es Ihnen nichts aus, ein Tier zu erlegen?

Natürlich ist das Erlegen eines Tieres ein sehr emotionaler Moment. Ich kann aber jederzeit selber entscheiden, ob ich schiessen möchte oder nicht, wenn ich mich nicht dazu bereit fühle. Das erste Wild, das man erlegt, und die Geschichte dazu vergisst man nicht. Unvergessen bleibt mir auch die Geschichte eines 15-jährigen Steinbocks, dessen letzte Stunde gekommen war. Zwei Adler und ein Bartgeier müssen dies gespürt haben, denn sie haben sich auf ganz besondere Art von dem Tier verabschiedet. Zuerst flog der Bartgeier zweimal ganz tief zu ihm heran und danach die beiden Steinadler. Dieses Erlebnis hat mir aufgezeigt, wie feinfühlig unsere Natur ist!

 

8. Was geschieht, wenn ein Tier erlegt worden ist?

Ganz wichtig ist, es zuerst mal in Ruhe zu lassen. Dies auch dann, wenn es beim Schuss sofort verendet ist. Es gehört sich, dass dem Tier diese Ruhe gewährt wird. Nach einiger Zeit geht man zum Tier, streichelt es und steckt ihm den letzten Bissen in den Äser (Mund). Damit erweist man dem Tier Respekt und Ehrfurcht. Dies ist ein sehr emotionaler Moment und die meisten Jägerinnen oder Jäger möchten dann mit ihrer Beute alleine sein. Anschliessend inspiziert man das Tier, trägt es in das Abschussblatt ein und macht Erinnerungsfotos. Danach muss das Tier sorgfältig aufgebrochen und ausgeweidet sowie die Organe auf allfällige Krankheiten oder Parasiten untersucht werden. Danach wird es in die Hütte oder nach Hause getragen.

 

9. Wie sieht es mit der Weiterbildung bei Jägerinnen und Jägern aus?

Im Kanton Graubünden muss jede Jägerin und jeder Jäger jährlich einen Schiessnachweis erbringen. Damit wird die Treffsicherheit jedes Jägers geprüft. Die Kommission für Aus- und Weiterbildung der Jäger (KOAWJ), der Nationalpark oder auch das Bündner Naturmuseum organisieren zudem jedes Jahr Weiterbildungskurse, welche die Jägerschaft besuchen kann.

 

10. Was verbindet die Jagd mit der Vermögensberatung?

Ich würde eher von Gegensätzen reden. Im Büro arbeite ich vor dem Computer oder bin an Kundengesprächen. Bei der Jagd bin ich in der Regel alleine in der Natur unterwegs. Die Ruhe, die Ausgeglichenheit und die Erlebnisse in der Natur bringen mir die Energie und Motivation, die ich bei der Arbeit benötige. Auf der Jagd lerne ich auch, geduldig zu sein und einen gesunden Ehrgeiz aufzubauen, was mir im Berufsalltag auch sehr nützlich sein kann. Viele meiner Kunden sind zudem selber Jäger. Durch die Jagdleidenschaft entsteht eine Verbindung zwischen mir und meinen Kunden, die uns zu Gleichgesinnten macht.