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Wie lernen junge Menschen den sicheren Umgang mit Sozialen Medien?

30.10.2018 |
  • Gesellschaft

Cybermobbing, Nacktfotos und Datendiebstähle – Die News dazu sind erschreckend - nicht zuletzt, weil oft Jugendliche involviert sind. Wie sicher bewegen sich Jugendliche in den Sozialen Medien? Kennen sie die Risiken, welchen sie sich mit leichtsinnigen Posts und offenherzigen Fotos aussetzen? Wir wollten von Raiffeisen-Lernenden, die gleichzeitig erfolgreiche Social Media Influencer sind, erfahren, wie sie mit Sozialen Medien umgehen und welche praktischen Tipps sie Eltern von Jugendlichen empfehlen können.

Eine junge Frau zwischen Social Media und Privatsphäre.

Social Media ist längst Teil unserer Gesellschaft. Was gibt man darauf preis und worüber schweigt man besser?

Alles will gelernt sein: aufrechtes Laufen, korrektes Reden, schönes Essen. Eltern unterstützen ihren Nachwuchs dabei, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Sie helfen ihnen, ihre Fähigkeiten zu entfalten und fördern ihre Talente. Zudem tragen Lehrpersonen ihren Teil zur Weiterentwicklung der Kinder und Jugendlichen bei. Was heute in der Erziehung auf keinen Fall fehlen darf: eine detaillierte Schulung im Umgang mit Sozialen Medien. Und dies sowohl in der Schule wie auch im Elternhaus.
Für Philip Wampfler, Schweizer Autor und Experte für digitale Bildung, ist das Zusammenspiel zwischen den beiden Erziehungspartien wichtig: «Die Eltern haben die Verantwortung für die Erziehung der Kinder: Diese erstreckt sich selbstverständlich auch auf medienpädagogische Aspekte. Die Arbeit der Eltern bezieht sich aber meist nur auf die Lebensumgebung ihrer Familien – in der Schule wird der Horizont geöffnet. Dort lernen Kinder und Jugendliche fremde Erfahrungen kennen. Das ist deshalb wichtig, weil Eltern nicht wissen können, womit Kinder morgen im Netz konfrontiert werden. Die Schule kann sie darauf vorbereiten.»

 

Influencer Fabio Zingg: «Auf Social Media sind nicht nur nette Menschen»

Trotzdem hört man in den Medien immer wieder, dass Jugendliche zu wenig über die Gefahren von Social Media wissen. Dass sie die Kontrolle über ihren Privatschutz verlieren. Dass sie zu leichtsinnig mit ihren Fotos und Profilen umgehen. Der ehemalige Lernende der Raiffeisenbank Sirnach, Fabio Zingg stimmt hier nur teilweise zu. Der 18-Jährige kennt viele Gleichaltrige, welche auf Instagram ein privates Profil eingerichtet haben und so nur den wichtigsten Freunden und Familienmitgliedern ihre Fotos zeigen. Es gäbe viele Jugendliche, die vorsichtig seien. Gleichzeitig findet der 18-Jährige, dass immer noch zu viele Jugendliche freizügige Bilder von sich über Social Media versenden - ohne über die Konsequenzen nachzudenken. «Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern bewusst machen, dass sie in Social Media nicht nur von netten Menschen umgeben sind. Sie könnten in Kontakt mit Menschen kommen, die Böses im Schilde führen», so Zingg.

Fabio Zingg, 18-jähriger Influencer aus der Ostschweiz.

Mit 18 Jahren ist Fabio Zingg alias @theaplinist einer der bekanntesten Influencer der Schweiz.

Er selbst ist in Sachen Social Media sehr bewandert. Fabio Zingg ist ein bekannter Influencer der Schweiz und zählt mittlerweile über 220'000 Followers auf Instagram zu seinen Fans. Dort heisst er @thealpinist und hat sich als leidenschaftlicher Fotograf von spektakulären Berglandschaften einen Namen gemacht. Sogar Instagram selbst ist er aufgefallen und hat auf dem offiziellen Instagram-Konto Fotos und Videos von ihm veröffentlicht.

Den sicheren Umgang mit Social Media hat Zingg von seinen Eltern mit auf den Weg bekommen, später habe er sich vor allem durch Online-Medien weitergebildet. Aber auch intern werden Raiffeisen-Lernende über den Umgang mit Social Media informiert. Fabian Christ, Head of Social Media bei Raiffeisen Schweiz, führt jeweils alle neuen Lernenden in einem mehrstündigen Workshop in den interessanten Themenbereich der Sozialen Medien ein. «Wir legen sehr viel wert darauf, dass die Lernenden von Anfang unsere Grundsätze und Verhaltenskodex für Social Media verstehen, aber auch unser internes und externes Angebot wie Blogs, Wikis, Online-Netzwerke kennenlernen», so Christ.

Ein Foto von Influencer Fabio Zingg.

Mit solchen Fotos hat es Fabio Zingg zu über 220'000 Fans auf Instagram geschafft.

Luigj Laski ist 18 Jahre alt und Instagram-Influencer.

Aus heutiger Sicht hätte sich Influencer Luigj Laski im Schulunterrich einen proaktiveren Umgang zum Thema Sicherheit auf Social Media gewünscht.

Heutzutage informieren Schulen über Risiken im Umgang von Social Media

Der 18-jährige Luigj Laski absolviert seine Kaufmännische Lehre bei der Raiffeisenbank Olten. Seine grosse Leidenschaft ist die Schauspielerei, Moderation – und Social Media. Auf Instagram (@theluigjlaski) hat er sich eine grosse Fangemeinde aufgebaut, die von seinen kreativen Sprüchen und Fotos begeistert ist. Ausserdem arbeitet er als Model und Markenbotschafter für verschiedene Modebrands. 

Laski erzählt uns, dass ihn niemand über die Gefahren des Internets aufgeklärt hatte – weder seine Eltern noch die Lehrer. «Ich wünschte mir, dass meine damalige Schule proaktiver über das Thema Sicherheit im Netz informiert hätte. Glücklicherweise war ich schon immer extrem vorsichtig, wenn ich im Netz gepostet habe – andere Mitschüler hätten aber sehr davon profitieren können», sagt der 18-Jährige. Der Raiffeisen-Lernende erinnert sich an einen unglücklichen Fall von Fotomissbrauch auf Social Media, der ihn und die ganze Schule erschütterte. Erst nachdem etwas geschehen war, führte die Schule Informationsschulungen über den sicheren Umgang mit Social Media ein. «Schade, dass zuerst etwas passieren musste.»

Heute hätten die meisten Schulen einen professionellen Umgang mit den Schattenseiten der digitalen Kommunikation, bestätigt Lehrer und Experte Philippe Wampfler: «Weil die Schulen regelmässig Fälle von Cybermobbing und anderen Übergriffen im Umfeld von Klassenchats erleben, sind sie diesbezüglich gut aufgestellt und haben meistens auch starke Kooperationspartner.» Er warnt aber davor, dass bei den ganzen Schulungen über die Gefahren nicht vergessen gehe, dass Social Media auch ein sehr kreativer Lernraum sei.

Faszination Social Media

Kreativer Lernraum oder auch eine fantastische Kommunikationsplattform – nicht alles an den Sozialen Medien ist schlecht. Das findet auch Luigj Laski. Die Sozialen Medien haben ihm persönlich schon eine Menge Türen geöffnet. So braucht er diesen Kanal für den Austausch mit Menschen aus aller Welt oder als Werbemittel für seine Late-Night-Show. Er blickt gespannt auf seine weitere Karriere und hofft, dass Social Media ein Teil davon sein wird. «Meine Privatsphäre möchte ich trotz meiner Social Media-Präsenz wahren, daher ist mit ein vorsichtiger Umgang mit Social Media sehr wichtig. Die Sozialen Medien faszinieren mich, da ich dadurch viele Menschen berühren kann», so der Raiffeisen-Lernende aus dem Kanton Solothurn.

Fabio Zingg findet ebenfalls die Interaktion mit Menschen aus der ganzen Welt sehr interessant, die ihm eine Plattform wie Instagram bietet. Er hat sich entschieden, sich von der Bankenbranche zu verabschieden und seinen Traum als professioneller Fotograf zu arbeiten, weiter zu verfolgen. «Ohne Social Media wäre ich wohl nicht an den Punkt gelangt, an dem ich mir es ernsthaft überlegt hätte, diesen Schritt zu wagen. Dank Social Media wurde mein Namen als Schweizer Landschaftsfotograf bekannter», freut sich Zingg. 

Die Mehrheit der Jugendlichen sehen wie Zingg und Laski die Vorzüge von Social Media. Sie sind sich auch bewusst, was die Schattenseiten sein können, wenn sie unvorsichtig sind. Ausnahmen bestätigen aber bekanntlich die Regel. Die Medien stürzen sich gerne auf diese Ausnahmen. Auch Lehrer Philippe Wampfler sieht es so: «Social Media ist für die Boulevardpresse sehr interessant, weil das Thema die Sexualisierung von Jugendlichen mit einer Moralpanik verbindet. In der Regel sind Jugendliche aber vorsichtig und abgeklärt im Umgang mit Sozialen Medien. Zuweilen verlieren sie die Kontrolle über soziale Beziehungen, was sich dann in Social Media zeigt. Aber damit ist zu rechnen: Das gehört nicht nur zu dieser Lebensphase, sondern zum Leben generell dazu», so der Experte und Fachdidaktiker.

 

 

Ein mit Social Media-Plattformen erweitertes Taschenmesser.

Social Media-Plattformen sollten nicht verteufelt werden, der Umgang damit jedoch auch nicht unterschätzt.

Tipps für die Eltern

Tipp 1:

«Ab Kindergartenalter Kinder bei eigenen Aktivitäten mitmachen lassen: Eine WhatsApp-Nachricht an die Grosseltern schreiben lassen. Sagen, ob ihnen ein Instagram-Bild gefällt. Miterleben, wie man sich durch eine Suche in sozialen Netzwerken spezifische Informationen verschaffen kann. Danach sollte das Wissen und die Erfahrung von Kindern schrittweise erweitert werden.» Philippe Wampfler, Lehrer, Fachdidaktiker, Kulturwissenschaftler und Experte für Lernen mit Neuen Medien.

 

Tipp 2:

«Nie mit Fremden kommunizieren, keine Fremde treffen, Vorsicht mit der Veröffentlichung von Privatem und keine Nacktbilder versenden. Was auch sinnvoll sein kann, dass Eltern anfangs gewisse Seiten im Internet für die Kinder sperren.» Fabio Zingg, Social Media Influencer und Landschaftsfotograf.

 

Tipp 3:

«Erstens rate ich, dass sie die Gefahren von Social Media anhand von Zeitungsartikeln über Cybermobbing oder das Verschicken von Nacktfotos zusammen mit ihren Kindern anschauen und besprechen. Zweitens niemals die private Adresse im Netz preiszugeben. Und als letzter Punkt: Social Media ganz und gar zu verbieten, ist kontraproduktiv. Viel besser ist es, gemeinsam mit den Kindern Regeln zum Gebrauch und Umgang aufzustellen.» Luigj Laski, Social Media Influencer, Schauspieler, Moderator und Raiffeisen-Lernender.

 

 

 

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